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27.09.2006

VATM veröffentlicht TK-Marktstudie 2006

Gesamtmarkt und Investitionen wachsen weiter – Zum Jahresende 15,6 Millionen Breitbandanschlüsse – Festnetz wächst stärker als Mobilfunk – Wettbewerbs-unternehmen schaffen 2.000 neue Arbeitsplätze

Um 2,2 Prozent auf insgesamt 69,1 Milliarden Euro wächst der Gesamtmarkt für Telekommunikationsdienste in Deutschland voraussichtlich in diesem Jahr. Getragen wird das Marktwachstum im Festnetz wie im Mobilfunk von den Wettbewerbern, die 2006 mit 35,2 Milliarden Euro erstmals höhere Erlöse erzielen konnten als die Deutsche Telekom AG (33,9 Milliarden Euro). Das Umsatzwachstum ist wie im Vorjahr in erster Linie auf die erfolgreiche Vermarktung festnetzbasierter Breitbandanwendungen zurückzuführen. Die Zahl der Breitbandanschlüsse steigt um fast 50 Prozent auf 15,6 Millionen zum Jahresende.

Die Investitionen in Sachanlagen im deutschen Telekommunikationsmarkt belaufen sich 2006 auf 6,4 Milliarden Euro und liegen damit leicht höher als im Vorjahr. Mit drei Milliarden Euro investieren die Wettbewerber fast ebenso viel wie das ehemalige Staatsunternehmen. Im Gegensatz zum Stellenabbau bei der Deutschen Telekom bauen die Wettbewerber Beschäftigung auf. In diesem Jahr entstehen bei den Festnetz- und Mobilfunkanbietern etwa 2.000 neue Arbeitsplätze.

„Die Telekommunikationsbranche gehört auch in diesem Jahr wieder zu den Wachstumstreibern in Deutschland“, bewertet VATM-Präsident Gerd Eickers die Ergebnisse der im Auftrag des Verbandes von der Dialog Consult GmbH erstellten Marktstudie. „Erneut gestiegene Umsätze und Investitionen sowie der Zuwachs an Arbeitsplätzen bei den Wettbewerbern unterstreichen die Bedeutung des Kommunikationssektors für die Gesamtwirtschaft. Die positive Entwicklung der Branche in den vergangenen Jahren ist eindeutig dem Wettbewerb zuzuschreiben, der, das zeigen die Ergebnisse der Marktstudie aber ebenfalls deutlich, nach wie vor einer effizienten Regulierung bedarf.“

Von daher komme den anstehenden Gesetzgebungsverfahren TKG-Novelle und EU-Review eine zentrale Bedeutung zu. „Hier werden nicht nur die Weichen für Investitionssicherheit und Innovation für die nächsten Jahre gestellt“, führt Eickers weiter aus. „Im Kern geht es um die Beantwortung der Frage, ob das erfolgreiche Marktmodell Wettbewerb fortgeführt werden kann oder ob wir in monopolistische Strukturen zurückfallen - mit allen Konsequenzen auf Angebotsvielfalt und Verbraucherpreise. Wir sind jedoch zuversichtlich, dass die Politik weiterhin auf eine konsequente Regulierungs- und Wettbewerbspolitik setzt.“

Professor Torsten J. Gerpott von Dialog Consult erläutert die Ergebnisse der Marktstudie 2006 im Einzelnen:

I. Gesamtmarkt für Telekommunikationsdienste in Deutschland

Die Umsätze mit Telekommunikationsdienstleistungen belaufen sich in Deutschland 2006 auf circa 69 Milliarden Euro. Mit 33,9 Milliarden Euro entfallen nach wie vor knapp die Hälfte dieser Umsätze auf die Deutsche Telekom, die im Festnetzbereich der marktbeherrschende Anbieter bleibt.
Der Gesamtmarkt, Umsätze einschließlich TV-Breitbandkabel ohne Transport von TV-Signalen, wächst in diesem Jahr voraussichtlich um 2,2 Prozent von 67,6 auf 69,1 Milliarden Euro (Abbildungen 1 und 2). Dabei wird das Marktwachstum von den Wettbewerbern getragen, deren Anteil mit 35,2 Milliarden Euro oder 50,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr um 5,4 Prozent steigt (2005: 33,4 Milliarden Euro Umsatz beziehungsweise Marktanteil von 49,4 Prozent). Das Wachstum der Wettbewerber stammt wie 2005 hauptsächlich  aus dem Bereich Festnetzdienste und weniger aus dem Mobilfunkbereich (Abbildung 3).

