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16.10.2013

VATM und Dialog Consult stellen Studie zum deutschen Telekommunikationsmarkt 2013 vor

Gesamtumsatz der TK-Dienste leicht rückläufig – Mobilfunk mit leichtem Plus – Netz-investitionen steigen – Wettbewerber tätigen 53 Prozent der Investitionen – Deutsche simsen so viel wie nie zuvor – Steigerung der Datenmenge im Mobilfunk – Nur geringes Wachstum bei Glasfaseranschlüssen – 28,6 Millionen Breitbandanschlüsse

Die Umsätze mit Telekommunikationsdiensten in Deutschland werden 2013 voraussichtlich mit 59,6 Milliarden Euro leicht rückläufig sein (-0,6 Milliarden Euro). Das entspricht im Vergleich zum Vorjahr einem Rückgang um 1 Prozent. Dabei wird der Umsatz im Mobilfunkbereich um rund 0,3 Milliarden Euro auf 25,1 Milliarden (+1,2 Prozent) leicht steigen, der TK-Festnetzbereich um 1,3 Milliarden Euro auf 29,7 Milliarden Euro zurückgehen. Die Kabelnetzbetreiber steigern mit einem Plus von 0,4 Milliarden Euro und damit 9,1 Prozent ihren Umsatz deutlich. Das sind Ergebnisse der 15. gemeinsamen TK-Marktstudie, die Dialog Consult und VATM heute in Berlin vorgestellt haben.

Die alternativen TK-Anbieter verbuchen im Festnetz-Segment insgesamt ein leichtes Minus um 1,9 Prozent auf 15,2 Milliarden Euro (-0,3 Milliarden Euro). Der Umsatz der Telekom sinkt in diesem Bereich um 6,5 Prozent auf 14,5 Milliarden Euro. Im Mobilfunkbereich halten die Wettbewerber ungefähr den Umsatz von 2012 mit 17,6 Milliarden Euro.

Die Höhe der TK-Sachanlagen steigt trotz der rückläufigen Umsätze insgesamt um 6,7 Prozent an und liegt bei 6,4 Milliarden Euro (2012: 6,0 Milliarden Euro). Die Wettbewerber tragen mit 3,4 Milliarden Euro erneut mehr als die Hälfte (mehr als 53 Prozent) des Investments. Seit der Marktliberalisierung haben sie in Deutschland 58,2 Milliarden Euro investiert.

Die Zahl der Mitarbeiter bei den alternativen Anbietern steigt in diesem Jahr wieder leicht an (+200 auf 54.300). Die Deutsche Telekom baut weiterhin bei den Beschäftigten ab (-2.800) und versucht dadurch, ihre Effizienz in Deutschland zu steigern.

Die Zahl der Festnetz-Breitbandanschlüsse nimmt in diesem Jahr um rund 0,6 Millionen auf 28,6 Millionen zu. Etwa 884.000 Haushalte (+84.000) werden in Deutschland Ende 2013 an Glasfasernetze mindestens bis zum Gebäudekeller angeschlossen sein. Das bedeutet insgesamt ein marginales Wachstum. Das Gesamtdatenvolumen des Breitband-Internetverkehrs im Festnetz nimmt um etwa 18,2 Prozent auf 5,2 Milliarden Gigabyte zu. Das aus Mobilfunknetzen pro Nutzer abgehende Datenübertragungsvolumen steigt um 15 Prozent auf 261 Megabyte. 2013 werden die Datendienste mehr als zwei Drittel der Non-Voice-Umsätze im Mobilfunk ausmachen. Höchstwerte gibt es auch bei der Anzahl von SIM-Karten und verschickter SMS zu vermelden:  Ende 2013 wird es rund 114,1 Millionen SIM-Karten geben (2012: 113,2 Millionen). Täglich werden in diesem Jahr rund 168,3 Millionen SMS (2012: 159,7 Millionen; + 5,4 Prozent) verschickt, erläutert Prof. Dr. Torsten J. Gerpott, der die TK-Marktstudie wie in den Vorjahren mit der Dialog Consult GmbH im Auftrag des VATM erstellt hat.

