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18.10.2012

VATM und Dialog Consult stellen Studie zum deutschen Telekommunikationsmarkt 2012 vor

Gesamtumsatz der TK-Dienste bleibt stabil – Wettbewerber tätigen mehr als die Hälfte der Investitionen – Deutsche telefonieren und simsen so viel wie nie zuvor – Datenübertragungsmenge im Mobilfunk steigt um ein Drittel – Mobiles Internet treibt Non-Voice-Umsätze – Nur geringes Wachstum bei Glasfaseranschlüssen – 28,1 Millionen Breitbandanschlüsse

Die Umsätze mit Telekommunikationsdiensten in Deutschland werden 2012 voraussichtlich mit 60,1 Milliarden Euro nahezu stabil bleiben (-0,1 Milliarden Euro). Das entspricht im Vergleich zum Vorjahr einem Rückgang um 0,2 Prozent. Dabei wird der Umsatz im Mobilfunkbereich um rund 0,2 Milliarden Euro auf 24,8 Milliarden (+0,8 Prozent) leicht steigen, der TK-Festnetzbereich um 0,9 Milliarden Euro auf 30,9 Milliarden Euro zurückgehen. Die Kabelnetzbetreiber steigern mit einem Plus von 0,6 Milliarden Euro und damit 15,8 Prozent ihren Umsatz deutlich. Das sind Ergebnisse der 14. gemeinsamen TK-Marktstudie, die Dialog Consult und VATM heute in Köln vorgestellt haben.

Die alternativen TK-Anbieter verbuchen im Festnetz-Segment insgesamt ein leichtes Plus um 1,3 Prozent auf 15,5 Milliarden Euro (+0,2 Milliarden Euro). Der Umsatz der Telekom sinkt in diesem Bereich um 6,7 Prozent auf 15,4 Milliarden Euro. Im Mobilfunkbereich legen die Telekom-Wettbewerber 2012 im Vorjahresvergleich um etwa 0,5 Milliarden Euro auf 17,6 Milliarden Euro zu.

Die Höhe der TK-Sachanlagen liegt insgesamt weiter bei rund 6 Milliarden Euro (2011: 6,1 Milliarden Euro). Die Wettbewerber tragen mit 3,1 Milliarden Euro erneut mehr als die Hälfte (52 Prozent) des Investments. Seit der Marktliberalisierung haben sie in Deutschland 54,7 Milliarden Euro investiert. 
Die Zahl der Mitarbeiter bei den alternativen Anbietern bleibt in diesem Jahr ebenfalls stabil (-200 auf 53.500). Die Deutsche Telekom versucht weiterhin, ihre Effizienz durch einen Abbau bei den Beschäftigten (-1.900) in Deutschland zu steigern.

Die Zahl der Festnetz-Breitbandanschlüsse nimmt in diesem Jahr um rund 0,8 Millionen auf 28,1 Millionen zu. „Das Wachstum im Breitbandmarkt findet zu drei Vierteln bei den Kabelnetzbetreibern mit 0,6 Millionen neuen Kunden statt“, sagt Prof. Torsten J. Gerpott, der die TK-Marktstudie wie in den Vorjahren mit der Dialog Consult GmbH im Auftrag des VATM erstellt hat.

Rund 800.000 Haushalte (+70.000) werden in Deutschland Ende 2012 an Glasfasernetze mindestens bis zum Gebäudekeller angeschlossen sein. Das bedeutet insgesamt ein marginales Wachstum. Das Gesamtdatenvolumen des Breitband-Internetverkehrs im Festnetz nimmt um rund 13 Prozent auf 4,4 Milliarden Gigabyte zu. Das aus Mobilfunknetzen pro Nutzer abgehende Datenübertragungsvolumen steigt um 33 Prozent auf 196 Megabyte (ohne LTE). 2012 werden die Datendienste fast zwei Drittel der Non-Voice-Umsätze im Mobilfunk ausmachen. Neue Höchstwerte gebe es auch bei der Anzahl von SIM-Karten und verschickter SMS zu vermelden – und das trotz Ausbuchungen bei den Kundenbeständen und der Konkurrenz durch Messenger-Dienste, erläutert Prof. Gerpott. Ende 2012 werde es rund 115,1 Millionen SIM-Karten geben (2011: 114,1 Millionen). Täglich werden in diesem Jahr rund 157,2 Millionen SMS (2011: 147,8 Millionen; + 6,4 Prozent) verschickt. „Aber auch miteinander telefoniert wird in Deutschland mehr denn je: insgesamt 949 Millionen Minuten täglich“, vermeldet Prof. Gerpott weiter.

