Pressemitteilungen

06.10.1998

AOST und VATM

Grenzüberschreitende Kommunikation

Die französische Association des Opérateurs des Services de Télécommunications (AOST) und der deutsche Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM) haben am 6. Oktober auf einer gemeinsamen Veranstaltung in Brüssel Möglichkeiten und Ziele einer koordinierten Vertretung der Interessen ihrer Mitgliedsunternehmen auf europäischer Ebene ausgelotet. Die AOST vertritt 12 private Telekommunikationsunternehmen, dem VATM haben sich bisher 40 Telefongesellschaften angeschlossen.

Die Telekommunikationsmärkte in Frankreich und Deutschland sind durch eine sehr weitreichende Liberalisierung geprägt und weisen ähnliche Strukturen auf. Beide verzeichnen seit Jahresbeginn 1998 eine positive Entwicklung. Motor des neuen Wettbewerbs ist in beiden Ländern die Existenz privater Telefongesellschaften, die auf der Grundlage eigener oder gemieteter Netze Telekommunikations- und Mehrwertdienste anbieten ­ im Wettbewerb mit den bisherigen Monopolunternehmen. Sowohl in Frankreich als auch in Deutschland sind diese unter Handlungs-Druck geraten. Denn in den ersten zehn   Monaten seit der Liberalisierung konnten die neuen Anbieter in Deutschland schon Marktanteile in Höhe von zehn  Prozent gewinnen. In Frankreich eroberten die Privaten seit Jahresbeginn einen Anteil von  etwa drei Prozent.

Wie sich gezeigt hat, weist nicht nur die Marktentwicklung Gemeinsamkeiten auf. Auch die früheren Alleinanbieter France Télécom und Deutsche Telekom gleichen sich in ihren Reaktionen auf die neue Situation sowie in ihren Verhaltensweisen gegenüber den Wettbewerbern. In beiden Fällen steht das Bemühen im Vordergrund, die zu Monopolzeiten erworbenen Besitzstände zu verteidigen und in wichtigen Marktsegmenten den Einzug von echtem Wettbewerb zumindest zu verzögern.
Exemplarisch etwa sind zu hohe, nicht genehmigungsfähige Forderungen für den Zugang zu den Teilnehmeranschlüssen oder überlange Lieferzeiten für die Bereitstellung von Kapazitäten bei Netzzusammenschaltung. Während in Deutschland aktuell die Diskussion um Netzinfrastruktur und Anzahl der Interconnection-Punkte geführt wird, kämpfen die privaten Anbieter in Frankreich zur Zeit vorrangig um den Zugang zu den Diensten - beispielsweise zu den Servicenummern - des bisherigen Alleinanbieters.

Die Vorbereitungsarbeiten für das Treffen vom 6. Oktober und die an diesem Tag geführten Gespräche haben AOST erkennen lassen, daß die Aufnahmemöglichkeiten des deutschen Marktes günstiger sind als in Frankreich aufgrund einiger Regulierungsfragen wie beispielsweise Entbündelung der Hauptanschlußleitung, Übertragbarkeit der Rufnummern oder Universalbetrieb (SUO). Die AOST beabsichtigt daher, die französischen Regulierungsbehörden auf diese Unterscheide aufmerksam zu machen, damit die französischen Gesellschaften die gleichen Möglichkeiten erhalten können.

Der VATM ist davon überzeugt, daß in Deutschland auch unter der neuen Regierung die liberale Regulierungspolitik im Telekommunikationsmarkt weiterhin Gültigkeit behält.

Viele der zwischen Ex-Monopolisten und neuen Marktteilnehmern bestehenden Probleme bedürfen nationaler Lösungen, andere werden auf europäischer Ebene entschieden. Zur Zeit verlaufen die Entwicklungen in den einzelnen Ländern parallel; noch gibt es keinen europäischen Telekommunikationsmarkt. Grenzüberschreitende Kontaktpflege und Erfahrungsaustausch erleichtern jedoch auch Problemlösungen im eigenen Lande. Gemeinsames Auftreten und koordinierte Argumentation gegenüber den EG-Behörden werden den Wettbewerb in allen europäischen Märkten fördern. AOST und VATM sind darum überzeugt, durch ihre Kooperation einen Beitrag zum Entstehen eines gemeinsamen europäischen Telekommunikationsmarktes leisten zu können.

Kontakt

Corinna Keim
Leiterin Kommunikation und Presse
Tel.: +49 221 376 77-23
E-Mail: ck(at)vatm.de