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23.11.1998

VATM-Präsident Hans-Peter Kohlhammer: "Kritiker des Telekommunikationsgesetzes gehen bewußt an den Realitäten vorbei"

Auf regulatorischer und politischer Ebene werden zur Zeit wichtige Weichen für die weitere Entwicklung des Telekommunikationsmarktes in Deutschland gestellt. Dabei ist nach Auffassung des Verbandes der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM) die Gefahr nicht auszuschließen, daß auch ohne eine Änderung des Telekommunikationsgesetzes  (TKG) versucht wird, die Regulierungspolitik in eine völlig andere Richtung zu drängen. An die Stelle einer konsequent asymmetrischen Regulierung dem marktbeherrschenden Unternehmen gegenüber, soll offensichtlich mit Rücksicht auf einen möglichst hohen Börsenwert des Bundesanteils die DTAG geschont werden. Um die Notwendigkeit "korrigierender" Maßnahmen zu untermauern, werden von interessierter Seite Argumente ins Feld geführt, die an den Realitäten bewußt vorbeigehen.
VATM-Präsident Dr. Hans-Peter Kohlhammer hat sich mit den vier Hauptthesen der Kritiker der Liberalisierung auseinandergesetzt:

These I:

"Wettbewerb erfolgt heute nur über den Preis und vernachlässigt
so den Ausbau der Netzinfrastruktur."

Die Fakten:

