12 Feb. Im Gespräch: Stjepan Kalfic, Business Area Lead bei Billogram AB
Herr Kalfic, Billogram will die Zukunft des Abrechnungswesens neugestalten. Wie genau müssen wir uns das vorstellen?
In vielen Commodity-Branchen wie Telekommunikation, Energie oder Versicherungen ist das Lastschriftverfahren völlig zu Recht der Standard – zuverlässig, effizient und etabliert. Daran wollen wir nichts Grundsätzliches ändern. Im Gegenteil: Wir integrieren auch die digitale Einholung und Verwaltung von SEPA-Mandaten nahtlos in die Customer Journey. Was wir verändern, ist die Art und Weise, wie Abrechnung und Zahlung heute organisiert und erlebt werden. Billogram digitalisiert die gesamte Invoice-to-Cash-Kette: vom Moment, in dem ein Kunde eine Rechnung erhält und öffnet, bis hin zur vollständig automatisierten Verarbeitung auf Unternehmensseite. Manuelle Tätigkeiten wie Mahnprozesse, Rücklastschriftenbearbeitung oder Nebenbuchhaltung entfallen vollständig. Das spart Ressourcen, senkt Kosten und vermeidet unnötige Reibung – sowohl intern als auch gegenüber dem Kunden. Entscheidend dabei: Billogram lässt sich einfach in bestehende Systemlandschaften integrieren, ohne langjährige Migrationsprojekte oder disruptive Umstellungen.
Was ist der Unterschied zwischen einer „Invoice-to-Cash Platform“ und anderen Zahlungsdienstleistern wie PayPal?
In Branchen wie Telko, Energie oder Versicherungen ist Lastschrift günstig, bewährt und das Zahlungsausfallrisiko gering. Ein klassischer Zahlungsdienstleister bringt hier oft wenig Mehrwert. Was jedoch häufig unterschätzt wird, sind die internen Aufwände: manuelle Mahnläufe, Rücklastschriften, Zahlungsabgleiche und Nebenbücher binden erhebliche Ressourcen in der Finanzbuchhaltung. Billogram adressiert genau diese Lücke. Als Invoice-to-Cash-Lösung orchestrieren wir Zahlung, Mahnwesen, Account Receivables und Payment Reconciliation ganzheitlich und automatisiert. Der Mehrwert liegt nicht im einzelnen Zahlungsvorgang, sondern in der Effizienz des gesamten Prozesses – und in einem zeitgemäßen Zahlungserlebnis für Kunden, die heute digitale Transparenz und Selbstbestimmung erwarten.
Billogram hat seinen Sitz in Stockholm. Wie schätzen Sie Ihren Beitrag zur digitalen Souveränität Europas ein?
Als europäisches Unternehmen entwickeln und betreiben wir unsere Lösungen vollständig innerhalb Europas und nach europäischen Datenschutz- und Regulierungsstandards. Digitale Souveränität bedeutet für uns, echte Alternativen zu schaffen, nicht Abschottung. Gerade im Bereich Payments und Abrechnung ist es wichtig, unabhängige europäische Lösungen anzubieten, die leistungsfähig, skalierbar und regulatorisch sicher sind. Deshalb beschäftigen wir uns aktiv mit europäischen Initiativen wie Wero, um langfristig eine tragfähige Alternative zu US-dominierten Zahlungsinfrastrukturen aufzubauen und Unternehmen echte Wahlfreiheit zu ermöglichen.
Was wünschen Sie sich von EU und/oder Deutscher Bundesregierung, um die Digitalisierung zu beschleunigen?
Vor allem mehr Geschwindigkeit, Pragmatismus und Mut zur Umsetzung. Schaut man nach Schweden, sieht man, was möglich ist: nahezu 100 % Smart-Meter-Abdeckung, digitale Services im Alltag und eine Transparenz, die es erlaubt, in Echtzeit nachzuvollziehen, ob gerade ein E-Auto lädt oder wie viel Datenvolumen gestreamt wird. Diese digitale Reife ist dort selbstverständlich. In Deutschland und Europa hingegen sind viele Themen bekannt, werden aber durch lange Entscheidungsprozesse und Bürokratie ausgebremst. Digitalisierung sollte nicht nur als Standortfaktor verstanden werden, sondern als zentraler Enabler und echter Wettbewerbsvorteil. Lieber Dinge umsetzen, daraus lernen und nachjustieren, als Fortschritt durch Perfektionismus zu verzögern.
Was erhoffen Sie sich von Ihrer Mitgliedschaft im VATM?
Wir möchten unsere Erfolgsgeschichte gemeinsam mit dem VATM schreiben und Digitalisierung dorthin bringen, wo sie häufig erwartet, aber noch nicht konsequent umgesetzt wird. Der Verband bietet dafür eine starke Plattform für Austausch, Diskussion und Vernetzung. Unser Ziel ist es, Billing und Payments wieder stärker in den Fokus zu rücken, weil genau hier Skalierung, Kundenerlebnis und Wirtschaftlichkeit im operativen Alltag entschieden werden.