Die Investitionen in Sachanlagen erhöhen sich auch 2006 – von den insgesamt 6,4 Milliarden Euro entfällt fast die Hälfte der Investitionen auf die Wettbewerber.
Die Sachinvestitionen im Telekommunikationsmarkt belaufen sich 2006 auf insgesamt 6,4 Milliarden Euro. Das entspricht einer Steigerung von 1,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr (Abbildung 4). Mit drei Milliarden Euro tragen die Wettbewerber im Jahr 2006 46,9 Prozent des gesamten Investitionsvolumens im Telekommunikationsmarkt. Damit haben die Wettbewerber seit 1998 32,6 Milliarden Euro in Sachanlagen investiert, 48 Prozent des gesamten Investitionsvolumens im Zeitraum 1998 bis 2006.

Geschäftswachstum und Investitionen bei den Wettbewerbern sorgen auch im Jahr 2006 für einen Beschäftigungszuwachs.
Um fast vier Prozent oder 2.000 Arbeitsplätze steigt die Beschäftigtenzahl bei den Wettbewerbern an und setzt den positiven Trend aus dem vergangenen Jahr fort. Bei den Wettbewerbsunternehmen werden damit am Jahresende insgesamt rund 52.500 Mitarbeiter beschäftigt sein (Abbildung 5).

II. Festnetzmarkt

Der Festnetzmarkt ist 2006 charakterisiert durch einen weiteren Rückgang der Verbindungsminuten in Folge der starken Zunahme von DSL-Anschlüssen. Die Deutsche Telekom verteidigt bei den Verbindungsminuten erfolgreich ihre marktbeherrschende Stellung.
Das Gesamtverbindungsvolumen geht von 895 auf 879 Millionen Minuten pro Tag zurück, wie schon im Vorjahr werden Internetverbindungsminuten zunehmend auf DSL verlagert (Abbildung 6). Die Wettbewerber können ihre Verbindungsminuten im Festnetz insgesamt auf 464 Millionen Minuten pro Tag und damit auf 52,8 Prozent des Gesamtvolumens steigern, während der Anteil der Deutschen Telekom von 415 Millionen Minuten pro Tag oder 47,2 Prozent weiter abnimmt. Der steigende Marktanteilsgewinn der Wettbewerber bei den täglichen Verbindungsminuten schlägt sich jedoch nicht eins zu eins in den Umsätzen nieder, da bei jeder Wettbewerberminute über Vorleistungsentgelte Umsatz in die Telekom-Kassen gespült wird (Abbildung 10). Die Abhängigkeit der Wettbewerber von Vorprodukten der Deutschen Telekom trägt somit zur Stabilisierung der insgesamt nur marginal sinkenden DTAG-Umsätze von 25,7 Milliarden Euro (Vorjahr: 25,8 Milliarden Euro) bei (Abbildung 9).

Im Ortsnetzbereich wie bei den Festnetzsprachdiensten insgesamt steigern die Wettbewerber ihren Marktanteil und das Gesamtvolumen der Verbindungsminuten - Fast zwei Drittel der Gesamtumsätze im Festnetzbereich verbleiben bei der Deutschen Telekom.
Mit 121 Millionen haben die Wettbewerber mittlerweile einen Anteil von 52,8 Prozent an allen im Ortsnetzbereich täglich generierten 229 Millionen Verbindungsminuten (Abbildung 7). Bei den ortsnetzübergreifenden Sprachverbindungsminuten stabilisiert die Deutsche Telekom ihr Verbindungsvolumen mit 190 Millionen Minuten pro Tag, die Wettbewerber können das über ihre Verbindungen generierte Volumen abermals auf nun 215 Millionen Minuten pro Tag steigern (Abbildung 8). Von den Gesamtumsätzen im Bereich der Festnetzdienste in Deutschland in Höhe von 39,9 Milliarden Euro verbleiben auch aufgrund der Vorleistungsentgelte mit 25,7 Milliarden Euro 64,4 Prozent bei der Deutschen Telekom (Abbildungen 9 und 10).

