VATM und DIALOG CONSULT stellen 27. TK-Marktanalyse 2026 für Deutschland vor

VATM und DIALOG CONSULT stellen 27. TK-Marktanalyse 2026 für Deutschland vor

  • Beispielhafte Investitionsbereitschaft: Unternehmen investieren 24,1 Prozent ihres Umsatzes, allen voran die Wettbewerber im TK-Markt.
  • Gigabit-Versorgung 2026: 88,6 Prozent aller Privathaushalte/KMU von einem gigabitfähigen Anschlussnetz erreicht.
  • Glasfaser-Erreichbarkeit 2026 (Homes Passed): die ausbauenden Unternehmen erreichen 32,0 Millionen Haushalte/KMU (69,0 Prozent) mit Glasfaser.
  • Glasfaser-Versorgung 2026 (Homes Connected): Die Versorgungsquote mit Glasfaser-Anschlüssen beträgt 26,9 Prozent (12,5 Millionen Haushalte). Fast 70 Prozent davon werden von den Wettbewerbern angeboten, die ihre Versorgungsquote erneut gesteigert haben.
  • Glasfaser-Verträge 2026 (Homes Activated): Insgesamt 7,8 Millionen Kundinnen und Kunden nutzen Glasfaser. Die meisten Glasfaser-Kunden haben Verträge bei den Wettbewerbern (5,1 Millionen) abgeschlossen. Die Take-up-Rate der Wettbewerber beträgt 30,2 Prozent (Telekom: 17,9 Prozent).
  • Erstarken des Ex-Monopolisten im Festnetz- und Geschäftskundenmarkt.
  • Glasfaser-Prognose 2031: Im optimistischen Szenario werden Ende 2031 weniger als 17 Millionen FTTB/H-Anschlüsse (Homes Activated) genutzt. DSL bleibt die meistgenutzte Anschlusstechnologie.
  • Leistungsstarker Mobilfunk: Nahezu alle Haushalte und der Großteil der Fläche Deutschlands werden mit 5G versorgt.
  • Datenhunger steigt erneut: Das über Festnetz und Mobilfunknetze transportierte Datenvolumen wächst weiterhin.
  • Verankerung der digitalen Dienste im KI-Zeitalter: Kundenkontakt über Service-Rufnummern weiterhin wichtig.

 

Köln, 12. Mai 2026. Die Digitalisierung Deutschlands und den Ausbau leistungsstarker TK-Infrastrukturen im Festnetz- und Mobilfunkbereich treiben weiterhin vor allem die Wettbewerber im Markt mit enormen Investitionsanstrengungen. Die neuesten Zahlen der Marktanalyse 2026 von DIALOG CONSULT und VATM, basierend auf den Gesamtzahlen des Marktes 2025 und den ersten Monaten 2026, zeigen detailliert die Entwicklungen in den einzelnen TK-Marktsegmenten und ermöglichen eine Prognose für die zu erwartenden Marktbewegungen für das Gesamtjahr.

„Die TK-Branche investiert mehr als 24 Prozent ihres Umsatzes in Sachanlagen“, erläutert Andreas Walter, geschäftsführender Gesellschafter des Beratungsinstituts DIALOG CONSULT GmbH. Damit liege die TK-Branche deutlich über Vergleichswerten aus anderen Industriebereichen, die maximal 10 Prozent ihres Umsatzes investieren würden.

Mit 9,3 Milliarden Euro lägen die Investitionen der Wettbewerber erneut wesentlich höher als die der Deutschen Telekom.

Im Mobilfunkbereich spiegelt sich dieses finanzielle Engagement in einer fast vollständigen 5G-Abdeckung der Haushalte und einer Flächenabdeckung von mehr als 96 Prozent.

Für die Glasfaser-Versorgung der Haushalte und KMU in Deutschland ist der Wettbewerb weiterhin der entscheidende Wegbereiter. Die Versorgungsquote mit Glasfaser-Anschlüssen (Homes Connected) wird Ende des Jahres bei knapp 27 Prozent liegen. Davon werden fast 70 Prozent von den alternativen Ausbauern angeboten. Auch bei den Haushalten, die Glasfaser gebucht haben, liegen die Wettbewerber seit Jahren deutlich vor der Telekom.

Der Glasfaser-Ausbau kommt voran, allerdings ist der Weg zu einer flächendeckenden Glasfaser-Versorgung in Deutschland noch herausfordernd.