VATM-Präsident Gerd Eickers bewertet die Wettbewerbssituation auf dem deutschen TK-Markt insgesamt als recht positiv – vor allem für die Verbraucher. Die Ergebnisse der Studie verdeutlichten jedoch erneut, dass der Wettbewerb immer noch einer effizienten Regulierung bedürfe. „Die Telekom ist im Festnetzbereich weiterhin dominierend. 15 Jahre nach der vollständigen Liberalisierung wird die Telekom alleine in diesem Bereich trotz Umsatzeinbußen mit 43,7 Prozent Gesamtumsatzanteil fast genauso viel umsetzen wie alle alternativen Festnetz-Carrier mit 43,9 Prozent zusammen“, so Eickers. Im Bereich Breitband beherrscht die Telekom auch Ende 2012 mit rund 45 Prozent Endkunden-Anteil deutlich den Markt.

Weiterhin bestehen bleibe zudem die Abhängigkeit der Wettbewerber von den Vorprodukten der Telekom Deutschland, die überwiegend auf die Anschlussnetze bis zum Haus der Telekom aus Monopolzeiten zurückgreifen müssen. „Je nach Einstiegsangebot für den Endkunden müssen die Wettbewerber pro Euro Umsatz bis zu 65 Cent an die Telekom zahlen“, so Prof. Gerpott. „Durch die monatliche Miete für die Teilnehmeranschlussleitung – TAL –, die die Wettbewerber an den Ex-Monopolisten in Höhe von 10,08 Euro zahlen müssen, tragen wir trotz aller sachlichen Gegenargumente hinsichtlich der Höhe des Entgeltes weiterhin erheblich zum Umsatz der Telekom in diesem Bereich bei“, unterstreicht Eickers. Hohe TAL-Preise verzerrten zudem den Wettbewerb gegenüber den Kabelnetzbetreibern, die keine Vorleistungen bezahlen müssen und vorrangig in bereits gut versorgten Gebieten ihre Netze optimierten. Ihr Koaxialkabelanschlussnetz wurde noch zu Bundespost-Monopolzeiten bezahlt. Der VATM-Präsident appellierte, die Preise zumindest an den europäischen Durchschnitt in Höhe von 8,62 Euro anzupassen. „Wir wollen Investitionskosten in den Ausbau moderner Infrastruktur lenken anstatt in abgeschriebene Kupferleitungen.

„Die intensiv geführten Diskussionen um die Versorgung mit schnellem Breitband in Deutschland haben gezeigt, welch große Bedeutung der Kommunikationssektor für den Wirtschaftsstandort Deutschland auch zukünftig haben wird. Diese Infrastrukturen sind die wirtschaftlichen Nervenstränge der Zukunft. Die Wettbewerber spielen hierbei eine entscheidende Rolle. Laut einer Studie von seim & partner haben sie 2011 doppelt so viel in den FttH/B-Ausbau investiert und sogar drei Mal so viele Haushalte erschlossen wie die Telekom – und das trotz immer wieder anders lautender Ankündigungen des Ex-Monopolisten und politisch motivierter hoher Vorleistungspreise“, verdeutlicht Eickers.

„Beim LTE-Ausbau für den schnellen Anschluss via Mobilfunk sind in diesem Jahr große Fortschritte erzielt worden. In Kürze werden in allen Bundesländern die Versorgungsauflagen erfüllt und damit die ländlichen, bisher unversorgten Regionen bereits erschlossen sein. Vodafone, Telefónica und Telekom können dann – zumindest in dieser Hinsicht – frei ausbauen. Wir erwarten hier durch die Bundesnetzagentur eine Verbesserung der Genehmigungsdauer von Richtfunkstrecken, die für LTE benötigt werden. Das Datenvolumen, das über die Zukunftstechnologie LTE abgewickelt werden wird, wird rasant steigen“, sagt VATM-Präsident Gerd Eickers.

