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14.12.2009

„Open Access muss zum Marktmodell werden”

130 Teilnehmer beim VATM-Glasfasertag in Düsseldorf – Neun Experten im Gespräch

Köln, 14. Dezember 2009. „Der offene Zugang zum neuen Hochgeschwindigkeits-Netz wird das Marktmodell der Zukunft sein“, so Robert Hoffmann, VATM-Präsidiumsmitglied und Vorstandssprecher der 1&1 Internet AG, beim Glasfasertag des VATM. Die genaue Ausgestaltung und die Spielregeln müssen von den Unternehmen noch festgelegt werden. Darüber konnte Einigkeit auf den drei verschiedenen Diskussionsrunden erzielt werden. Rund 130 Teilnehmer waren zu der Veranstaltung unter dem Titel „Glasfaserausbau in Deutschland – Regulierung und Strategien im Wettbewerb 2010“ nach Düsseldorf gekommen. Neun Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik diskutierten mit den Gästen über Konzepte und Rahmenbedingungen für einen erfolgreichen Glasfaserausbau in Deutschland.

Einigkeit herrschte auf dem Podium, dass kein Unternehmen den Ausbau des schnellen Netzes alleine bewältigen kann. Daher könne die Lösung nur lauten: offener Netzzugang für alle Marktteilnehmer. Dem stimmte auch der Präsident der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, zu. Ein einheitliches Modell für alle werde es aber nicht geben. „Es wird eine Klassifikation verschiedener Stufen von Open Access entwickelt“, so Kurth. Der BNetzA-Chef kündigte die Einrichtung eines NGA-Forums für das kommende Jahr an. Prof. Dr. Jürgen Kühling, Lehrstuhlinhaber Universität Regensburg, hielt es ebenfalls für erforderlich, dass Regulierung handhabbar bleibt: „Wir dürfen die zunehmende Komplexität beim Glasfaserausbau nicht mit steigender Komplexität der Regulierung beantworten.“

Für Privatkunden und Unternehmen bedeute Open Access ein Maximum an Wettbewerb, Innovation und Dienstleistungsgüte. Wie wichtig es ist, Auslastung durch Kunden und Dienste auf das Netz zu bekommen, betonten Vertreter aller drei Panels, die aus Sicht der Politik und Regulierung, des Marktes und der Strategen das Thema diskutierten. So sagte auch EWE-TEL-Geschäftsführer Hans-Joachim Iken, dass sein Unternehmen aus dem Glasfaserausbau keinen „closed shop" machen werde. Neuen Monopolen wurde bei der Veranstaltung einhellig eine klare Absage erteilt. „Regulierungsferien à la § 9a waren gestern – die Zukunft heißt Open Access“,  sagte der VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner. „Wir gehen davon aus, dass ein konsequenter Open-Access-Ansatz, der alle Unternehmen anhält, den Kunden Wahlfreiheit in Bezug auf Ihre Anbieter einzuräumen und Dienstleistern diskriminierungsfreien Netzzugang zu gewähren, europaweit Modell für den ordnungspolitischen Rahmen der neuen Netzgeneration sein wird. Hierauf wollen wir die Unternehmen konsequent vorbereiten. Die Erzielung marktgerechter Preise steht dabei für uns im Vordergrund“, so Hoffmann später. 

Regulierung solle nur dann zum Einsatz kommen, wenn gegen die von den Marktteilnehmern festgelegten Spielregeln verstoßen werde, Unternehmen andere diskriminieren oder ihre Marktmacht wettbewerbswidrig ausspielen. „Die Regel muss heißen: Drohe mit Regulierung, aber unterlasse sie, wo immer es möglich ist“, sagte VATM-Geschäftsführer Grützner. Die EU werde durch den EU-Review und die NGA-Empfehlung 2010 die richtigen Rahmenbedingungen festlegen, meinte auch Roland Honekamp, Head of Section Economic Regulation, Generaldirektion Informationsgesellschaft und Medien der EU-Kommission: „Klar ist, dass die EU auch auf den Glasfasernetzen den Wettbewerb forcieren wird.“ Bei der Legitimität der ex-ante-Regulierung gebe es keine Ausnahme.