„Die Netzbetreiber haben Ende 2026 ihre Glasfaser-Kabel zu 32,0 Millionen Haushalten und KMU hin verlegt, wobei einige Haushalte von zwei Carriern erreicht werden“, erläutert Walter. Dies entspreche einer Erreichbarkeitsquote von 69 Prozent. Die Telekom habe erst spät auf das Engagement der Wettbewerber beim Glasfaser-Ausbau reagiert und lege gerade beim Homes-Passed-Ausbau deutlich zu. Die Take-up-Rate liege nach wie vor deutlich hinter der der Wettbewerber.

Erneut zeigt die Studie aber auch erhebliche wettbewerbliche Verzerrungen auf dem deutschen Telekommunikationsmarkt auf. „Die Marktdominanz der Deutschen Telekom nimmt von Jahr zu Jahr zu“, betont der Wissenschaftler. „Dies ist bei dem Endkunden-Marktanteil bei den Breitbandanschlüssen ebenso ersichtlich wie bei den Umsätzen im Festnetzmarkt. Im wichtigen Geschäftskunden-Marktsegment werden knapp 70 % der Anschlüsse auf Telekom-Anschlussnetzen realisiert.“ Im DSL-Markt nähmen die Marktanteile der Telekom ebenfalls zu. Gleichzeitig könnten Nachfrager bei den FTTH-Anschlüssen der Telekom seit Jahren kaum nennenswerte Marktanteile erreichen.

 

VATM-Präsidentin Valentina Daiber: Mit der Kupfer-Glasfaser-Migration wird der Markt in eine neue Phase eintreten. Diesen Pfad gilt es, verlässlich zu gestalten. Deshalb ist die anstehende TKG-Novelle so bedeutend.

VATM-Präsidentin Valentina Daiber hebt anlässlich der Vorstellung der Marktanalyse hervor, dass die neuesten Zahlen immer auch ein Realitätscheck für die Branche und für Politik und Regulierung seien.

Der Glasfaser-Ausbau komme voran, doch sei die Lücke zwischen erreichbaren und tatsächlich aktivierten Glasfaser-Anschlüssen eine zentrale Herausforderung. „Ein Glasfaser-Anschluss, der am Haus vorbeiführt, aber nicht genutzt wird, ist noch kein Erfolg für die digitale Transformation“, betont Daiber. Die politische Aufgabe lautet daher: Rahmenbedingungen schaffen, um die Nutzung zu beschleunigen und die künftige Glasfaser-Welt verlässlich zu gestalten.

Die entscheidende Frage sei: Wie der Wechsel von Kupfer auf Glasfaser gestaltet werde, um Investitionen zu schützen, Wettbewerb zu erhalten und Kundinnen und Kunden mitzunehmen.

„Mit der Migration darf vor allem keine Re-Monopolisierung des Marktes einhergehen“, betont die Präsidentin. „Wir sehen seit langem das Erstarken der Telekom. Regulierung light, das haben die Erfahrungen gezeigt, reicht eben nicht aus, wenn strukturelle Marktmacht fortbesteht. Marktprobleme, die aus dem Verhalten eines marktmächtigen Unternehmens entstehen, brauchen klare und durchsetzbare Antworten. Deshalb muss die TKG-Novelle eine effektive asymmetrische Regulierung sicherstellen.“

Ebenso wichtig in dieser Hochinvestitionsphase der Branche sei das Tempo. Die ausbauenden Unternehmen im Festnetz wie im Mobilfunk dürften nicht durch unnötige Bürokratie, doppelte Berichtspflichten und langwierige Verfahren gebremst werden. „Dies fordert der VATM seit vielen Jahren“, erinnert die Präsidentin. „Viele notwendige Gesetzesinitiativen kommen nur langsam voran oder werden vor Ort nicht umgesetzt. Kommunen, Kreise und Länder müssen sich offiziell committen und das überall vorhandene Beschleunigungspotential heben.“

Auch wenn der 5G-Ausbau in Deutschland eine Erfolgsgeschichte sei, seien die letzten Prozente, die bei der flächendeckenden Versorgung noch fehlten, besonders schwierig. „Die priorisierte Stromversorgung von Mobilfunkmasten muss daher mit der TKG-Novelle gesetzlich verankert werden“, appelliert die Präsidentin.