Die Ergebnisse der Studie im Einzelnen:

I. Gesamtmarkt für Telekommunikationsdienste in Deutschland

Von den Gesamtumsätzen in Höhe von rund 60,1 Milliarden Euro, die 2012 in Deutschland mit Telekommunikationsdiensten erzielt werden, entfallen 30,9 Milliarden Euro (-0,9 Milliar¬den Euro, -2,8 Prozent) auf den TK-Festnetz- und 24,8 Milliarden Euro (+0,2 Milliarden, +0,8 Prozent) auf den Mobilfunkmarkt sowie 4,4 Milliarden auf die Kabelnetzbetreiber (+0,6 Milliarden, +15,8 Prozent). „Der Umsatzrückgang bei der Telekom Deutschland wird durch Zuwächse bei anderen Unternehmen, allen voran den Kabelnetzbetreibern, fast ausgeglichen“, erläutert TK-Experte Prof. Gerpott. Die Telekom kann die Kundenabwanderungsgeschwindigkeit im Festnetzgeschäft in Deutschland zwar verringern, im Ergebnis beträgt der Umsatzrückgang jedoch 1,1 Milliarden Euro. Die Telekom bleibt im TK-Festnetzmarkt (ohne Kabelnetzanbieter) mit fast 50 Prozent Umsatzanteil aber der marktbeherrschende Anbieter. Die TK-Wettbewerbsunternehmen erreichen durch Effizienzsteigerung im Festnetz ein leichtes Umsatzwachstum von 200 Millionen Euro (Abb. 1+2).
Weiterhin deutlich zu Buche schlagen die Vorleistungsentgelte, die die Wettbewerbsunternehmen pro Euro Umsatz bei Komplettanschlüssen an die Telekom bezahlen müssen, da sie überwiegend auf die Anschlussnetze des Ex-Monopolisten angewiesen sind. Bei einem preisattraktiven Einsteigerangebot, mit dem viele TK-Wettbewerbsunternehmen mangels technischer Differenzierungsmöglichkeiten in den Markt gehen, fließen fast zwei Drittel des so erzielten Umsatzes über Interconnection- und TAL-Entgelte wieder zurück an die Telekom Deutschland (bis zu 65 Cent pro Euro Umsatz) (Abb. 3). Das heißt, auch bei Kundenwechseln zu Wettbewerbern verdient die Telekom Deutschland weiter mit.
Dennoch investieren besonders die Wettbewerber in TK-Sachanlagen. Sie tragen 3,1 Milliar-den der insgesamt 6,0 Milliarden Euro (Abb. 4). „Die kontinuierliche Einführung neuer Technologien wird Investitionen in dieser Gesamthöhe – und noch mehr – auch in Zukunft erforderlich machen“, sagt Prof. Gerpott. „Die hohen Vorleistungspreise erschweren zunehmend die Investitionen der Wettbewerber“, bewertet VATM-Präsident Eickers die Situation.
Während der ehemalige Staatskonzern Telekom weiterhin Stellen (-1.900) abbaut, bleibt die Zahl der Beschäftigten bei den TK-Wettbewerbsunternehmen mit 53.500 Mitarbeitern fast stabil (-200) (Abb. 5). Zugleich sichert der Wettbewerb jeden zweiten Arbeitsplatz in der Zulieferindustrie. „Das Management der technischen Systeme erfordert immer weniger Personal. Zum Erreichen einer guten Servicequalität im Kundenmanagement wird jedoch eine signifikante Mitarbeiterzahl benötigt“, erläutert der Studienautor. 