Bei den Festnetzzugangsarten der Wettbewerber legt die Zahl der Komplettanschlüsse mit einer Steigerung um fast 90 Prozent deutlich zu, Pre-Selection und Call-by-Call sind leicht rückläufig.
Die Zahl der Kunden, die Angebote der Wettbewerber nutzen, legt in diesem Jahr von 25,9 Millionen auf 28,3 Millionen zu. Diese Steigerung ist ausschließlich auf das Wachstum bei Komplettanschlüssen zurückzuführen: Deren Zahl hat sich von 3,3 Millionen auf 6,2 Millionen fast verdoppelt, während Call-by-Call mit 16,1 Millionen Kunden (nach 16,2 Millionen im Vorjahr) und Pre-Selection mit 6,0 Millionen (nach 6,4 Millionen im Jahr 2005) leicht rückläufig sind (Abbildung 11). Letzteres belegt auch die Zahl der täglichen Verbindungsminuten. Während sich das Minutenvolumen bei den Festnetzanschlüssen ebenfalls fast verdoppelt, muss Pre-Selection eine Einbuße von fünf Millionen täglicher Verbindungsminuten hinnehmen, Call-by-Call kann das Volumen geringfügig auf 149 Millionen Gesprächsminuten steigern (Abbildung 12). Während der durchschnittliche Call-by-Call-Nutzer täglich 9,3 Verbindungsminuten erzeugt, kommt der durchschnittliche Pre-Selection-Kunde auf 10,8 Minuten. Komplettanschlussinhaber nutzen ihren Festnetzzugang mit 19,7 Minuten fast doppelt so lang, unter anderem in Folge der Sprach-Flatrates, die mittlerweile von vielen Wettbewerbern angeboten werden (Abbildung 13).

Im Bereich der Mehrwertdienste steigen sowohl Verbindungsminuten wie auch Umsätze deutlich. Gewinner sind Auskunftsdienste sowie 0800er- und 0900er-Rufnummern.
Der Markt für Auskunfts- und Service-Rufnummern entwickelt sich weiter positiv. Mit 21,8 Millionen Minuten pro Tag steigt deren Nutzung gegenüber dem Vorjahr um 13,5 Prozent an, der Umsatz mit Mehrwertdiensten legt in diesem Jahr voraussichtlich um zehn Prozent zu. Während Verbindungsminuten und Umsätze bei den 0137-Rufnummern leicht rückläufig sind, steigt der Einsatz der 0800er-Rufnummern gemessen an der Zahl der Verbindungsminuten stark an. Beim Umsatzwachstum haben Auskunftsdienste sowie 0800er- und 0900er-Rufnummern die Nase vorn (Abbildung 14).

III. Internet-Zugangsmarkt

Der Markt für Verbindungsminuten zu Internetzugangsnummern schrumpft weiter – Zahl der DSL-Anschlüsse steigt auf 15,6 Millionen – Volumen im Breitband-Internet-Verkehr wächst deutlich
Mit täglich 245 Millionen Verbindungsminuten geht der Markt für Internetzugangsdienste ohne DSL- und Kabelmodemzugänge 2006 um knapp 15 Prozent zurück. Damit setzt sich der seit 2002 anhaltende Abwärtstrend fort, für den vor allem die zunehmende Verbreitung von DSL verantwortlich ist (Abbildung 15).