Von den Wettbewerbern der DTAG werden Milliarden Mark einerseits in Kabel, vor allem aber in Hardware investiert, die aus Glasfaser oder Kupfer erst Übertragungswege für die Telekommunikation macht.
Blanke Glasfaserleitungen liegen nicht nur auf Überlandleitungen, neben Gasrohren und Bahntrassen. Sie werden seit Jahren bei fast allen Straßenbaumaßnahmen kostengünstig mit vergraben. Neuerdings werden sie dank Siemens-Technik preisgünstig direkt in Straßen eingefräst, und Roboter ziehen Glasfaser sogar in Abwasserkanäle. Die technisch damit erreichbaren Kapazitäten liegen sowohl in den Städten als auch entlang der überregionalen TK-Rennstrecken deutlich über der derzeitigen Nachfrage und werden gleichwohl weiter ausgebaut. Ein Infrastrukturdefizit ist bei diesen lizenzfrei verlegten Kabeln nicht zu befürchten.
Auf der nächsten Ebene wird mittels Übertragungstechnik sozusagen Licht in das "dark fiber" gebracht. Aus dark fiber wird eine TK-Leitung. Lizenznehmer der Klasse 3, die bundesweit agieren, wie beispielsweise Arcor, Otelo, Worldcom, Viatel, Hermes, Teleglobe, Bayernwerk Netcom und Colt sowie diverse regional tätige Gesellschaften wie Tesion, VEW Telnet produzieren im Wettbewerb zueinander aus dem Rohstoff Kabel Bandbreite, die dem eigenen Unternehmen und/oder anderen Netzbetreibern zur Verfügung gestellt wird. Dies geschieht ebenso in fast allen Großstädten, wo Unternehmen wie NetCologne, ISIS, M-net, HanseNet und viele andere vertreten sind.
Die verfügbaren Bandbreiten wachsen mit extrem hoher Geschwindigkeit. Die Unternehmen investieren aus eigenen betrieblichen Interessen in die modernste Technik, um vorhandene Ressourcen bestmöglich zu nutzen und Kosten zu minimieren. So kann zukünftig mittels der Übertragung von Spektralfarben statt einfarbigen Lichtes die Kapazität einer Glasfaser um den Faktor 16 gesteigert werden. ADSL-Technik bringt 8 MBit auf den bis vor kurzem noch totgesagten Kupferdraht.
In diesem zukunftsträchtigen High-Tech-Bereich müssen wir führend bleiben. Hier sind unsere Zukunftschancen und hier muß sinnvoll investiert werden. Politisch motivierte Investitionsauflagen in bestimmte Infrastrukture, beispielsweise technisch nicht erforderliche Leitungen oder Vermittlungstechnik, hätten höhere Kosten aller Wettbewerber und höhere Preise für die Kunden ohne jeglichen Vorteil zur Folge. Auf der nächsten Wertschöpfungsstufe investieren weit über 100 Lizenznehmer der Klasse 4 in Vermittlungstechnik, in Switche und Router und bieten Sprach- oder lizenzfreien Datenverkehr an. Hier wären z.B. das Deutsche Forschungsnetz, die Stadtnetzbetreiber, T-Online zu nennen, aber auch die vielen, mehrere Wertschöpfungsstufen abdeckenden Unternehmen wie Otelo, Arcor, Viag Interkom oder Tesion. Auf dieser, für die TK-Infrastruktur wichtigen Ebene, wurden allein von den Wettbewerbern bislang rund sechs Milliarden Mark investiert. Die Nachfrage nach Vermittlungsrechnern übersteigt das Angebot wesentlich. Häufig können diese Vermittlungsrechner durch die DTAG erst mit bis zu viermonatiger Verzögerung angeschlossen werden. Die vertraglich zugesagten Bereitstellungszeiten für die Einrichtung von Interconnection-Punkten durch die DTAG betragen bis zu 1 1/4 Jahren! Konkret verhandelt man zur Zeit über Dezember 1999. Trotzdem wird öffentlich behauptet, die Wettbewerber würden nicht investieren.   Allein der mit den Wettbewerbern der DTAG erzielte Umsatz bei den TK-Ausrüstern wie Siemens, Alcatel und anderen stieg im Bereich öffentlicher Netze trotz deutlich fallender Preise von 2,4 Milliarden Mark im Jahre 1997 auf 3,2 Milliarden Mark. Bereits um das Jahr 2000 werden die Zulieferer und TK-Ausrüster mehr Umsatz mit den Wettbewerbern tätigen als mit der DTAG.  Für die gesamte Zulieferindustrie entwickelt sich ein existentiell wichtiger neuer Markt, an dem Tausende Arbeitsplätze hängen.
Die Festsetzung höherer Interconnection-Preise oder die Ausgrenzung bestimmter Marktteilnehmer gingen schließlich völlig an den zukünftigen Marktbedingungen vorbei. Die Preise für Bandbreite und Übertragungsminuten Werden bei wachsendem Angebot weiter sinken. Der Markt entwickelt sich zur Zeit eindeutig von einem Anbieter- zu einem Nachfragermarkt, das heißt, der Kunde entscheidet, welcher Anbieter ihm Bandbreite oder den Transport von Gesprächsminuten am günstigsten liefert. Die Carrier werden von anderen Carriern Last auf ihr Netz nehmen und es wird,  wie im US-amerikanischen Markt,  keinerlei Rolle mehr spielen, wer die Nachfrager sind.
Nicht eine Differenzierung in Teilnehmernetz- und Verbindungsnetzbetreiber sowie Reseller, nicht die Frage, wer Minuten auf das Netz bringt, sondern wie viele Minuten jemand bringt, wird für die Frage des Preises
ausschlaggebend sein. In den USA bieten rd. 1400 Unternehmen Telefon- und Datendienste an, ohne daß dort differenziert würde. In den USA gibt es zur Zeit etwa acht bedeutende landesweite, physikalisch voneinander unterscheidbare Backbone-Netze. Auch in Deutschland werden wir mindestens vier bis sechs solcher Netze haben.
Schließlich bieten die Interconnection-Preise ein ausgezeichnetes marktwirtschaftliches Regulativ. Wer auf eigene Infrastruktur zurückgreifen kann, zahlt unter 2 Pf/Min (1,97 Pf/Min) für den Ortsnetzzugang, wer die Fernebene benötigt, mehr als 5 Pf/Min (5,14 Pf/Min). Schon heute sind Techniken für den Transport von Sprache zu Kosten von etwa 1 Pf/Min quer durch Deutschland und 2 Pf/Min rund um die Welt verfügbar. Kein Marktteilnehmer wird länger als unbedingt nötig die teuren Ferntarife der Telekom in Anspruch nehmen. Ab einer nennenswerten Kapazität wird durch den Ausbau von POI´s unmittelbar in Netzinfrastruktur investiert oder dank verstärkter Nachfrage bei alternativen Anbietern dort der Infrastrukturausbau forciert.

Das Fazit:

Auf keiner Wertschöpfungsebene droht ein Infrastukturdefizit. Trotzdem: die Telekom führt - leider mit erstaunlichem Erfolg - eine Geisterdiskussion. Spediteure werden nicht verpflichtet, Straßen zu bauen, und Automobilbauer werden nicht bestraft, wenn sie sich Komponenten von Zulieferern bauen lassen. Unnötige Markteintrittsbarrieren würden weniger Wettbewerb und höhere Preise bedeuten. Dies wäre wahrscheinlich ganz im Sinne der Telekom, aber nicht des TKG.

These II:

"Wettbewerb vernichtet Arbeitsplätze, insbesondere bei der DTAG."