II. Festnetzmarkt

Rund 375 Millionen Minuten haben die Kunden der Wettbewerber 2012 durchschnittlich täglich telefoniert. Der Anteil von Call-by-Call und Preselection sinkt zwar in diesem Jahr aufgrund der immer stärkeren Nutzung von Komplettanschlüssen anderer Wettbewerber und von Telekom-Flatrates, es werden aber weiterhin bei 48 Millionen Minuten Tag für Tag Vorauswahl-Nummern gewählt (Abb. 6).
Bei den herkömmlichen stationären Telefonanschlüssen dominiert die Telekom weiterhin mit einem Anteil von 59,2 Prozent und 22,3 Millionen Anschlüssen das Geschäft. Rund drei Viertel der Nicht-Telekom-Kunden beziehen ihren Sprachanschluss bei alternativen TK-Netzbetreibern (11,2 Millionen), ein Viertel bei Kabelnetzbetreibern (Abb. 7). Die Wettbewerber setzen dabei stark auf die zukunftsweisende Voice-Over-IP-Technologie. 55,4 Prozent ihrer Sprachanschlüsse basieren bereits auf ihr (Abb. 8). „Für die Telekom gibt es weniger Motivation, von der veralteten PSTN-Technologie abzurücken, da sie hierfür noch Terminierungsentgelte erhält“, sagt später Gerd Eickers. 98,2 Prozent der Telekom-Sprachanschlüsse basieren noch auf PSTN. 
Das Wachstum bei den Breitbandanschlüssen ist weiterhin positiv, legt aber weniger zu als im Vorjahr. Die Zahl der direkt geschalteten Breitbandanschlüsse steigt bis zum Jahresende um 0,8 Millionen Anschlüsse und damit um 2,9 Prozent auf 28,1 Millionen (Abb. 9). Die Telekom gewinnt 0,3 Millionen hinzu, die BK-Netzbetreiber 0,6 Millionen. Bei den TK-Wettbewerbsunternehmen sinkt die Zahl voraussichtlich um 0,1 Millionen ebenso wie die Vorleistungsvariante Telekom Resale (Abb.9).

Die Telekom Deutschland hielt auch Mitte 2012 45 Prozent Endkunden-Anteil am Breitbandmarkt. Zweitgrößte Anbieter sind hier Ende Juni 2012 Vodafone und United Internet (1&1) mit je 11,9 Prozent, gefolgt von Telefónica (9 Prozent) (Abb. 10). Allerdings müssen Vodafone, United Internet und andere Wettbewerbsunternehmen auf Netzleistungen der Telekom zurückgreifen.
An Glasfasernetze bis zum Gebäudekeller werden in Deutschland laut Studie bis Ende 2012 rund 800.000 Haushalte angeschlossen sein. Nur 43 Prozent dieser Haushalte nutzen auch tatsächlich diese Hochgeschwindigkeitsanschlüsse und können von Carriern als zahlende Kunden auf einen Glasfaseranschluss überführt werden (Abb. 11). „Das unterstreicht einmal mehr, dass der Maßstab für einen nachhaltigen, preisbewussten und gut geplanten Ausbau Nachfrage und Zahlungsbereitschaft der Kunden für mehr Leistung sein muss“, betont später VATM-Präsident Eickers.
Welche Bandbreiten nutzen die Verbraucher in Deutschland derzeit in erster Linie? Bei fast 70 Prozent der gebuchten Breitbandanschlüsse liegt Ende 2012 die Übertragungsgeschwindigkeit aus dem Netz bei maximal bis 6 Mbit/s. Der Anteil sehr schneller Anschlüsse mit mehr als 50 Mbit/s bewegt sich bei noch nicht einmal einem Prozent. 2012 verfügen 31,1 Prozent der Kunden über Anschlüsse mit mehr als 6 Mbit/s (Abb. 12).
Und es rasen immer mehr Daten über die Datenautobahnen: Das pro Breitbandanschluss und Monat verbrauchte Datenvolumen nimmt dieses Jahr um 10,6 Prozent auf 12,5 Gigabyte zu. Das Gesamtvolumen wird sich auf voraussichtlich 4,4 Milliarden Gigabyte belaufen (Abb. 13).

