Pressemitteilungen

02.04.1998

100 Tage Wettbewerb im Telekommunikationsmarkt

Private Telefongesellschaften ziehen positive Bilanz

Die Freigabe des letzten Monopols, der Sprachdienste im Festnetz, mit Jahresbeginn 1998 hat innerhalb kurzer Zeit zu grundlegenden Veränderungen auf dem deutschen Telekommunikationsmarkt geführt. Der Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten e.V. (VATM), in dem sich 34 private Mitbewerber der Deutschen Telekom AG zusammengeschlossen haben, zog am 2. April bei einem Pressegespräch in Bonn eine positive Bilanz der ersten 100 Tage im Zeichen des Wettbewerbs.

So erweist sich die komplette Liberalisierung des deutschen Telekommunikationsmarktes, die am 1. Januar 1998 Realität wurde, aus Sicht der Mitgliedsunternehmen des VATM bisher als voller Erfolg. Die starke Präsenz der inzwischen mehr als 40 privaten Telefongesellschaften hat bereits zu deutlichen Preisreduzierungen geführt und dadurch den Wettbewerb im Festnetzmarkt schneller und heftiger in Bewegung gebracht, als von vielen Experten erwartet worden war.

Anders als beispielsweise bei der Liberalisierung des Mobilfunks agieren die neuen Festnetz-Anbieter in einem Markt, der zwar mit etwa 44 Millionen Telefonkunden, gemessen an den Anschlußzahlen, hochgesättigt ist. Erhebliche Marktreserven bestehen nach Ansicht des VATM jedoch hinsichtlich der Nutzungshäufigkeit und der Nutzungsdauer. Denn angesichts der zu Monopolzeiten hohen Gesprächskosten verhielten sich die deutschen Telefonkunden bisher äußerst preissensibel. Inzwischen konnten Mitgliedsunternehmen des VATM bereits spürbare Veränderungen im Telefonierverhalten der Kunden feststellen. Die Preisreduzierungen haben jetzt schon dazu geführt, daß nicht nur häufiger zum Hörer gegriffen, sondern auch länger telefoniert wird.

Als ein besonders erfreuliches Signal bewertet der VATM die Tatsache, daß das Auftreten privater Anbieter im Festnetzbereich von der Öffentlichkeit allgemein als großer Vorteil begrüßt wird und Millionen Kunden ihre Angebote seit Jahresbeginn aktiv nutzen. Heute werden tagtäglich schon mehr als zehn Millionen Gesprächsminuten über die Netze der privaten Telefongesellschaften geführt. Allerdings wäre, so der VATM, ihr Anteil weit größer, wenn die Netzkapazitäten, die die Privaten von der Deutschen Telekom benötigen, mit kürzeren Vorlaufzeiten bereitgestellt werden könnten.

Der VATM betrachtet auch die in den letzten Wochen in der Presse veröffentlichten Umfrageergebnisse als ausgesprochen ermutigend für die künftige geschäft-liche Entwicklung seiner Mitgliedsunternehmen. Wenn beispielsweise zum jetzigen Zeitpunkt bereits 30 Prozent aller Telefonkunden einen Wechsel zu einem der neuen Anbieter nicht grundsätzlich ausschlössen, sechs Prozent sogar fest dazu entschlossen seien und weitere 13 Prozent die alternativen Netze für einzelne Gespräche nutzen wollten, so übertreffe dies nach Ansicht des VATM deutlich die Prognosen im Vorfeld der Liberalisierung.

Als Grund für einen Wechsel der Telefongesellschaft steht für die Kunden heute in den allermeisten Fällen die Senkung der eigenen Kommunikationskosten an oberster Stelle. Auf der anderen Seite zeigt sich jedoch ein großer Teil der Kunden durch die Vielfalt der neuen Angebote und Tarife bisher eher verwirrt als aufgefordert, sie zu nutzen. Die Mitgliedsunternehmen des VATM messen diesem Problem ihrer potentiellen Kunden große Bedeutung zu. Die Mitglieder seien sich der Tatsache bewußt, daß die übersichtliche und für den Kunden nachvollziehbare Tarifgestaltung ein wichtiger Wettbewerbsfaktor im neuen Telekommunikationsmarkt sein werde. Langfristig würden neben dem Preisargument jedoch zunehmend auch Servicequalität und das Angebot zusätzlicher kreativer Dienstleistungen die Entscheidung der Kunden beeinflussen.

