Parlamentarisches Frühstück des VATM am 25. Februar 2026: Open RAN als strategischer Baustein für Sicherheit, Innovation und Wettbewerb

Parlamentarisches Frühstück des VATM am 25. Februar 2026: Open RAN als strategischer Baustein für Sicherheit, Innovation und Wettbewerb

Berlin, 25. Februar 2026 – Beim Parlamentarischen Frühstück des VATM im Deutschen Bundestag diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft über die Rolle von Open RAN (Open Radio Access Network) für die Weiterentwicklung des Mobilfunkstandorts Deutschland. Deutlich wurde: Open RAN ist weit mehr als eine technische Architektur – es ist ein strukturpolitischer Hebel für Sicherheit, Innovationsdynamik und nachhaltigen Wettbewerb.

Politik als Rahmengeber
Joachim Ebmeyer MdB, Schirmherr der Veranstaltung, betonte in seiner Keynote, dass Politik keine Technologie vorgeben solle. Entscheidend seien verlässliche Rahmenbedingungen, die Investitionen, Skalierung und Planungssicherheit ermöglichen. Zugleich hob er die Bedeutung weiterentwickelter Sicherheitsarchitekturen sowie einer engeren Verzahnung von Telekommunikations-, Digital- und Industriepolitik hervor. Open RAN sei kein Selbstzweck, sondern ein Baustein für digitale Souveränität und Wettbewerbsfähigkeit.

Pionierarbeit im Mobilfunk: 1&1 treibt offene Netzarchitekturen im operativen Betrieb voran
Michael Martin, CEO von 1&1 Mobilfunk, schilderte die praktische Umsetzung einer offenen, cloudbasierten Netzarchitektur. Die konsequente Trennung von Hard- und Software sowie standardisierte Schnittstellen erhöhen die Interoperabilität und verringern Abhängigkeiten von einzelnen Herstellern. Damit ist Open RAN nicht mehr Zukunftsmodell, sondern gelebte Praxis. Gleichzeitig machte er deutlich, dass das europäische Ökosystem noch im Aufbau ist. Wenn sich ein globaler Markt für Open-RAN-Komponenten weiterentwickelt, sollte Europa substanziell daran beteiligt sein. Hier liegt erhebliches Potenzial für Unternehmen und den Wirtschaftsstandort Deutschland.

Wissenschaftliche Perspektive: Offenheit als Innovationsmotor
Prof. Dr.-Ing. Slawomir Stanczak (TU Berlin/Fraunhofer HHI) ordnete Open RAN aus wissenschaftlicher Sicht ein. Offene Schnittstellen und Open Source senken Markteintrittsbarrieren und ermöglichen es Forschung und jungen Unternehmen, auf bestehenden Plattformen aufzusetzen. Offenheit bedeutet dabei nicht Unsicherheit: Transparenz und Auditierbarkeit können Vertrauen stärken und Sicherheitsarchitekturen überprüfbar machen.
Zugleich wies er darauf hin, dass Effizienz im Umgang mit knappen Ressourcen – insbesondere mit Blick auf das Spektrum – eine zentrale Herausforderung bleibt. Forschung und Entwicklung konzentrieren sich daher auf Spektrumeffizienz, robuste Sicherheitsarchitekturen sowie die kontinuierliche Weiterentwicklung offener und interoperabler Standards.

Diskussion: Resilienz, Ökosystem und neue Technologien
In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass die technologische Grundlage gelegt ist, die Integration in bestehende Netzinfrastrukturen jedoch anspruchsvoll bleibt. Die Umrüstung und das Zusammenspiel verschiedener Komponenten erfordern Koordination, Expertise und weitere Optimierung – insbesondere im Hinblick auf Skalierung und Systemkomplexität.
Förderimpulse wurden weniger als Instrument für einzelne Netzbetreiber diskutiert, sondern vor allem als Hebel für Integration, Testmöglichkeiten und Ausbildung. Ebenso wichtig ist der Aufbau eines leistungsfähigen Ökosystems mit starker europäischer Beteiligung. Nur wenn sich ein Netzwerk aus Technologieanbietern, Start-ups, Forschungseinrichtungen und etablierten Unternehmen weiterentwickelt, kann Europa langfristig eine prägende Rolle im globalen Open-RAN-Markt einnehmen.

Auch komplementäre Technologien wie Satellitenkommunikation wurden erörtert. Deutlich wurde: Mobilfunk und Satellit werden sich künftig eher ergänzen als ersetzen – insbesondere mit Blick auf Resilienz und Versorgungssicherheit.

Fazit
Open RAN verbindet Sicherheitsinteressen, Innovationsförderung und Wettbewerbspolitik. Die Technologie ist einsatzfähig, die Weiterentwicklung erfolgt kontinuierlich. Entscheidend wird sein, offene Architekturen skalierbar in bestehende Netze zu integrieren, internationale Standards aktiv mitzugestalten und europäische Unternehmen im entstehenden globalen Open-RAN-Ökosystem nachhaltig wettbewerbsfähig zu positionieren.
Der VATM wird diesen Dialog zwischen Politik, Wissenschaft und Wirtschaft weiter aktiv begleiten. Herzlichen Dank an unser Mitgliedsunternehmen 1&1 Mobilfunk für die Unterstützung des Parlamentarischen Frühstücks.

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