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13.09.2006

VATM veröffentlicht Untersuchung "Fakten zur Wettbewerbs- und Regulierungsrealität im deutschen Telekommunikationsmarkt"

Gerpott: Wettbewerbsunternehmen sichern hohe Inlandsumsätze der Telekom

Die seit Monaten kommunizierten und mit „übermäßiger Regulierung“ begründeten Marktanteilsverluste der Deutschen Telekom AG in Deutschland hat der TK-Experte Professor Dr. Torsten Gerpott, Universität Duisburg-Essen, einer Bewertung unterzogen. Gerpott stellte die Ergebnisse der im Auftrag des VATM erstellten Untersuchung gestern in Köln vor.

Hinsichtlich der Veränderung der Wettbewerbsposition des ehemaligen Staatsunternehmens müssen nach Ansicht von Gerpott Zahlen von nominal hohen Endkundenverlusten relativiert werden: „Der Kundenabwanderung im Bereich schmalbandiger Festnetzanschlüsse in Höhe von rund einer Million im ersten Halbjahr 2006 steht ein Zugewinn von 1,1 Millionen DSL-Kunden gegenüber. Letztere teilen sich auf in 200.000 neue Breitband-Endkunden und 900.000 Kunden im Bereich DSL Resale.“ Was auf den ersten Blick auf ungewollt hohe Kundenverluste schließen lasse, sei für die Telekom betriebswirtschaftlich attraktiv und daher Teil ihrer Marktdurchdringungsstrategie, so der Duisburger Hochschullehrer weiter. Bei DSL Resale seien bis Ende Mai 2006 88,5 Prozent und seither etwa 80 Prozent der Netto-Endkundenumsätze von den Resellern an sie „durchgereicht“ worden. Zudem entfielen bei der Telekom für diese Kunden Betreuungskapazitäten, Fakturierungs- und Inkassokosten.

„Selbst bei Anschlusskunden, die komplett zu alternativen Festnetzanbietern wechseln, bleiben 51,5 Prozent der Umsätze als Vorleistungsentgelte für TAL-Einrichtung und –miete sowie Interconnectiongebühren bei der Telekom“, erläutert Gerpott. „So spülen die Wettbewerbsunternehmen beispielsweise bei 500.000 Kunden, die mit ihrem Festnetzanschluss zu ihnen wechseln, jährlich immer noch gut 143 Millionen Euro in die Kassen des Ex-Monopolisten. Die bei der Telekom eingesparten Kosten für Kundenbetreuung, Fakturierung und Inkasso vergrößern darüber hinaus noch die Gewinnmarge des Bonner Konzerns.“

Auch die von der Deutschen Telekom AG kommunizierten unterschiedlichen Geschäftsverläufe im In- und Ausland hat der Duisburger TK-Experte untersucht. Dabei zeigt sich, dass die EBITDA-Margen, die die Telekom in Deutschland erwirtschaftet, um bis zu 30 Prozent höher als die im Ausland erzielten Margen sind. Damit wird deutlich, dass der Ex-Monopolist in Deutschland weder unter einer besonders harten Wettbewerbssituation noch unter einem besonders harten Regulierungs-Regime leidet, sondern im Gegenteil hiervon sogar profitieren kann.

Die Regulierungspraxis in Deutschland stuft Gerpott nach Untersuchung von Berichten der EU-Kommission und anderen internationalen Bewertungen der Wettbewerbszuträglichkeit als nicht zu streng ein: „Alle international vergleichenden Analysen kommen zu dem Ergebnis, dass die Telekom in ihrem Inlandsgeschäft keineswegs von einer hohen Regulierungsintensität gehandicapt wird.“ Im Vergleich mit den Marktanteilen anderer europäischer Incumbents schneide das ehemalige Staatsunternehmen ebenfalls nicht unterdurchschnittlich oder besonders schlecht ab.

VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner sieht durch die Analyse Gerpotts die langjährige Haltung des Verbandes bestätigt: „Das eigentliche Problem der Telekom ist darin begründet, dass es dem Ex-Monopolisten nicht gelungen ist, das selbst gesteckte wie auch politisch ausgegebene Ziel zu erreichen, das Unternehmen Deutsche Telekom AG zu einem ‚Global Player’ zu machen. Europäische Schlüsselmärkte wie Frankreich oder Italien konnten trotz anfänglicher Erfolge nicht erschlossen werden. Hiervon versucht die Telekom abzulenken und fordert im Zuge ihrer notgedrungenen Rückbesinnung auf den nationalen Markt nun als ‚National Champion’ die Unterstützung der Politik ein.“

„Wer auf dem Weg vom Monopol zum Wettbewerb öffentlich erklärt, unter Verzicht auf Gewinne die nach wie vor extrem hohen Marktanteile im nationalen Markt verteidigen zu wollen, schafft sich ein eigenes Problem, das weder Regulierer noch Wettbewerb zuzuschreiben ist.  Anstatt wie bei VDSL Wettbewerber vom Zugang strategisch auszuschließen, könnten gemeinsam Netzkapazitäten besser ausgelastet, volkswirtschaftlich sinnlose Doppel-Investitionen vermieden und Regulierung zurückgenommen werden. Der künstlich dramatisierte Verlust von einer Million Kunden, das entspricht knapp 2,5 Prozent Marktanteil, darf nicht dazu führen, dass die Balance des TKG zwischen Wettbewerbern und Telekom ausgehebelt wird“, so Grützner abschließend.

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