Wie die Entwicklung in den ersten 100 Tagen bestätigt, hat sich die Entscheidung des Gesetzgebers, mit dem neuen Telekommunikationsgesetz die Voraussetzungen für einen der liberalsten Telekommunikationsmärkte der Welt zu schaffen, als richtig erwiesen. Vor allem die offene Lizenzierungspolitik und die niedrigen Einstiegsbarrieren für neue Unternehmen haben dazu beigetragen, daß eine so große Anzahl privater Anbieter in den Markt eingestiegen ist. So waren die Privaten von Beginn an in der Lage, erheblichen Druck auf die Deutsche Telekom auszuüben und sie zu Reaktionen zu zwingen - zum Vorteil der Kunden.

Als zusätzlich belebendes Element betrachtet der VATM auch die internationale Gesellschafterstruktur bei vielen der neuen Telefongesellschaften. Durch das Engagement bedeutender Carrier aus Märkten, die bereits seit längerem liberalisiert sind, können wertvolle Erfahrungen in den deutschen Telekommunikationsmarkt einfließen und neue Akzente setzen.

Telekommunikationsmarkt einfließen und neue Akzente setzen. Leicht getrübt wird die alles in allem positive Bilanz der ersten 100 Tage im liberalisierten Telekommunikationsmarkt durch die nach Ansicht des VATM sehr hohen Forderungen der Deutschen Telekom für Leistungen, die sie aufgrund des Telekommunikationsgesetzes für die neuen Mitbewerber zu erbringen hat.

Es geht in diesem Zusammenhang zum einen um die Gebühren, die die Deutsche Telekom in Rechnung stellt, wenn Kunden fest zu einer anderen Telefongesellschaft wechseln wollen, zum anderen um die Kosten für den Zugang zu den Teilnehmeranschlüssen. Durch die Intervention der Regulierungsbehörde sei in beiden Fällen zwar eine Reduzierung der ursprünglichen Telekom-Forderungen erreicht worden. Die zur Zeit gültigen Beträge ständen jedoch noch unter Vorbehalt, da die Telekom bezüglich der Interconnection-Gebühren und der Teilnehmeranschlußleitungen gegen die Festlegung der Regulierungsbehörde Klage eingereicht habe.

Bereits in den ersten Wochen nach dem Start in den liberalisierten Markt sieht der VATM sich in der Auffassung bestätigt, daß die privaten Telefongesellschaften ihre Interessen gegenüber dem Ex- Monopolisten wie gegenüber der Regulierungsbehörde nur dann wirksam vertreten können, wenn sie mit einer Stimme sprechen. Darum sei die Fusion der beiden im Bereich der Telekommunikation agierenden, aber bis Jahresende 1997 getrennt operierenden Verbände VAT und VTM richtig gewesen. Wichtigstes Ziel des VATM sei es, faire Wettbewerbsbedingungen in allen Bereichen der Telekommunikation herzustellen und so für eine optimale Geschäftsgrundlage seiner Mitgliedsunternehmen zu sorgen.

Gegenwärtig vertritt der VATM 34 Telekommunikationsunternehmen, die zusammen einen Umsatz von mehr als 12 Milliarden Mark repräsentieren. Allein bei den Mitgliedern des VATM und ihren Tochterunternehmen wurden bis jetzt etwa 25.000 Arbeitsplätze geschaffen, eine Größenordnung, die angesichts der erwarteten dynamischen Entwicklung schnell weiter steigen wird.

Ausgehend von den Erfahrungen in den ersten 100 Tagen, erwartet der VATM, daß über die Netze seiner Mitgliedsunternehmen, in deren Reihen sich alle bedeutenden Wettbewerber der Deutschen Telekom AG befinden, bis Mitte 1998 fünf Prozent der Gespräche im Festnetz abgewickelt werden. 

Kontakt

Corinna Keim
Leiterin Kommunikation und Presse
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E-Mail: ck(at)vatm.de