VATM-Präsidiumsmitglied Markus Haas beurteilt die Wettbewerbslage auf dem deutschen TK-Markt insgesamt als recht positiv. Das helfe vor allem auch den Verbrauchern in diesem Land. Die größte Konkurrenz im TK-Markt stellten momentan die Kabelanbieter dar. Die Ergebnisse der Studie verdeutlichen zudem, dass der Wettbewerb immer noch einer effizienten Regulierung bedürfe. Die Telekom ist im TK-Festnetzbereich weiterhin dominierend. 15 Jahre nach der Festnetz-Liberalisierung wird die Telekom alleine in diesem Bereich trotz Umsatzeinbußen mit 42 Prozent Gesamtumsatzanteil fast genauso viel umsetzen wie alle alternativen Festnetz-Carrier mit 44,1 Prozent zusammen. Im Bereich Breitband beherrscht die Telekom mit rund 44 Prozent Endkunden-Anteil deutlich den Markt. Weiterhin bestehen bleibt zudem die Abhängigkeit der Wettbewerber von den Vorprodukten der Telekom. Sie müssen überwiegend auf die Anschlussnetze der Telekom bis zum Haus aus Monopolzeiten zurückgreifen.

„Die intensiven Diskussionen um die Versorgung mit schnellem Breitband in Deutschland zeigen, welch große Bedeutung der Telekommunikationssektor für den Wirtschaftsstandort Deutschland auch zukünftig haben wird. Die Wettbewerber spielen hierbei eine entscheidende Rolle – gerade in bislang unversorgten Gebieten “, unterstreicht Markus Haas.

Die Ergebnisse der Studie im Einzelnen:

I. Gesamtmarkt für Telekommunikationsdienste in Deutschland

Von den Gesamtumsätzen in Höhe von rund 59,6 Milliarden Euro, die 2013 in Deutschland mit Telekommunikationsdiensten erzielt werden, entfallen 29,7 Milliarden Euro (-1,3 Milliar¬den Euro, -4,2 Prozent) auf den TK-Festnetz- und 25,1 Milliarden Euro (+0,3 Milliarden, +1,2 Prozent) auf den Mobilfunkmarkt sowie 4,8 Milliarden auf die Kabelnetzbetreiber (+0,4 Milliarden, +9,1 Prozent). Der Umsatz des Gesamtmarktes sinkt damit um 0,6 Milliarden Euro (-1 Prozent). Die Telekom verliert 1 Milliarde Euro Umsatz im Festnetzgeschäft in Deutschland, die Wettbewerber 0,3 Milliarden Euro Umsatz. Die Telekom bleibt aber im reinen TK-Festnetzmarkt (ohne Kabelnetzbetreiber) mit 49 Prozent Umsatzanteil der marktbeherrschende Anbieter (Abb. 1+2).

Eine große Belastung für die Wirtschaftlichkeit der TK-Wettbewerbsunternehmen besteht nach wie vor in den hohen Vorleistungsentgelten, welche die Wettbewerber pro Euro Umsatz bei Komplettanschlüssen an die Telekom bezahlen müssen, da sie überwiegend auf die Anschlussnetze des Ex-Monopolisten angewiesen sind. Da viele TK-Wettbewerbsunternehmen, mangels technischer Differenzierungsmöglichkeiten, mit preisattraktiven Einsteigerangeboten in den Markt gehen, bedeutet dies wirtschaftlich für sie, dass fast zwei Drittel des erzielten Umsatzes über Interconnection- und TAL-Entgelte wieder zurück an die Telekom Deutschland fließen (bis zu 65 Cent pro Euro Umsatz). Bei preisgünstigen DSL-Einstiegsangeboten bleibt den Wettbewerbern nur eine Marge von 28 Prozent (Abb. 3). Der monatliche Gesamtmietpreis für die TAL ist in diesem Jahr erstmals seit 14 Jahren wieder um 11 Cent auf 10,19 Euro erhöht worden. Die Telekom Deutschland profitiert von den Wettbewerbsunternehmen und verdient auch bei Kundenwechseln zu Wettbewerbern weiter mit. Trotz rückläufiger Festnetzumsätze kann die Telekom Deutschland die Quote ihrer Wholesale-Umsätze – also derjenigen Umsätze, die durch Vorleistungsprodukte mit Wettbewerbern erzielt werden – sogar auf mittlerweile 27,2 Prozent steigern (Abb. 4). 2008 waren es noch 20,7 Prozent.