Die Zahl der direkt geschalteten Breitbandanschlüsse wächst in diesem Jahr um 47,2 Prozent von 10,6 auf 15,6 Millionen. Dabei dominieren weiterhin die DSL-Anschlüsse mit einem Anteil von 95,5 Prozent gegenüber anderen Anschlussarten. Gewinner des DSL-Booms in diesem Jahr ist die Deutsche Telekom, die mit 6,9 Millionen eigenen und 3,6 Millionen über Reseller vermarkteten Anschlüssen auf einen Marktanteil von 67,3 Prozent kommt. Die im Bereich Resale tätigen Unternehmen leiten rund 80 Prozent ihrer Erlöse an das ehemalige Staatsunternehmen weiter. Die Wettbewerber können die Zahl eigener DSL-Anschlüsse um zwei auf 4,4 Millionen steigern und kommen auf einen Marktanteil von 28,2 Prozent (Abbildung 16).

Das um 29,6 Prozent auf 876 Millionen Giga-Byte pro Jahr ansteigende Volumen des Breitband-Internet-Verkehrs verdeutlicht ebenfalls, dass die Nachfrage nach breitbandigen Diensten weiter stark zunimmt (Abbildung 17).

IV. Mobilfunkmarkt


Vorläufig kein Ende des Handy-Booms in Sicht: Verbindungsminutenvolumen im Mobilfunk steigt nochmals deutlich an – Non-Voice-Anteil wächst
Auf 127 Millionen Verbindungsminuten täglich, 17,6 Prozent mehr als 2005, steigt in diesem Jahr die Mobilfunknutzung an (Abbildung 18). Sprache bleibt bei einer Marktpenetration von mittlerweile knapp über 100 Prozent in Bezug auf die Geräte-Ausstattung die Killer-Anwendung. Der Non-Voice-Anteil an den Serviceumsätzen im Mobilfunk steigt jedoch 2006 weiter auf 20,7 Prozent. Während der Anteil von SMS leicht sinkt und MMS geringfügig wächst, legt die Nutzung des Handys für Datenübertragung überproportional auf 6,1 Prozent zu (Abbildung 19).

„Die Ergebnisse unserer diesjährigen Marktstudie zeichnen ein grundsätzlich positives Bild der Wettbewerbsentwicklung in Deutschland“, zeigt sich Eickers weitgehend zufrieden. „Zwei Aspekte geben jedoch zu denken. Zum einen hält die Deutsche Telekom auch acht Jahre nach der Liberalisierung bis auf den Bereich Mobilfunk überall Marktanteile von deutlich über 50 Prozent. Gleichzeitig werden immer wieder Rufe laut, die Regulierung zurückzunehmen. Angesichts der Zahlen der Marktstudie sollte klar sein, dass diesen verfrühten Forderungen eine klare Absage erteilt werden muss. Zum zweiten hinkt Deutschland nach wie vor und trotz der sehr hohen Zuwachsraten in diesem Jahr in der Breitbandversorgung im europäischen Vergleich hinterher. Hier sind Politik und Regulierer gefordert, mit wettbewerbsfreundlichen Rahmenbedingungen und Entscheidungen die nötige Planungssicherheit für die Anbieter zu gewährleisten.“

Auch Professor Gerpott kann der Argumentation nicht folgen, das ehemalige Staatsunternehmen leide in Deutschland unter einer Über-Regulierung: „Vergleicht man die EBITDA-Margen der Telekom im In- und Ausland, so zeigt sich, dass der Incumbent im heimischen Markt deutlich besser verdient als auf den Auslandsmärkten, auf denen er anderen Regulierungsvorschriften unterliegt.  Und auch die regelmäßig vorgetragenen Kundenverluste des Ex-Monopolisten wirken sich angesichts der aufgezeigten Umsatzremanenz durch Vorleistungsentgelte kaum negativ auf das Geschäftsergebnis aus. Bezieht man nun noch die Marktbeherrschung der Telekom auf wichtigen Vorleistungsmärkten mit ein, kann die Schlussfolgerung nur lauten: Für einen generellen Abbau von Regulierung ist es deutlich zu früh.“

Weitere Informationen sowie das grafisch aufbereitete Datenmaterial der Marktstudie können hier oder unter www.dialog-consult.com abgerufen werden.

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