Unternehmensnachrichten

14.12.2017

QSC baut um: „Agiler am Markt und stärker am Kunden orientiert“

Die fünf Geschäftsbereiche der QSC AG erhalten mehr Kompetenzen und Selbstständigkeit. Wie das genau aussehen wird und warum es gerade zu diesem Zeitpunkt kommt, sagt Vorstandsvorsitzender Jürgen Hermann im Interview.


Im Interview: Jürgen Hermann, Vorstandsvorsitzender der QSC AG
Foto: © QSC AG

Herr Hermann, die QSC AG hat eine umfassende Neustrukturierung angekündigt. Was ist geplant?

Hermann: Wir haben es im November angekündigt und sind jetzt schon mitten in der Umsetzung: Wir werden das Unternehmen vertikalisieren. Somit werden Funktionen, die bis dato noch zentral organisiert waren wie Vertrieb oder Betrieb, jetzt in der Verantwortung unserer fünf Geschäftsbereiche liegen.

Es handelt sich hierbei um die Geschäftsbereiche Cloud einschließlich IT-Outsourcing, Internet of Things, Consulting, Telekommunikation und Colocation. Sie haben ihre Teilmärkte bisher schon mit einem eigenen Produktmarketing und Produktmanagement bedient. Jetzt bekommen sie zusätzlich mehr Umsatz- und Ergebnis­verantwortung, vor allem aber die komplette Vertriebs- und Betriebsverantwortung für ihre Bereiche.

Es soll auch eine eigenständige Telekommunikationsgesellschaft geben.

Hermann: Genau: Den Geschäftsbereich Telekommunikation wollen wir als rechtlich selbstständige Einheit führen. Das ist ein zweiter Schritt nach der Vertikalisierung. Damit das wirksam wird, müssen wir noch die Zustimmung der Hauptversammlung im kommenden Sommer abwarten.

Es gibt zwei Gründe für eine Telekommunikations-GmbH: Sie macht es erstens leichter, Beteiligungen und Kooperationen einzugehen und zweitens können wir so neue Geschäftsmodelle flexibler und schneller einführen.

Bei unserem Geschäftsbereich Internet of Things hat sich das bereits bewährt. Er ist seit 2016 als 100-prozentige QSC-Tochterfirma Q-loud GmbH am Markt und bündelt die IoT-Kompetenz der gesamten QSC-Gruppe.

Welche Funktionen bleiben dann noch zentral?

Hermann: Selbstverständlich werden wir einige wichtige Bereiche unverändert zentral steuern: allen voran Finanzen, Personal, Strategie, Security, aber auch Investor Relations und Corporate Communications und einiges anderes. Die AG wird also keineswegs nur als Holding auftreten. Die meisten Produkte und Dienstleistungen werden auch künftig unter der Marke QSC angeboten. Unsere Positionierung als der Digitalisierer für den Mittelstand bleibt unangetastet.

Bis wann wird die Vertikalisierung stehen?

Hermann: Die neue Struktur ist bereits umgesetzt und seit dem 1. Dezember 2017 in unserem Organigramm wirksam. Aber natürlich ist keine Organisation starr, schon gar nicht in unserer Branche. Die zuständigen Manager werden sich auch zukünftig flexibel auf Veränderungen einstellen, um alle Vorteile der vertikalen Struktur umzusetzen.

Welche Vorteile versprechen Sie sich davon?

Hermann: Ich verspreche mir davon vor allem Agilität, das heißt eine höhere Geschwindigkeit und mehr Flexibilität. Das ist nötig, denn die Dynamik und Entwicklungsgeschwindigkeiten der Märkte, in denen wir uns bewegen, sind enorm und die Kundenanforderungen werden immer spezifischer.

Zweitens erwarte ich eine größere Kundenorientierung. Die kommt schnell zu kurz, wenn beispielsweise Geschäftsbereiche und Zentrale miteinander Diskussionen führen und sich gegenseitig die Verantwortung zuschieben. Bei einer vertikalen Organisation mit flacheren Hierarchien kann man schneller auf Kundenwünsche reagieren.

Drittens möchten wir durch die Umorganisation eine neue Dynamik bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Gang bringen. Deren Kreativität und Kompetenz möchten wir stärker für neue Geschäftsideen nutzen.

In der Organisation ist die Resonanz auf diese Ziele übrigens überaus positiv – auch bei den Kolleginnen und Kollegen und nicht nur bei den Führungskräften.

Gehen Sie mit der Umorganisation nicht neue Risiken ein?

Hermann: Sicherlich müssen wir aufpassen, dass wir auch weiterhin Cross-Selling über die Geschäftsbereiche hinweg betreiben, dass das Marketing nicht zerfasert und wir keine Silos bauen. Aber wir sind sehr sicher, dass die Vorteile klar überwiegen.

Wer wird die neuen Einheiten leiten?