Den leicht sinkenden Gesamtumsätzen zum Trotz investieren in besonderem Maße auch die Wettbewerber in TK-Sachanlagen. Sie tragen 3,4 Milliar¬den der insgesamt 6,4 Milliarden Euro (Abb. 5). „Neue Technologien, steigende Kundenansprüche und weiterer Breitbandausbau machen Investitionen in dieser Größenordnung auch in Zukunft erforderlich. Was für die Kunden durchweg gut ist, entwickelt sich für die TK-Unternehmen aber zunehmend zu einer kritischen Situation mit hohen Investitionen und stetig steigenden Leistungen bei gleichzeitig sinkenden Umsätzen“, verdeutlicht Prof. Gerpott.

Die Zahl der Beschäftigten bei den TK-Wettbewerbsunternehmen steigt mit 54.300 Mitarbeitern leicht an (+200), während der ehemalige Staatskonzern Telekom weiterhin Stellen (-2.800) abbaut (Abb. 6). Zugleich sichert der Wettbewerb jeden zweiten Arbeitsplatz in der Zulieferindustrie. „Obwohl die Telekom Deutschland in den zurückliegenden zehn Jahren mehr Stellen abgebaut hat, als die Wettbewerbsunternehmen im Jahr 2013 Beschäftigte aufweisen, konnte sie ihre Pro-Kopf-Effizienz seit 2008 nicht mehr steigern. Der Umsatz pro Mitarbeiter der Telekom Deutschland liegt seit Jahren bei nur etwa einem Drittel der Vergleichswerte der Wettbewerbsunternehmen (Abb. 7). „Die Gründe hierfür liegen 1. in veralteter Netztechnik und -strukturen, 2. ineffizientem Personaleinsatz und 3. einer höheren Wertschöpfungstiefe“, erläutert Prof. Gerpott.

II. Festnetzmarkt

Rund 233 Millionen Minuten haben die Kunden der Wettbewerber 2013 durchschnittlich täglich telefoniert. Der Anteil von Call-by-Call und Preselection nimmt weiter ab. Dennoch werden weiterhin bei 25 Millionen Minuten Tag für Tag Vorauswahl-Nummern gewählt (Abb. 8). „Der Hauptgrund für diesen Rückgang liegt in der abnehmenden Zahl der Telekom-Anschlüsse und der zunehmenden Zahl an Flatrates bei diesen Telekom-Festnetzanschlüssen“ merkt Prof. Gerpott an. Betrachtet man nur die Telekom-Festnetzanschlüsse ohne Flatrate-Tarif, hat sich das über Verbindungsnetzbetreiberauswahl generierte Sprachvolumen in den vergangenen Jahren bei rund 80 Minuten pro Monat und Anschluss erkennbar stabilisiert (Abb. 9).

Ende 2013 wird es voraussichtlich rund 0,3 Millionen herkömmliche stationäre Telefonanschlüsse weniger geben als im Vorjahr. Dabei dominiert die Telekom weiterhin mit einem Anteil von 58,3 Prozent und 21,8 Millionen Anschlüssen – trotz eines Verlustes in Höhe von 0,7 Millionen Anschlüssen. Gut zwei Drittel der Nicht-Telekom-Kunden beziehen ihren Sprachanschluss bei alternativen TK-Netzbetreibern (10,7 Millionen), ein Drittel bei Kabelnetzbetreibern (Abb. 10). Der Anteil der Breitbandkabelnetzbetreiber wächst dabei kontinuierlich. Die Wettbewerber setzen bei ihren Anschlüssen stark auf die zukunftsweisende Voice-Over-IP-Technologie. Etwa 62,6 Prozent (2012: 55,4 Prozent) ihrer Sprachanschlüsse basieren bereits auf dieser (Abb. 11). 95,9 Prozent der Telekom-Sprachanschlüsse werden hingegen noch über das Telefonsystem PSTN (Public Switched Telephone Network) realisiert.