III. Mobilfunkmarkt

2012 wird noch häufiger per Handy telefoniert als im Jahr zuvor: 310 Millionen Minuten pro Tag (2011: 293 Millionen). Die zunehmende Verbreitung von Flatrates lässt die von Mobilfunkanschlüssen abgehenden Sprachverbindungen 2012 um fast 6 Prozent wachsen. Vom Festnetz-Apparat werden 639 Millionen Minuten täglich gesprochen – ein Rückgang um 1,2 Prozent. Dennoch wird damit weiterhin zwei Drittel der Telefonatszeit miteinander per Festnetz kommuniziert (Abb. 14).
Zum Jahresende wird es rund 115,1 Millionen SIM-Karten in Deutschland geben (Abb. 15). Das entspricht einer Steigerung von einer Million zum Vorjahr – und einer Marktdurchdringung von 140 Prozent. Dabei konnten die beiden kleineren Netzbetreiber E-Plus (+1,2 Prozent) und Telefónica O2 (+0,6 Prozent) leichte Marktanteilszuwächse erreichen. Der Anteil der Kunden, die mobile Telekommunikationsdienstleistungen im Voraus bezahlen, liegt seit Jahren zwischen 54 und 56 Prozent. 2012 gibt es rund 52,9 Millionen Postpaid- und 62,2 Millionen Prepaid-Karten (Abb. 16).
Marktführer im Mobilfunk sind laut Schätzung für 2012 weiterhin Telekom Deutschland und Vodafone D2 mit Marktanteilen von 29 beziehungsweise 28,1 Prozent (Abb. 17). Telefónica O2 erreicht 14,8 Prozent und E-Plus 13 Prozent. Ein signifikanter Umsatz wird über den Provider freenet realisiert, der mit der Vermarktung von Mobilfunkkarten aus allen Netzen 12,1 Prozent der Umsätze des Mobilfunkmarktes erreicht.
Dass die Mobilfunknutzer gerne drahtlos online gehen und weiterhin gerne simsen, zeigt der Non-Voice-Anteil an den Umsätzen im Mobilfunk. Er wächst 2012 im Vergleich zum Vorjahr um 2,7 auf 37,3 Prozent des gesamten Mobilfunkumsatzes. Mehr als zwei Drittel (67,7 Prozent) dieser Non-Voice-Umsätze resultieren aus der Datenübertragung (Abb. 18). „Der Umsatz mit Datendiensten wächst 2011 und 2012 deutlich an. Verantwortlich für die Umsatzsteigerung ist weniger eine Zunahme der Datenmenge pro Alt-Nutzer, sondern vielmehr die wachsende Zahl von Privatkunden, die mobil und zumeist per Smartphone auf das Internet sowie dessen Dienste zugreifen“, so TK-Spezialist Prof. Gerpott.
Das Datenübertragungsvolumen im Mobilfunkbereich nimmt in 2012 um rund ein Drittel zu – auf 130,7 Millionen Gigabyte (ohne LTE). Damit hat sich das Gesamtvolumen in den vergangenen zwei Jahren fast verdoppelt (Abb. 19). Das durchschnittliche Datenvolumen pro Postpaid-Nutzer beträgt pro Monat 30 Prozent mehr als 2011: 196 MB. Die steigende Verbreitung von Smartphones und zum Beispiel Tablets ist der wesentliche Treiber für dieses Wachstum. Das Volumen wird in Zukunft voraussichtlich stark zunehmen, da durch LTE wesentlich mehr Daten transportiert werden können.
Weiterhin großer Beliebtheit erfreuen sich trotz Messenger-Konkurrenz SMS. Jeden Tag werden in Deutschland durchschnittlich 157,2 Millionen Kurznachrichten verschickt – und damit noch mal 9,4 Millionen und 6,4 Prozent mehr als im Vorjahr. MMS spielen hingegen mit 360.000 Nachrichten pro Tag eine geringe Rolle (Abb. 20).

IV. Markt der Mehrwertdienste in Fest- und Mobilfunknetzen

Täglich rund 4 Millionen Minuten telefonieren Bürger mit Auskunfts- und Mehrwertdiensten der TK-Wettbewerber. Dabei wählen sie in 90 Prozent der Fälle Verbindungen zu 0180- und 0800-Nummern. Die übrigen Rufnummerngassen machen zusammen nur 10 Prozent der Verbindungsminuten aus (Abb. 21). Bei den Umsätzen mit Auskunfts- und Mehrwertdiensten erreichen in diesem Jahr alle Wettbewerber zusammen mit 46,5 Prozent des Ge-samtumsatzes in Höhe von rund 660 Millionen nicht ganz das Volumen der Umsätze des Ex-Monopolisten Telekom (Abb. 22).
480.000 Premium-Nachrichten (-14,3 Prozent) – davon 99,2 Prozent Premium-SMS und 0,8 Prozent Premium-MMS – werden pro Tag in deutschen Mobilfunknetzen versandt. Das sind lediglich 0,3 Prozent der in Deutschland insgesamt versandten Nachrichten (Abb. 23).
Bei schätzungsweise insgesamt 9 Millionen Gesprächsminuten mit Auskunfts- und Mehrwertdiensten und laut dtms GmbH einer durchschnittlichen Gesprächsdauer von 2,5 Minuten, rufen die Verbraucher rund 3,6 Millionen Mal pro Tag bei Servicerufnummern an (Abb. 24) – das sind rund 1,3 Milliarden Anrufe pro Jahr. „Die Kunden schätzen und suchen auch weiterhin die Kommunikation von Mensch zu Mensch. Das kann vom Bestellservice und Flughotline über Rechtsberatung, Sperrdienste, ärztlichen Notdienst und Kummernummern bis hin zur Eierhotline der Landwirtschaftskammer reichen“, erläutert das für diesen Bereich zuständige VATM-Präsidiumsmitglied Dr. Christian Kühl, Geschäftsführer der dtms GmbH. Rund 250.000 Menschen würden in Deutschland in Call Centern arbeiten. „Wenn man bedenkt, dass bei rund 3,6 Millionen Anrufen pro Tag nur rund 500 Beschwerden täglich bei der Bundesnetzagentur eingehen, so ergibt das eine Quote von 0,01 Prozent. Die Auskunfts- und Servicenummern sind besser und sehr viel wichtiger als ihr Ruf.“ 

