Pressemitteilungen

23.11.1998

Wettbewerb darf nicht unmöglich werden!

Statement von Helmut Winkelmann, Mitglied des Präsidiums des VATM, Geschäftsführer der VEW TELNET, Dortmund, zur anstehenden Entscheidung über die Höhe des monatlichen Entgeltes für den Teilnehmeranschluß


Bundesweit sind bis heute von allen 40 VATM-Mitgliedern aus dem Bereich Telekommunikation und Mehrwertdienste 23.000 neue, qualifizierte Arbeitsplätze geschaffen worden. Darüber hinaus hän-gen noch einmal circa 15.000 Arbeitsplätze von dieser Branche ab: in der Bauindustrie, bei Systemlieferanten, bei Call- und Service-Centern. Die Telekommunikationsinvestitionen betragen bisher 28 Milliarden Mark für Übertragungs und Vermittlungstechnologie sowie Mehrwertdienste.
Diese nachweisbaren Erfolge werden zunichte gemacht, wenn der von der DTAG gestellte Antrag auf 47,26 Mark Monatsmiete für den Teilnehmeranschluß bei der Regulierungsbehörde Gehör findet. Um-fangreiche Berechnungen der Citycarrier isis und NetCologne belegen, daß der monatliche Preis für die Überlassung der Kupferdoppelader bei deutlich unter 20 Mark liegen muß. Zugrunde gelegt wurden die Kosten zwischen 5,15 Mark in einem dichtbesiedelten Stadtgebiet und 16,12 Mark in einem ländlichen Gebiet. Wenn man zudem bedenkt, daß die DTAG ihren eigenen Kunden eine monatliche Grundgebühr von nur 21.39 Mark berechnet,  sind die von den privaten Telefongesellschaften geforderten 47,26 Mark ein Witz. Da wird versucht, auch politisch gewünschten Wettbewerb durch die Hintertür unmöglich zu machen.
Ein dauerhafter Wettbewerb wird sich im Markt für Festnetzkommunikation nur herstellen lassen, wenn die neuen Carrier durch innovative Angebote eine direkte Beziehung zum Endkunden aufbauen können. Hierzu ist der Zugang zum physikalischen Kundenanschluß im Ortsbereich unabdingbare Voraussetzung. Daher ist die Forderung nach Zugang zum entbündelten Teilnehmeranschluß zu einem marktge-rechten Preis gleichzusetzen mit der Forderung nach einem gewünschten und von der Politik zugesicherten fairen Wettbewerb im liberalisierten Telekommunikationsmarkt. Es kann nicht angehen, daß von den neuen Telefonanbietern aus wirtschaftlichen Gründen gefordert wird, eine eigene Infrastruktur dort aufzubauen, wo schon eine vorhanden ist. Aus volkswirtschaftlicher Sicht wäre es absurd, doppelte Kabelwege zu legen, nur weil sich das eher rechnen würde als bestehende Zuwege zu nicht marktgerechten Preisen zu erwerben.
Wettbewerb muß da stattfinden, wo er hingehört, nämlich auf die Ebene des Diensteportfolios und der Mehrwertes. Wettbewerb gehört nicht in erster Linie auf die Ebene des Kabels.
Wenn die Preisvorstellungen der DTAG auch nur annähernd Geltung finden würden, hätte das verhee-rende Auswirkungen zur Folge. Der Return of Investment würde sich dramatisch verlängern, der An-schluß von Privatkunden wäre nicht mehr rentabel. Die Qualität der Dienstleistungen würde abnehmen, der Kapitalbedarf für Investitionen würde steigen. Last but not least Würde die Ausbaugeschwindigkeit der Netzinfrastruktur drastisch sinken. Ergebnis wäre der Rückzug zahlreicher Telefonanbieter aus dem Wettbewerb. Zudem ist zu bedenken, daß der liberalisierte deutsche Telekommunikationsmarkt schon heute nicht nur von deutschen Unternehmen bestimmt wird. Es ist ein globaler Markt, der internationales Investitionskapital an-zieht. Dieser Trend wird sich unter fairen Marktbedingungen noch verstärken. Diese erfreuliche Ent-wicklung würde zurückgeschraubt, wenn ein marktbeherrschendes Unternehmen einseitig mittelregulatorischer Maßnahmen gefördert würde.

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