Die Anzahl der Breitbandanschlüsse steigt etwas stärker als im Vorjahr, wenn auch nicht mehr so rasant wie noch vor einigen Jahren. Die Zahl der direkt geschalteten Breitbandanschlüsse wächst bis zum Ende 2013 um 0,6 Millionen Anschlüsse und damit um 2,1 Prozent auf 28,6 Millionen an (Abb. 12). Die Telekom bleibt konstant, ebenso wie die Vorleistungsvariante Telekom Resale. Die Kabelnetzbetreiber gewinnen 1 Millionen Anschlüsse hinzu, bei den TK-Wettbewerbern sinkt die Zahl voraussichtlich um 0,4 Millionen (Abb.12).

Die Telekom Deutschland hielt auch Mitte 2013 mit 43,8 Prozent Endkunden-Anteil die Spitzenposition am Breitbandmarkt. Rechnerisch zweitgrößter Anbieter ist Ende Juni 2013 Vodafone – addiert man die geplante Übernahme von Kabel Deutschland hinzu. Rechnet man die Zahlen beider Unternehmen zusammen, liegt der Anteil bei 17,7 Prozent. Es folgen 1&1 mit  12 Prozent, Unitymedia KabelBW (8,5 Prozent) und Telefónica (8,1 Prozent) (Abb. 13). Allerdings müssen Vodafone, United Internet und andere Wettbewerberunternehmen auf Netzleistungen der Telekom zurückgreifen.

An Glasfasernetze bis zum Gebäudekeller werden in Deutschland laut Studie bis Ende 2013 884.000 Haushalte angeschlossen sein. Nur knapp 44 Prozent dieser Haushalte nutzen auch tatsächlich diese Hochgeschwindigkeitsanschlüsse und können von Carriern als zahlende Kunden auf einen Glasfaseranschluss überführt werden (Abb. 14).

Welche Bandbreiten nutzen die Verbraucher in Deutschland in erster Linie? Bei 62,5 Prozent der gebuchten Breitbandanschlüsse liegt Ende 2013 die Übertragungsgeschwindigkeit aus dem Netz bei maximal bis 6 Mbit/s. 3,2 Millionen Kunden (13,8 Prozent) nutzen Anschlüsse mit mehr als 16 Mbit/s. Der Anteil sehr schneller Anschlüsse mit mehr als 50 Mbit/s beträgt 1,3 Prozent (Abb. 15).

Dabei rasen immer mehr Daten über die Datenautobahnen: Das pro Breitbandanschluss und Monat verbrauchte Datenvolumen nimmt dieses Jahr um 15,9 Prozent auf 15,3 Gigabyte zu. Das Gesamtvolumen wird sich – mit einer Steigerung um 18,2 Prozent – auf voraussichtlich 5,2 Milliarden Gigabyte belaufen (Abb. 16). Mittlerweile werden im Festnetz bei über einem Drittel der DSL-Anschlüsse mehr als 15 Gigabyte monatlich übertragen (Abb. 17).

III. Mobilfunkmarkt

Im Jahr 2013 wird noch häufiger per Handy telefoniert als in den Jahren zuvor: 309 Millionen Minuten pro Tag (2012: 300 Millionen). Die anhaltend starke Verbreitung von Flatrates lässt die von Mobilfunkanschlüssen abgehenden Sprachverbindungen 2013 um 3 Prozent wachsen. Vom Festnetz-Apparat werden 478 Millionen Minuten täglich gesprochen – ein Rückgang um 2 Prozent. Damit erreichen Mobilfunkanschlüsse bezogen auf das Sprachminutenvolumen mittlerweile etwa 65 Prozent des Festnetzniveaus (Abb. 18).

