13 Juli 2. VATM-Inhaus-Forum gemeinsam mit Greenberg Traurig und TKI
Glasfaser bis in die Wohnung: Regulierung, Investitionen und Praxis zusammenbringen
Die Gebäudeebene entscheidet darüber, ob aus „Homes Passed“ tatsächlich „Homes Activated“ werden können. Gerade in Mehrfamilienhäusern bleibt der Ausbau der Netzebene 4 eine zentrale Herausforderung für Telekommunikationsbranche und Wohnungswirtschaft. Mit den Regelungen der TKG-Novelle zum Vollausbau und zum Zugang zu gebäudeinternen Netzen ist das Thema zugleich in den Mittelpunkt der politischen Debatte gerückt.
Am 9. Juli 2026 diskutierten rund 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Politik, Ministerium, Wissenschaft, Wohnungswirtschaft und Telekommunikationsbranche beim 2. VATM-Inhaus Forum in Berlin über die richtigen Rahmenbedingungen für einen beschleunigten Inhaus-Ausbau.
Nach der Begrüßung durch VATM-Geschäftsführer Dr. Frederic Ufer ordnete Andreas Walter, Geschäftsführender Gesellschafter der Dialog Consult GmbH, die Dimension des Themas ein. Mehr als zwei Drittel aller Wohneinheiten befinden sich in Zwei- und Mehrfamilienhäusern. Zugleich bestehen dort weiterhin große Ausbaupotenziale. Als zentrale Hemmnisse wurden insbesondere aufgeschobene Entscheidungen von Gebäudeeigentümern, begrenzte Baukapazitäten und schwierige bauliche Rahmenbedingungen benannt.
Gertrud Husch, Abteilungsleiterin Digitale Infrastrukturen im Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung, erläuterte anschließend die Zielsetzung des Regierungsentwurfs. Das BMDS wolle den Ausbau beschleunigen, Wettbewerb stärken und zugleich Bürokratie abbauen. Zugangsbedingungen und Entgelte müssten so ausgestaltet werden, dass Investitionen weiterhin refinanzierbar bleiben.
Dr. Sonia Strube Martins, Senior Economist beim WIK, hob die besondere Rolle gebäudeinterner Netze als schwer replizierbare Infrastruktur hervor. Effiziente Zugangsregeln könnten Wettbewerb ermöglichen. Zugleich sprach sie sich für transparente und praktikable Entgeltmodelle aus.
Demgegenüber betonte Dr. Christoph Enaux, Partner bei Greenberg Traurig Germany LLP, die Bedeutung von Investitionsanreizen. Zugang könne nur zu Netzen gewährt werden, die zuvor auch gebaut worden seien. Eine zu weitgehende Regulierung könne den Erstausbau schwächen. Statt pauschaler Vorgaben seien klare Leitlinien der Bundesnetzagentur und eine stärkere Differenzierung nach Marktphase und Investitionsrisiko erforderlich.
Im Praxisteil diskutierten Dr. Matthias Pohler, Geschäftsführer der TKI mbH, und Thomas J. Kollmann, Director Housing Industry Region South-West bei PŸUR, die Erfahrungen aus zwei Jahren NE4-Debatte. Im Mittelpunkt standen langfristige Ausbaukooperationen, Amortisationszeiträume und die Gefahr, dass zu kurze Fristen oder ein reines Windhundprinzip bestehende Partnerschaften unter Druck setzen.
In der von Dr. Frederic Ufer und Gerrit Wernke, Leiter des VATM-Hauptstadtbüros, moderierten Abschlussdiskussion trafen die unterschiedlichen Perspektiven unmittelbar aufeinander. Dr. Philipp Grün aus dem BMDS erläuterte die gesetzgeberische Logik des Entwurfs und verwies auf weiteren Diskussionsbedarf bei den Fristen. Dr. Claus Wedemeier vom GdW kritisierte, dass die Belange der Wohnungswirtschaft bislang nicht ausreichend berücksichtigt würden. Thomas J. Kollmann verwies auf die erheblichen operativen Belastungen eines stark beschleunigten Ausbaus. Victor Bogdan, CEO von Haus des Glases – FTTH Solutions GmbH, forderte mehr Planungssicherheit und praxistaugliche technische Standards.
Die Diskussion machte deutlich: Ein schneller Glasfaserausbau bis in jede Wohnung gelingt nur, wenn Investitionsschutz, Eigentümerinteressen, Wettbewerb und praktische Umsetzbarkeit gemeinsam gedacht werden. Das Vollausbaurecht kann Impulse setzen, braucht aber realistische Fristen und Schutz für bestehende Kooperationen. Auch der Zugang zu gebäudeinternen Netzen muss rechtssicher, praktikabel und investitionsfreundlich ausgestaltet werden.
Beim anschließenden Get-together auf der Dachterrasse des Westlight wurde der Austausch fortgesetzt. Der VATM bedankt sich bei Greenberg Traurig für die erneute Zusammenarbeit und die hervorragenden Räumlichkeiten sowie bei der TKI mbH für die Unterstützung des 2. VATM-Inhaus Forums.
Zu den Impressionen des 2. VATM-Inhaus Forum gelangen Sie über den folgenden Link:
©VATM / Florian Schuh