Schließlich dürfe bei aller Konzentration auf die Infrastruktur nicht vergessen werden: Netze seien kein Selbstzweck. Entscheidend sei, welche Dienste, Anwendungen und Services auf diesen Netzen entstünden.

„Für innovative Entwicklungen made in Germany muss es eine starke politische Unterstützung geben“, erwartet Daiber. „Zukunftsweisende KI-Lösungen, die den Standort Deutschland stärken, brauchen Regelungen, die Innovationen und Leistungsfähigkeit der Unternehmen ermöglichen, nicht behindern.“

Der VATM erwarte von der TKG-Novelle einen klaren ordnungspolitischen Kompass: Investitionen schützen, Wettbewerb sichern, Migration ermöglichen, Missbrauch verhindern und Bürokratie abbauen.

„Wenn das gelingt, kann die Novelle zum Beschleuniger für Glasfaser, Mobilfunk und digitale Dienste werden“, so Daiber. „Wenn es nicht gelingt, drohen neue Marktverfestigungen, geringere Investitionssicherheit und eine Glasfaser-Migration, die zu langsam und zu einseitig verläuft.“

 

Der Telekommunikationsmarkt im Detail:

Der deutsche Telekommunikationsmarkt wächst 2026 voraussichtlich auf 61,3 Milliarden Euro generierten Umsatz. Im Festnetz steigert die Telekom ihre bereits hohen Marktanteile auf Kosten der Wettbewerber (Abb. 2). Besonders relevant für den Wirtschaftsstandort Deutschland ist der hart umkämpfte Geschäftskundenmarkt, der ein Drittel des Gesamtmarktes ausmacht. Mit 14,5 Milliarden Euro Umsatz hat die Telekom 2025 ihre seit Jahren dominante Marktposition im Geschäftskundenmarkt weiter ausgebaut und wird Ende 2026 einen Marktanteil von rund 70 % erreichen. Bei den Wettbewerbern wird nach einem leichten Rückgang in 2025 für das laufende Jahr mit einem weiteren Rückgang um 5,6 % auf 6,8 Milliarden Euro gerechnet (Abb. 3).

Die Investitionen im TK-Markt werden nach wie vor wesentlich von den Wettbewerbern getragen. 2025 haben diese 9,3 Milliarden Euro in TK-Sachanlagen investiert, die Deutsche Telekom investierte 5,5 Milliarden Euro (Abb. 7). Die TK-Branche hat im Vergleich zu anderen Industriezweigen eine hohe Investitionsquote von 24,1 % des Umsatzes (Spotlight 1).

Festnetzmarkt:

Bei den aktiven Breitbandanschlüssen dominieren bis Ende 2026 weiterhin DSL-Anschlüsse mit einem Anteil von mehr als 57 % (21,8 Millionen). FTTB/H wird von 7,8 Millionen Anschlüssen (20,5 %) aktiv genutzt. Der Anteil bei HFC-Anschlüssen beträgt 22,3 % und damit 8,5 Millionen Anschlüsse (Spotlight 2).

In 2025 dominiert die Deutsche Telekom den Breitbandanschlussmarkt: Knapp 66 % aller Breitbandanschlüsse werden über das Netz der Deutschen Telekom realisiert (Abb. 17).

Im mittelfristig noch dominierenden Anschlussmarkt DSL baut die Telekom ihren Marktanteil weiter aus – umso wichtiger sind wettbewerbsfördernde Festlegungen zur Kupfernetz-Abschaltung durch die Bundesnetzagentur (Abb. 11).

Mit Gigabit versorgbar sind 2026 voraussichtlich 41,1 Millionen Haushalte. Die Gigabit-Versorgungsquote liegt bei 88,6 %. 32,0 Millionen Haushalte sowie kleinere und mittlere Unternehmen sind mit Glasfaser erreichbar (Abb. 12).

Die Versorgungsquote mit Glasfaser-Anschlüssen (Homes Connected) wächst bis Ende 2026 auf fast 27 %, was rund 12,5 Millionen versorgten Haushalten entspricht. Fast 70 % dieser Glasfaser-Anschlüsse werden von den Wettbewerbern angeboten (Abb. 14).