Zum Jahresende wird es rund 114,1 Millionen SIM-Karten in Deutschland geben (Abb. 19). Das entspricht einer Steigerung von 0,9 Million zum Vorjahr – und einer Marktdurchdringung von 140 Prozent. Dabei konnten die beiden Netzbetreiber E-Plus (+7,3 Prozent) und Telefónica O2 (+1,0 Prozent) sowie die Telekom (+2,7 Prozent) Marktanteilszuwächse erreichen. „Die Kundenbestandsbereinigungen der beiden großen Netzbetreiber haben hier Schwankungen bei deren Marktanteilen zur Folge“, sagt Studienautor Prof. Gerpott. Marktführer im Mobilfunk sind laut Schätzung 2013 unverändert Telekom Deutschland und Vodafone mit Marktanteilen von 29,8 beziehungsweise 28,3 Prozent (Abb. 20). Telefónica O2 erreicht 14,3 Prozent und E-Plus 12,4 Prozent, zusammen also 26,7 Prozent. Freenet verzeichnet mit der Vermarktung von Mobilfunkkarten aus allen Netzen 12 Prozent der Umsätze des Mobilfunkmarktes.

Weiter anhaltend ist der Trend eines steigenden Anteils der Non-Voice-Diensteumsätze.  Die Mobilfunknutzer gehen gerne drahtlos online und simsen weiterhin gerne. Der Non-Voice-Anteil an den Umsätzen im Mobilfunk wächst 2013 im Vergleich zum Vorjahr um 0,8 Milliarden Euro und macht 35,1 Prozent des gesamten Mobilfunkumsatzes aus. Mehr als zwei Drittel (69,3 Prozent) dieser Non-Voice-Umsätze resultieren aus der Datenübertragung (Abb. 21). „Für das Wachstum der Non-Voice-Datenumsätze ist ausschließlich die reine Datenübertragung verantwortlich, mit der 17,3 Prozent höhere Erlöse als im Vorjahr erreicht werden“, so  Prof. Gerpott.

Das Datenübertragungsvolumen im Mobilfunkbereich nimmt auch in 2013 wieder deutlich zu – ein Plus in Höhe von 21 Prozent auf 170,1 Millionen Gigabyte. Damit hat sich das Gesamtvolumen in den letzten drei Jahren um das Zweieinhalbfache gesteigert (Abb. 22). Das durchschnittliche Datenvolumen pro Postpaid-Nutzer beträgt mit 261 MB pro Monat 15 Prozent mehr als 2012 und fast 54 Prozent mehr als 2011. Die steigende Verbreitung von Smartphones und zum Beispiel Tablets ist der wesentliche Treiber für dieses Wachstum. Das Volumen wird voraussichtlich noch stark zunehmen, da durch LTE wesentlich mehr Daten transportiert werden können. Aktuell erzeugen im Mobilfunk derzeit noch fast 70 Prozent  der Postpaid-Kunden monatlich ein Datenvolumen von weniger als 250 Megabyte (Abb. 23).

Weiterhin großer Beliebtheit erfreuen sich – trotz großer Konkurrenz durch Messaging-Apps –   SMS. Jeden Tag werden in Deutschland durchschnittlich 168,3 Millionen Kurznachrichten verschickt. Das heißt, es sind noch mal 8,6 Millionen und 5,4 Prozent mehr als im Vorjahr (Abb. 24). Dass der Umsatz mit SMS in 2013 dennoch um 0,1 Milliarden Euro fällt, „liegt an der zunehmenden Vermarktung der SMS über Pakettarife“, erklärt Prof. Gerpott.