Hermann: Bei der neuen TK-Gesellschaft wird das Führungsteam aus Dr. Jürgen Mattfeldt (Strategie), Jörg Mügge (Betrieb), Markus Hendrich (Technik) und Bert Wilden (Vertrieb) bestehen.

Der Geschäftsbereich „Cloud und IT-Outsourcing“ wird geleitet von Waldemar Gerlach (Strategie, Portfolio und Vertrieb), Dr. Clemens Plieth (IT Service Operation), Wilhelm Auffermann (IT Service Support) sowie Udo Kohorst (Prozesse und Restrukturierung).

Im Geschäftsbereich SAP-Consulting ist es Hartmut Hopf, bei Colocation Rüdiger Hofer und Werner Motz und bei Internet of Things sind Frank Thelen und Christian Pereira weiterhin die Geschäftsführer der Q-loud GmbH.

Warum erfolgt die Umorganisation gerade jetzt?

Hermann: Das hat vor allem mit der Dynamik der Teilmärkte, in denen wir aktiv sind, zu tun. Als Beispiel nenne ich den Telekommunikationsmarkt, der sich gerade stark verändert. So sortiert sich das Festnetzgeschäft neu, überall wird der Glasfaserausbau forciert und durch die Cloud-Technologie spielt das Thema Unternehmensvernetzung bei vielen Firmen eine größere Rolle. Das sind Entwicklungen, auf die wir jetzt reagieren.

Im Geschäftsbereich Cloud und IT-Outsourcing haben wir in den vergangenen zwei Jahren den Betrieb runderneuert, unsere IT-Prozesse effizienter und Cloud-fähig gemacht und unser Portfolio entsprechend angepasst. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, mit diesem neuen Angebot die individuellen Kundenerwartungen sehr fokussiert zu adressieren. Da gibt es schon Unterschiede in den einzelnen Geschäftsbereichen. Mit anderen Worten: Auch ein exzellenter VPN-Vertriebler kann nicht einfach auch IoT und SAP-Services verkaufen, zudem gibt es für die verschiedenen Gewerke auf operativer Kundenebene oft verschiedene Ansprechpartner.

In den vergangenen Jahren haben Sie QSC klar auf das Thema Cloud fokussiert. Ist diese Strategie gescheitert?

Hermann: Nein, ganz im Gegenteil. Cloud bleibt ein ganz wesentlicher Bestandteil unseres Portfolios und ist unverzichtbar für das Thema Digitaler Wandel. Wir haben unseren Kunden in den vergangenen Monaten hochstandardisierte Cloud-Lösungen angeboten und dabei gelernt, dass diese nicht immer passen. Dafür sind die Bedürfnisse der Unternehmen zu unterschiedlich. Wir müssen ihnen also individuellere Angebote machen – bei unserem Dienstleistungsportfolio und auch bei den Verträgen, die wir ihnen vorlegen.

Anders gesagt: Mit unseren Multi-Cloud-Angeboten, die unterschiedliche Cloud-Lösungen zusammenfassen, können Kunden ihre Geschäftsmodelle von morgen oftmals besser abbilden als nur mit der Pure Enterprise Cloud. Daher werden wir dieses Cloud-Portfolio weiterentwickeln und ergänzen, damit es künftig besser den Kundennutzen abbildet. Statt Standardprodukte wird es mehr individuelle Lösungsangebote geben.

Welche Rolle spielen dann noch Standardisierung und Automatisierung, die Sie sich auf die Fahnen geschrieben hatten?


Hermann: Eine große Rolle. Wir haben die technische Basis unserer Cloud-Lösungen, aber auch unserer klassischen IT-Dienstleistungen, standardisiert und automatisiert. Damit steuern wir unsere Prozesse viel effizienter und mit einer verbesserten Qualität. Und wir haben die Hardware und Betriebssysteme, die wir für unsere Cloud-Services in unseren Rechenzentren einsetzen, vereinheitlicht. Anders sind Zuverlässigkeit und marktgerechte Preise gar nicht zu erreichen.

Wie geht es der QSC AG im 20sten Jahr ihres Bestehens?


Hermann: Der TK-Dienstleister ist tatsächlich vor 20 Jahren gegründet worden. Doch andere Gesellschaften, die wir im Laufe der Zeit integriert haben, existieren teilweise viel länger – zum Beispiel die ehemalige INFO AG. Daher hat das Datum keine so große Bedeutung für uns.

Wichtiger ist, unsere Wachstumsziele zu erreichen und gleichzeitig die Kosten im Griff zu behalten. Hier sind wir ein gutes Stück vorangekommen. In diesem Jahr haben wir einen zweistelligen Millionenbetrag in unser Wachstum investiert, vor allem in die neuen technischen Prozesse. Trotzdem können wir zuversichtlich sein, nach drei Jahren in 2017 erstmals wieder ein positives Konzernergebnis zu erreichen.

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