16 Juli Glasfaser muss ins Gebäude: VATM bringt Branche und Politik an einen Tisch
Die TKG-Novelle entscheidet mit darüber, ob Glasfasernetze künftig tatsächlich bis in die Wohnungen reichen – und ob sich die dafür notwendigen Investitionen weiterhin rechnen. Beim 2. VATM-Inhaus-Forum in Berlin hat der VATM die entscheidenden Akteure zusammengebracht, die unterschiedlichen Interessen sichtbar gemacht und zentrale Forderungen der Branche direkt in der politischen Debatte adressiert.
Der Glasfaserausbau endet nicht am Bürgersteig. Erst wenn die Verbindung bis in die einzelne Wohnung reicht, werden aus Homes Passed tatsächlich aktive Glasfaseranschlüsse. Gerade in Zwei- und Mehrfamilienhäusern bleibt der Ausbau der Netzebene 4 jedoch eine der größten praktischen und wirtschaftlichen Herausforderungen.
Mit der aktuellen TKG-Novelle und den geplanten Regelungen zum Vollausbau sowie zum Zugang zu gebäudeinternen Netzen ist das Thema nun endgültig auf der politischen Agenda angekommen. Für die Wettbewerber geht es dabei um zentrale Fragen: Welche Investitionen bleiben geschützt? Zu welchen Bedingungen müssen Inhaus-Netze geöffnet werden? Und wie lassen sich Beschleunigung, Wettbewerb und wirtschaftlicher Ausbau miteinander verbinden?
Um diese Fragen frühzeitig mit Politik, Wissenschaft, Wohnungswirtschaft und Branche zu diskutieren, hat der VATM am 9. Juli 2026 rund 60 Expertinnen und Experten zum 2. VATM-Inhaus Forum in Berlin zusammengebracht. Damit haben wir erneut eine Plattform geschaffen, auf der praktische Erfahrungen der Unternehmen unmittelbar in die Bewertung der geplanten gesetzlichen Regelungen einfließen konnten.
Andreas Walter, Geschäftsführender Gesellschafter von Dialog Consult, zeigt die aktuelle Dimension des Inhaus-Ausbaus auf: Mehr als zwei Drittel aller Wohneinheiten in Deutschland befinden sich in Zwei- und Mehrfamilienhäusern. Dort liegen erhebliche Ausbaupotenziale, zugleich aber auch besonders hohe Hürden. Langwierige Abstimmungen mit Eigentümern, begrenzte Baukapazitäten und schwierige bauliche Gegebenheiten verzögern vielerorts die Erschließung.
Gertrud Husch, Abteilungsleiterin Digitale Konnektivität erläuterte für das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung die Zielsetzung des Gesetzentwurfs. Der Ausbau solle beschleunigt, der Wettbewerb gestärkt und Bürokratie reduziert werden. Gleichzeitig müsse sichergestellt bleiben, dass die Unternehmen ihre Investitionen refinanzieren können.
Wie anspruchsvoll dieser Ausgleich ist, bewiesen die Fachvorträge. Dr. Sonia Strube Martins vom WIK unterstrich die Bedeutung transparenter Zugangs- und Entgeltregelungen für gebäudeinterne Netze. Dr. Christoph Enaux von Greenberg Traurig warnte zugleich davor, durch übermäßige Regulierung Investitionsanreize zu schwächen: Zugang könne nur dort gewährt werden, wo zuvor Unternehmen eigenes Kapital und eigenes Risiko eingesetzt hätten.
Auch die Erfahrungen aus der Praxis machten deutlich, dass einfache Lösungen nicht greifen. Dr. Matthias Pohler von TKI und Thomas J. Kollmann von PŸUR berichteten aus zwei Jahren intensiver NE4-Debatte. Im Mittelpunkt standen langfristige Ausbaukooperationen, realistische Amortisationszeiträume und der notwendige Schutz bereits geschlossener Partnerschaften.
In der abschließenden Podiumsdiskussion mit Vertreterinnen und Vertretern aus Ministerium, Wohnungswirtschaft und Telekommunikationsbranche wurde klar: Bei Fristen, Investitionsschutz, technischen Standards und der konkreten Umsetzung der geplanten Regelungen besteht weiterhin erheblicher Gesprächsbedarf.
Der VATM wird diesen Prozess eng begleiten und die praktischen Erfahrungen seiner Mitgliedsunternehmen weiter in die politische Beratung einbringen. Entscheidend ist, dass ein mögliches Vollausbaurecht nicht nur auf dem Papier zu mehr Glasfaser führt. Erforderlich sind realistische Fristen, investitionsfreundliche Zugangsregelungen und verlässliche Rahmenbedingungen, die neue Investitionen ermöglichen und bestehende Ausbauleistungen angemessen schützen.
Das zentrale Fazit des Forums lautet daher: Glasfaser bis in jede Wohnung gelingt nur, wenn Wettbewerb, Investitionsschutz, Eigentümerinteressen und praktische Umsetzbarkeit gemeinsam gedacht werden.
Der VATM bedankt sich bei Greenberg Traurig Germany LLP für die erneute Zusammenarbeit und Gastfreundschaft sowie bei der TKI mbH für die Unterstützung des 2. VATM-Inhaus Forums.
Bild: VATM/Florian Schuh