IV. Markt der Mehrwertdienste in Fest- und Mobilfunknetzen

Täglich rund 4,1 Millionen Minuten telefonieren Bürger mit Auskunfts- und Mehrwertdiensten der TK-Wettbewerber. Die seit 2012 geltenden neuen Warteschleifenregelungen führen zu einer deutlichen Verschiebung der verwendeten Rufnummerngassen. Dieser Trend setzt sich auch 2013 deutlich fort. Die 0180- und 0800-Nummern erreichen – zusammengenommen – 63,5 Prozent. Geografische Nummern verfügen mittlerweile über einen Marktanteil in Höhe von 26,8 Prozent. Die übrigen Rufnummerngassen machen zusammen nur 9,7 Prozent der Verbindungsminuten aus (Abb. 26). Bei den Umsätzen mit Auskunfts- und Mehrwertdiensten erreichen in diesem Jahr alle Wettbewerber zusammen mit 47,5 Prozent des Ge¬samtumsatzes in Höhe von rund 646 Millionen nicht ganz das Volumen der Umsätze des Ex-Monopolisten Telekom (Abb. 25).

V. Ausblick 2014

Mit Blick auf die weitere Marktentwicklung geht Prof. Gerpott davon aus, dass die Gesamtumsätze im TK-Markt im Jahr 2014 leicht um 1 bis 1,5 Prozent sinken werden. „Im Mobilfunkbereich wird Wachstum insbesondere im Bereich mobiler Datennutzung jedoch voraussichtlich durch sinkende Terminierungsentgelte und EU-weite Roamingentgelte aufgezehrt werden. Im Breitbandmarkt wird der weitere Preis- und Leistungswettbewerb zu einem leichten Schrumpfen der Umsätze führen“, lautet die Prognose von Prof. Gerpott. „Die Endkundenpreise werden aus unserer Sicht 2014 im Mobilfunksegment wiederum leicht sinken, allerdings weniger stark als im Vorjahr. Die Preise im Festnetz werden nominal weitgehend konstant bleiben“, so der TK-Experte.

Wichtige Trends der Branche sind seiner Meinung nach der fortschreitende Glasfaserrollout in verschiedenen Ausbauvarianten (FTTx: Fiber to the Curb oder Building oder Home) und ein dynamischer Bandbreitenwettbewerb zwischen FTTx- und Kabelnetzbetreibern. Mit Spannung erwartet werden auch der Start der Vectoring-Versorgung, die Auswirkungen der gesteigerten Smartphone-Verbreitung und die damit verbundene Erhöhung des Anteils derjenigen Mobilfunkkunden, die mobiles Internet nutzen. Bezüglich dieses Kundenanteils geht Prof. Gerpott von einer Steigerung von derzeit ca. 35 Prozent auf etwa 45 bis 50 Prozent aus. Auch werde es in naher Zukunft eine deutliche Erhöhung des Bekanntheitsgrades und der Nutzung von LTE geben. Beim LTE-Ausbau für den schnellen Anschluss via Mobilfunk sind merkliche Fortschritte erzielt worden. Jedoch gibt es trotz Verbesserungsbemühungen bei der Bundesnetzagentur immer noch Probleme bei der Genehmigungsdauer von Richtfunkstrecken, die für LTE benötigt werden. „Viele Menschen in Deutschland könnten schon besser mit breitbandigem Mobilfunk versorgt sein, wenn die Bundesnetzagentur den seit Jahren bestehenden Bearbeitungsstau endlich in den Griff bekommen würde“, unterstreicht VATM-Präsidiumsmitglied Markus Haas.

Mit großer Sorge reagiert der Verband auf den Verordnungsentwurf der EU-Kommission zum Thema Single Market. Die Vorschläge lassen den bereits gut entwickelten Wettbewerb in Deutschland nicht nur weitgehend unberücksichtigt, sondern werden aus VATM-Sicht dessen Fortentwicklung behindern. Die politisch motivierte Schaffung europäischer Großunternehmen als Gegenspieler zu den USA und Asien werden den Breitbandausbau in Deutschland nicht voranbringen. Es besteht die Gefahr, dass der Entwurf zu einer kompletten Umstrukturierung der TK-Märkte führt. „Natürlich ist es wichtig, die marktgetriebene Entwicklung europäischer Großkonzerne zuzulassen. In Deutschland bringt aber zusätzlich der Mix aus großen und kleinen Unternehmen den Breitbandausbau und die Breitbandnutzung entscheidend voran“, so Markus Haas. 

