Pressemitteilungen

31.03.2011

Miete für die letzte Meile soll nur um 1,2 Prozent sinken

VATM: Wettbewerb in Deutschland wird weiterhin mit viel zu hohen Kosten belastet

Köln, 31. März 2011. „Die Absenkung des Monatsentgeltes für die Teilnehmeranschlussleitung – TAL – um 12 Cent auf 10,08 Euro und damit um ganze 1,2 Prozent ist definitiv viel zu gering ausgefallen. Damit hat die Bundesnetzagentur leider die Chance vertan, die dringend notwendigen Impulse für den Wettbewerb und den Breitbandausbau in Deutschland zu setzen. Die Entgelthöhe für die Miete der letzten Meile der Telekom spiegelt mit noch immer über 10 Euro nicht die reale Marktlage wider. Die Wettbewerber werden jetzt mehr als zwei weitere Jahre mit einem Preis auf künstlich hohem Niveau belastet und im Wettbewerb benachteiligt“, kommentiert VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner die heutige Entscheidung der Bundesnetzagentur (BNetzA): „Das gilt insbesondere auch für den KVz-TAL-Preis für den zweiten Streckenteil vom grauen Kasten am Gehwegrand bis zum Endkunden, da dieser beim Breitbandausbau und für die Umsetzung der Breitbandziele der Bundesregierung eine bedeutsame Rolle spielt.“ Hier wurde die Miete lediglich um vier Cent auf 7,17 Euro gesenkt.

Das monatliche Entgelt für die TAL bis zum Endkunden ist eine der wichtigsten Stellschrauben im deutschen Telekommunikationsmarkt. Es wurde bislang alle zwei Jahre durch die Regulierungsbehörde neu festgelegt; dieses Mal aufgrund von Konsultationsverfahren bis Juni 2013. 

„Wir hätten auf Basis der tatsächlichen Kosten auf einen guten europäischen Durchschnittspreis kommen müssen – gerade auch aufgrund unserer Mengenvorteile im größten europäischen Markt“, so Grützner: „Doch stattdessen gehört Deutschland auch in den kommenden zwei Jahren zu den Schlusslichtern in Europa. Wir bleiben nach dieser Entscheidung das Land mit dem vierthöchsten TAL-Preis in der EU-27.“ Der Durchschnitt der zehn EU-Länder mit den preisgünstigsten Mietpreisen für die letzte Meile liegt hingegen derzeit bei 6,72 Euro. Bei laut Dialog Consult in 2010 schätzungsweise rund 9,5 Millionen vermieteten TAL und insgesamt mehr als 1,1 Milliarde Euro Mietzahlungen an den Ex-Monopolisten pro Jahr bedeute das heutige Preisniveau überhöhte Belastungen in Höhe von jährlich rund 330 Millionen Euro nur für die Anmietung des blanken Kabels – „und entsprechende Wettbewerbsnachteile. Denn die Telekom hat nicht nur diese Zusatzeinnahmen durch ein ehemals staatliches Netz, sondern müsse diese Mietkosten selbst nicht aufbringen“, erläutert der VATM-Geschäftsführer. 

Auch nach zwölf Jahren habe die BNetzA an einem Kostenmodell festgehalten, das völlig  zu Unrecht allein auf Neubaukosten basiere, kritisiert Grützner: „Es werden weiterhin Wiederbeschaffungskosten für ein Kupfernetz angesetzt, das meist seit über 30 Jahren im Boden liegt, weitestgehend abgeschrieben ist und eben nicht mehr neu gebaut oder ersetzt wird.“ Diese Berechnungsgrundlagen der Regulierungsbehörde wurden in den vergangenen Monaten sowohl durch wegweisende Urteile verschiedener Gerichte als auch in einer Reihe von wissenschaftlichen Gutachten erheblich kritisiert. „Längst liegen neu definierte, wirtschaftliche Parameter zur Kalkulation der TAL-Entgelte vor. Leider wurden diese zeitgemäßen Ansätze auch in diesem Jahr von der BNetzA nicht  berücksichtigt“, so der Geschäftsführer des größten TK-Wettbewerberverbandes in Deutschland.