Es wurde zudem schnell deutlich, dass sich die zukünftigen Geschäftsmodelle deutlich mehr auf die einzelnen Wertschöpfungsebenen - passive Infrastruktur, Beleuchtung, Dienste und Service - konzentrieren werden. Außerdem werden Anbieter von reiner Glasfaser- oder Lehrrohrinfrastruktur eine größere Rolle spielen. Es werde neue Player im Markt geben wie etwa Stadtwerke, Energieversorger und Fonds, war insbesondere das Ergebnis der Runde  unter dem Titel „Der Markt: Glas rentiert sich“ mit Dr. Annette Schumacher, Leiterin Regulierung & Public Affairs bei Kabel Deutschland, Dr. Josef Schäfer, Bereichsleiter Strategie und Innovation bei Vodafone, und EWE TEL-Geschäftsführer Iken.

„Am Ende wird in jedem Haus in Deutschland ein Glasfaseranschluss liegen - die Frage ist nur, wann" so Dr. Josef Schäfer. „Es muss ein Abschlussszenario für 2025 entworfen werden. Bis dahin gilt es, einige Meilensteine abzuarbeiten“, meinte Thomas Langer, Head of Telco, WestLB. Dieter Elixmann, Head of Department, WIK Consult, formulierte noch einen innovativen Vorschlag zur positiven Entwicklung des Breitbandausbaus mit Blick auf die Wohnungsbaugesellschaften. Er regte einen Breitband- und Multimedia-Pass für Gebäude an, aus dem hervorgeht, welche Anschlüsse das jeweilige Haus zu bieten hat.

Während der Veranstaltung wurde zudem immer wieder deutlich, wie wichtig es für eine Erfolgsgeschichte Glasfaserausbau ist, bestehende Infrastrukturen zu nutzen und bei Baumaßnahmen Leerrohre mitzuverlegen, da dies zu enormen Kosteneinsparungen führt. „In Österreich zum Beispiel werden durchschnittlich alle sieben Jahre die Straßen aufgerissen“, sagte Prof. Hartwig Tauber, Director General, FTTH Council Europe. BNetzA-Chef Kurth hatte bereits im ersten Panel auf den neu von seiner Behörde erstellten Infrastrukturatlas hingewiesen, der zu Synergien führen soll.

Hier wurde auch einem Universaldienst für Breitband eine deutliche Absage erteilt. „Wir wollen keinen Universaldienst, wir wollen keine Rolle rückwärts“, betonte etwa Prof. Kühling. Außerdem, so ein weiteres Ergebnis des Glasfasertages, sollte der Staat nur dort öffentliches Geld einsetzen, wo eine wirtschaftliche Lösung nicht möglich sei und die Förderung technologieneutral dem Wettbewerb nicht schade. Außerdem gelte es, bürokratische Hindernisse abzubauen. Einhellig auf Zustimmung stieß hingegen der Vorschlag von Dr.  Schäfer und Hoffmann zum Thema Finanzierbarkeit der neuen Netze, dass es verstärkt staatliche Bürgschaften geben solle sowie erleichterte Kreditvergaben und Zugang zu Risikokapital. 

VATM-Präsidiumsmitglied Hoffmann fasste am Schluss wichtige Forderungen zusammen: „Wir müssen über Technologien sprechen sowie technische Standards/Schnittstellen definieren, damit der Ausbau geplant werden kann: Wir in der Industrie definieren die Standards. Außerdem müssen wir Kooperationsmodelle schaffen, um möglichst viele Marktteilnehmer zu vereinen. Die Internet-Dienste, die erst die Nachfrage nach dem Hochgeschwindigkeitsnetz sichern, entwickeln wir auch in Deutschland, es gibt nicht nur Commodity für Google und Co. Wir lassen uns nicht auf die Rolle als Infrastrukturanbieter reduzieren, sondern gestalten in Deutschland das Internet durch Dienste-Entwicklung mit. Am Schluss müssen Qualität und Service für den Endkunden bei den Angeboten stimmen. Die Politik muss Anreize für Investitionen schaffen. Wir erwarten klare Rahmenbedingungen, damit sich unser Invest rentiert. Von der Regulierung erwarten wir, dass sie neue Monopole verhindert. Regulierung darf sich nicht von realistischen Marktpreisen entfernen.“

Bericht und Bilder vom VATM-Glasfasertag

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