Staatliche Eingriffe wie die geplante gänzliche Abschaffung der Roaminggebühren und geforderte Kostengleichheit von Inlandsferngesprächen und EU-Auslandsgesprächen verkennen die Realität – denn es werden hier nun mal de facto Leistungen gegenüber dem Kunden erbracht, die auch die Unternehmen Geld kosten. „Die Kunden müssen ein Gefühl für Leistung und Qualität haben. Genau das darf Brüssel nicht gefährden. Die Vorschläge  von EU-Kommissarin Neelie Kroes kosten die Unternehmen Milliarden und verringern ihre Investitionsmöglichkeiten“, sagt Haas: „Derart schwerwiegende und nicht vorhersehbare staatliche Eingriffe verbessern nicht das Investitionsklima in Europa, sondern verschlechtern es nachhaltig.“ Zugleich würde mit der Regelung zu den Festnetz-EU-Auslandsgesprächen Call-by-Call (CbC) die Existenzgrundlage entzogen – denn rund die Hälfte der CbC-Gespräche geht ins Ausland. Und die Verdienste von CbC als Alternative für die Verbraucher seien unbestritten.

Die Gewährleistung der Netzneutralität und auch des Best-Effort-Internet sind wichtige Ziele, diese unterstützt der VATM ausdrücklich. „Wir erwarten jedoch in Zukunft eine stärker gesamtgesellschaftliche Betrachtung, denn Fragen der Netzneutralität betreffen nicht nur die Belange der Verbraucher, sondern auch die der Infrastrukturanbieter und der Inhalteanbieter. Es muss möglich sein, Netzmanagement und Qualitätsdifferenzierungen vorzunehmen, sonst werden innovative Dienste verhindert“, so VATM-Präsidiumsmitglied Haas. Es sei aber richtig, bei den Vereinbarungen zwischen Diensteanbietern und Netzbetreibern eine Diskriminierungsfreiheit sicherzustellen.

Hinsichtlich der beginnenden Legislaturperiode fordert der VATM von der neuen Regierung eine einheitliche und übergreifende Strategie für die anstehende Digitalisierung der Wirtschaft. Aus Sicht des VATM sollte die neue Legislaturperiode dazu genutzt werden, Lösungen für bisher immer wieder zu beobachtende Kompetenz- und Ressortstreitigkeiten zu finden. Der notwendige flächendeckende Ausbau der Breitbandnetze sollte in erster Linie marktgetrieben erfolgen. Der Großteil des Finanzierungsbedarfs für den Ausbau mit VDSL und Vectoring in Höhe von etwa sechs Milliarden kann nach Einschätzung des Verbandes durch die Aktivierung von privatem Kapital aufgebracht werden. „Kernansatz, die Investitionswilligkeit noch weiter zu erhöhen, muss es sein, Kooperationen von Marktteilnehmern noch weiter zu unterstützen“, fordert Haas.

Markus Haas ist Präsidiumsmitglied des Verbandes der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten e. V. (VATM) und Vorstand Strategie und General Counsel der Telefónica Deutschland Holding AG.

Prof. Dr. Torsten J. Gerpott ist Gründungsgesellschafter des Beratungsunternehmens Dialog Consult GmbH und Inhaber des Lehrstuhls für Unternehmens- und Technologieplanung mit dem Schwerpunkt Telekommunikationswirtschaft an der Universität Duisburg-Essen.

Zur On-Demand-Version/Aufzeichnung der Pressekonferenz:

Download Studie:

Fotos von VATM-Präsidiumsmitglied Markus Haas und Prof. Torsten J. Gerpott stehen im Internet unter www.vatm.de für Sie zum Download bereit. Sollten Sie eine der Grafiken im druckfähigen Format wünschen, wenden Sie sich bitte an sh(at)vatm.de oder Tel. 0221/376 77 30.
Die Vorstellung der TK-Marktstudie im Berlin Business Location Center fand mit freundlicher Unterstützung der Versatel GmbH statt.

Kontakt

Corinna Keim
Leiterin Kommunikation und Presse
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