„Durch den künstlich hohen Preis für die letzte Meile wird aus unserer Sicht zudem aktiv in die Wettbewerbsfähigkeit der TK-Anbieter gegenüber den Kabelnetzbetreibern eingegriffen, die die TAL nicht benötigen“, sagt Grützner. „Durch den Verlust von Kunden, aber auch den hohen Vorproduktpreis selbst, gehen den Wettbewerbern Millionen von Euro verloren, die dann nicht für Investitionen zur Verfügung stehen“, sagt er weiter. In 2010 haben die Wettbewerber mit rund 3,7 Milliarden Euro fast 60 Prozent der Investitionen in TK-Sachanlagen gestemmt und sind gewillt, den Breitbandausbau weiter voranzutreiben.

Auch der Preis für den Teil der letzten Meile vom Kabelverzweiger bis zum Kunden, die  KVz-TAL, liege mit 7,17 Euro als Bestandteil der TAL-Gesamtmiete weiterhin besonders hoch. Diese KVz-TAL spielt beim VDSL-Ausbau eine besonders wichtige Rolle. „Mit einer entsprechenden Absenkung des Mietpreises für die KVz-TAL hätte man eine positive Wirkung erreichen können, damit die Wettbewerber in den VDSL-Ausbau investieren und noch mehr weiße Flecken auch gerade durch kleine und mittelständische Unternehmen geschlossen werden können“, unterstreicht Grützner. Auch das Entgelt für den Schaltverteiler-Zugang, der ebenfalls Baustein der Breitbandstrategie zur Schließung der weißen Flecken ist, ist nahezu gleich geblieben – statt 8,04 Euro beträgt es nun 8,01 Euro.

„Die Entscheidung wird jetzt der EU-Kommission vorgelegt. Deren Reaktion wird von der Wirtschaft mit Spannung erwartet - zumal die Kommission und der Europäische Gerichtshof eine mehr an der Realität orientierte Kostenberechnung gefordert hatten“, betont der VATM-Geschäftsführer.

Bedenken der EU bei Glasfaser-TAL missachtet

Sorgen bereitet dem VATM zudem, dass die BNetzA trotz Kritik aus Brüssel keinerlei Änderungen in ihrer kürzlich veröffentlichten Regulierungsverfügung, die Entgelte für den Zugang von Wettbewerbern zu Glasfaseranschlüssen der Telekom nur einer nachträglichen Kontrolle zu unterziehen, vorgenommen hat. „Die Bundesnetzagentur hat keinen einzigen Verbesserungsvorschlag der EU-Kommission aufgenommen, sondern die Einwände schlicht ignoriert“, kritisiert Grützner. „Dieses wenig konstruktive Verhalten der Regulierungsbehörde schadet dem weiteren wichtigen Dialog mit Brüssel beim Breitbandausbau“, warnt der VATM-Geschäftsführer.

Stichwort: Teilnehmeranschlussleitung (TAL)
Die Teilnehmeranschlussleitung (TAL) – auch letzte Meile genannt – stellt innerhalb des Telefonnetzes die Verbindung zwischen der Ortsvermittlungsstelle (Hauptverteiler) des Netzbetreibers und dem Netzabschluss (TAE) beim Teilnehmer dar. Überwiegend wird die Verbindung vom Hauptverteiler über den Kabelverzweiger (KVz), den Schaltkasten am Gehwegrand, zu den Anschlussdosen (TAE) beim Teilnehmer geschaltet. In den meisten Fällen besteht die TAL aus einer Kupfer-Doppelader (CuDa) und ist somit DSL-fähig. Die Kupfer-TAL muss teilweise Entfernungen von fünf Kilometern und mehr überbrücken und ist dann aus physikalischen Gründen praktisch nicht mehr für breitbandige Anwendungen nutzbar. Im Zuge des Glasfaserausbaus (VDSL, FTTB, FTTH) wird die Kupferleitung mittel- und langfristig zunehmend durch Glasfaserstrecken ersetzt werden. Die Wettbewerber mieten die Kupfer-TAL zu einem von der Bundesnetzagentur regulierten Preis vom Ex-Monopolisten, der Telekom Deutschland GmbH. 

Grafik: VATM

Kontakt

Corinna Keim
Leiterin Kommunikation und Presse
Tel.: +49 221 376 77-23
E-Mail: ck(at)vatm.de