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24.05.2006

2,3 Millionen weniger Breitbandanschlüsse bis 2010 bei VDSL-Regulierungsverzicht

VATM veröffentlicht Studie zu wettbewerbsökonomischen Auswirkungen eines Regulierungsmoratoriums beim Glasfaserausbau der Deutschen Telekom

Der Verzicht auf eine Zugangsregulierung beim geplanten VDSL-Netz der Deutschen Telekom AG würde in den nächsten vier Jahren zu einem um 23 Prozent geringeren Wachstum bei Breitbandanschlüssen in Deutschland führen. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Wettbewerbsökonomische Implikationen eines Regulierungsmoratoriums beim Glasfaserausbau in den Zugangsnetzen der Deutschen Telekom“, die von den Professoren Torsten J. Gerpott (Universität Duisburg-Essen) und Peter Winzer (Fachhochschule Wiesbaden) im Auftrag des VATM erstellt und gestern in Köln vorgestellt wurde.

Die beiden Gutachter legen in der Studie zwei Marktentwicklungs-Szenarien zugrunde: Im Szenario „Fairer Zugang“ erhalten alle interessierten Carrier und Internet Service Provider den uneingeschränkten Zugang zum VDSL-Netz der Telekom über Resale, Bitstream Access oder entbündelten Zugang im Kabelverzweiger. Der Zugang erfolgt dabei auf Grundlage regulierter Preise, die eine Gewinnmarge für die Telekom beinhalten. Das Szenario „Weitgehende Zugangsverweigerung“ unterstellt, dass Carrier und Internet Service Provider bis 2010 keinen Zugang erhalten. Diese Annahme der Studie ist im Vergleich zu den Vorstellungen der Telekom eher zurückhaltend, die ihrerseits Regulierungsferien weit über das Jahr 2010 hinaus fordert.

Im Szenario „Freier Zugang“ errechnen Gerpott und Winzer im Jahr 2010 für Deutschland 23 Millionen Breitbandanschlüsse, für das zweite Szenario „Weitgehende Zugangsverweigerung“ lediglich 20,7 Millionen Anschlüsse. Ausgehend von 10,8 Millionen Breitbandanschlüssen Ende 2005 bedeutet dies ein um 23 Prozent geringeres Wachstum (Seite 26 des Gutachtens). Gleichzeitig verzeichnen die Wettbewerbsunternehmen bis 2010 kumulierte Umsatzverluste in Höhe von 1,6 Milliarden Euro (Seite 34).

„Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass ein Regulierungsverzicht bei VDSL nicht nur eine Abkehr von bewährten ordnungspolitischen Grundsätzen darstellen würde“, so VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner. „Eine Nicht-Regulierung brächte auch massive ökonomische Nachteile für Nachfrager und Anbieter mit sich.“

Aus diesem Grunde spricht sich der VATM für den fairen Zugang der Wettbewerbsunternehmen zum VDSL-Netz zu kostenorientierten Entgelten aus, die eine angemessene Verzinsung der Telekom-Investitionen beinhalten. „Alle Anbieter müssen die aus den Zeiten des Staatsunternehmens stammenden Infrastrukturen wie Kabelschächte und Leerrohre nutzen können und benötigen den Zugang zu Hauptverteilern und Kabelverzweigern“, konkretisiert Grützner die VATM-Forderungen. „Außerdem müssen die Unternehmen wie in anderen europäischen Ländern Bitstream Access ohne künstliche Beschränkung der Bandbreite und marktgerechte Resale-Angebote erhalten, wenn wir im EU-Vergleich nicht länger mittelmäßig abschneiden wollen.“

Außerordentlich kritisch bewerten Gerpott und Winzer in diesem Zusammenhang die Studien wie zum Beispiel des DIW, die Investitionsanreize durch Regulierungsverzicht in den Vordergrund stellen: „Diese sind zwar theoretisch begründbar, wirken sich mit Blick auf den Gesamtmarkt in der Praxis jedoch negativ aus. Der temporäre Verzicht auf eine normale Zugangsregulierung für den Glasfaserausbau in einem Teil der Zugangsnetze der Telekom trägt signifikant zur Verringerung der Breitbandpenetration sowie von Wettbewerberinvestitionen in eigene VDSL-Angebote bei und schadet so dem Standort Deutschland“, so Gerpott abschließend.

Download der Studie [PDF; 362 Kb]

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