Zum Ende des Jahres werden 7,8 Millionen Haushalte FTTB/H-Anschlüsse gebucht haben (Homes Activated), zum größten Teil bei den Wettbewerbern auf dem Telekommunikationsmarkt. Die Wettbewerber stellen den Großteil der aktiven Glasfaser-Anschlüsse. Ihre Take-up-Rate wird bei 30,2 % liegen, die der Deutschen Telekom bei 17,9 % (Abb. 15).

Der Blick auf die unzureichend regulierten FTTH- und DSL-Plattformen der Telekom zeigt, dass das marktmächtige Unternehmen seine Endkunden-Marktanteile weiter ausbaut. Die FTTH-Plattform können Wettbewerber kaum nutzen (Abb. 16).

Die Prognose für die Entwicklung der gebuchten Glasfaser-Anschlüsse (Homes Activated) zeigt Folgendes. Selbst in einem für die Glasfaser-Entwicklung optimistischen Szenario (Annahme: ein jährliches Plus von 1,7 bis 2,0 Millionen neuen FTTB/H-Anschlüssen, Homes Activated) werden Ende 2031 nur knapp 16,5 Millionen Glasfaser-Anschlüsse genutzt. In diesem optimistischen Szenario würden weiterhin 13 Millionen DSL-Anschlüsse genutzt werden (Abb. 18).

Mobilfunkmarkt:

Im Mobilfunkmarkt ist die Versorgung mit 5G weit fortgeschritten. Das 5G-Angebot bedient Ende 2026 99,8 % aller Haushalte und deckt 96,5 % der Fläche Deutschlands ab (Spotlight 5). Die Mobilfunknetzbetreiber investieren kontinuierlich in die Anbindung der Antennenstandorte mit Glasfaser. Richtfunk bleibt weiterhin eine wichtige Anbindungs-Technologie (Abb. 30).

Mit einem erwarteten Plus von 13,4 Millionen neuen SIM-Karten Ende 2026 auf insgesamt 227,9 Millionen wächst der Mobilfunkmarkt weiter (Spotlight 4 und Abb. 19). Mehr als 96 Millionen SIM-Karten werden Ende 2026 zur Vernetzung von IT und Maschinen eingesetzt (Abb. 20).

Digitale Dienste:

Kein Ende hat der Datenhunger der Deutschen. 2026 wird das genutzte Datenvolumen im Festnetz auf 187,5 Milliarden Gigabyte ansteigen. Dies entspricht einem Plus von 12,3 % und monatlich durchschnittlich 412,3 Gigabyte pro Breitbandanschluss.

Ansteigend ist die Entwicklung auch beim Datenverkehr im Mobilfunk. Das Gesamtvolumen wächst um 14,4 % auf mehr als 15 Milliarden Gigabyte. Das durchschnittliche mobile Datenvolumen beträgt bis Ende 2026 voraussichtlich 11,5 Gigabyte pro Monat und pro aktiver persönlicher SIM-Karte (Abb. 25).

Die zentrale Kommunikationsform für den persönlichen Datenaustausch sind Instant-Messaging-Nachrichten über Apps. Beim persönlichen Nachrichtenaustausch scheint eine Sättigungsgrenze erreicht zu sein. 2026 werden es in Deutschland voraussichtlich insgesamt 2.760 Millionen Instant-Messaging-Nachrichten pro Tag sein. Dies entspricht täglich 33 Instant-Messagings pro Einwohner (Abb. 26).

Bei den digitalen Diensten zeigt sich, dass auch im Zeitalter von KI und Chat-Bots der Kundenkontakt über Service-Rufnummern und Service-SMS mit einem Umsatz von 226 Millionen Euro weiterhin ein bedeutendes Marktsegment ist. Die Wettbewerber im Markt, die 83 % des Umsatzes erwirtschaften, bieten vor allem mit kostenfreien 0800-Rufnummern und geografischen Rufnummern einen wichtigen Service für Kundinnen und Kunden (Abb. 6).

 

Die 27. TK-Marktanalyse 2026 von VATM und Dialog Consult finden Sie HIER.

Andreas Walter ist geschäftsführender Gesellschafter des Beratungsinstituts DIALOG CONSULT GmbH und begleitet und analysiert die Entwicklung des Telekommunikationsmarktes seit mehr als 26 Jahren. Walter besitzt einen Lehrauftrag an der Hochschule Rhein-Main.

Valentina Daiber, Präsidentin des VATM e. V., Vorständin Recht & Corporate Affairs Telefónica Deutschland.