V. Ausblick 2013

Mit Blick auf die weitere Marktentwicklung gehen Prof. Gerpott und Verbandspräsident Eickers davon aus, dass die Gesamtumsätze im TK-Markt im Jahr 2013 leicht um 1 bis 2 Prozent sinken werden. „Dieser Rückgang wird durch weiter sinkende Mobilfunkterminierungsentgelte und einen weiteren Preiswettbewerb im Breitbandmarkt verursacht werden. Die TK-Wettbewerber werden im Breitbandsegment Marktanteile und Umsatz verlieren. Die mobile Datennutzung wird zunehmend wichtig für die Mobilfunkbranche. Der Non-Voice-Umsatzanteil wird 2013 deutlich über 40 Prozent der Diensteumsätze im Mobilfunk liegen“, so die Prognose von Prof. Gerpott.
Das Thema Ausbau mit schnellen Netzen – fest und mobil – werde auch im kommenden Jahr das dominierende sein, so VATM-Präsident Eickers. „Die Wettbewerber benötigen dringend einen verbesserten Zugang zu den Verteilern in den Gemeinden – insbesondere auf dem Land – und eine faire, am Realmarkt orientierte Preisgestaltung für die benötigten Vorprodukte, ohne die ein Invest nicht durchführbar ist.“
Mit großer Sorge reagiert der Verbandspräsident auf die jüngsten Vorschläge der Telekom zum Thema Vectoring, einer Technologie, mit der sich bei kürzeren Distanzen zwischen Kabelverzweiger und Haushalten Bandbreiten von bis zu 100 Mbit/s übertragen lassen. „Grundsätzlich ist der Einsatz von Vectoring zu begrüßen, wenn es um die Verbesserung der Breitbandversorgung geht. Jedoch kann es nicht sein, dass die Telekom dann den Wettbewerbern den Zugang zur Teilnehmeranschlussleitung am Kabelverzweiger nicht mehr anbieten will. Das würde nicht nur den dort getätigten Milliardeninvest der Wettbewerber entwerten, sondern würde auch zur Remonopolisierung führen“, befürchtet Eickers: „Kein Vectoring ohne Open Access.“ 
Gerd Eickers ist Präsident des Verbandes der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten e. V. und Mitglied des Aufsichtsrats der QSC AG.
Prof. Dr. Torsten J. Gerpott ist Gründungsgesellschafter des Beratungsunternehmens Dialog Consult GmbH und Inhaber des Lehrstuhls für Unternehmens- und Technologieplanung mit dem Schwerpunkt Telekommunikationswirtschaft an der Universität Duisburg-Essen.
Dr. Christian Kühl ist Mitglied des VATM-Präsidiums und Geschäftsführer der dtms GmbH.

Die Pressemitteilung liegt auch in englischer Sprache vor: English version

Download:

Fotos von VATM-Präsident Gerd Eickers, Prof. Torsten J. Gerpott und Dr. Christian Kühl stehen im Internet unter www.vatm.de für Sie zum Download zur Verfügung. Sollten Sie eine der Grafiken im druckfähigen eps-Format wünschen, wenden Sie sich bitte an presse(at)vatm.de oder Tel. 0221/3 76 77 25.

Link zur Anmeldung der Live-Übertragung:

Die TK-Marktstudie 2012 wird Ihnen mit freundlicher Unterstützung von Alcatel-Lucent vorgestellt.

 

Kontakt

Corinna Keim
Leiterin Kommunikation und Presse
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