Die Fakten:

Bei der Deutschen Telekom AG wurden von Ende 1993 bis 1997 insgesamt 40.000 Arbeitsplätze abgebaut. Im ersten Halbjahr 1998 waren es weitere 5.000. Die Telekom baut also seit Jahren gleichmäßig ab und zwar insbesondere im technischen Bereich.
Nicht der Druck des Wettbewerbs in Deutschland, sondern das Rationalisierungspotential des technischen Fortschritts und hier insbesondere die Digitalisierung führte zum Arbeitsplatzabbau. Dazu kommt die Überbesetzung des Verwaltungsapparates beim ehemaligen Monopolisten.
Die Anzahl der Hauptvermittlungsstellen der Telekom sinkt um 75 Prozent, die der Ortsvermittlungsstellen sogar um 95 Prozent. Reparatur- und Wartungsarbeiten benötigen demzufolge nur noch einen Bruchteil des bisherigen Arbeitsaufwandes.
Sogar die Studie zur Beschäftigungsentwicklung in der Telekommunikationsbranche, die von Prof. Dr. Johann Welsch Ende letzten Jahres im Auftrag der Deutschen Postgewerkschaft angefertigt wurde, kommt zu dem Schluß, daß nur die schnelle Einführung neuer Informations-/Kommunikationstechnologien und der schnelle Umbau des Telekommunikationsmarktes eine möglichst große Zahl von Arbeitsplätzen sichert. Das Ziel müsse daher eindeutig heißen, alle möglichen Chancen dieser neuen Technologien zu nutzen. Wer die Gefahren eines schnellen Umbaus beschreie, rette kurzfristig vielleicht einige bestehende Arbeitsplätze, bremse aber Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit unseres Wirtschaftsstandortes und vernichte zukunftssichere Arbeitsplätze, noch bevor sie überhaupt entstehen konnten.
In den letzten zwei Jahren wurden über 100.000 neue Arbeitsplätze in der Telekommunikationsbranche geschaffen, über 25.000 davon unmittelbar bei den im VATM organisierten Mitgliedern. Viele bei der Telekom ausgeschiedenen Mitarbeiter konnten dort neue Arbeit finden. Es werden darüber hinaus über 50.000 Arbeitsplätze in den nächsten zwei Jahren geplant. Die Gesamtinvestitionen betragen bisher über 20 Mrd. Mark. Wir wollen in Deutschland im Wettbewerb das beste Dienstleistungsangebot, die günstigsten Preise vor allem für innovative Dienste und Internetangebote, das größte Wettbewerbspotential und damit die meisten Arbeitsplätze hier in unserem Land.

Das Fazit:

Der rationalisierungsbedingte Arbeitsplatzabbau bei der Deutschen Telekom kann keineswegs als Begründung dafür benutzt werden, die Liberalisierung zu verlangsamen. Hierdurch könnte bei der Telekom nicht ein einziger Arbeitsplatz mittelfristig gerettet werden. Aber neue, zukunftssichere Arbeitsplätze würden vernichtet.

These III:

"Die von der Regulierungsbehörde vorläufig festgelegten Preise für die Teilnehmeranschlußleitung sind deutlich zu niedrig. Das Defizit der Telekom wird nicht berücksichtigt."

Die Fakten:

Bereits vor Jahren hatte der Vorsitzende des DVPT, Wilhelm Hübner, anhand von Telekom-Unterlagen nachgewiesen, daß sich bei der Teilnehmeranschlußleitung kein Defizit, sondern ein Gewinn errechnet. Die Regulierungsbehörde hatte ähnliches festgestellt und insbesondere das unverhältnismäßige Hineinrechnen von Gemeinkosten, die Bewertung von Abschreibungszeiträumen und Zinsbelastungseffekten gerügt. Das WIK und das Bundeskartellamt haben ebenfalls die Berechnungen der Deutschen Telekom AG nicht akzeptiert, da sie ihrer Meinung nach von einer falschen kalkulatorischen Basis ausgehen.   Die schon im ersten Antrag zu hohe Forderung für den Zugang zur Teilnehmeranschlußleitung wurde von der Deutschen Telekom AG nun im zweiten Antrag aufgrund einer Neuberechnung auf 47,26 Mark erhöht. Aber nicht die historischen, ohnehin schon zu hohen Kosten eines seit Jahrzehnten vergrabenen Netzes, sondern die theoretischen Neubaukosten müßten als Berechnungsgrundlage herangezogen werden. Eine Vorstellung, die an den Realitäten eines größtenteils abgeschriebenen und von den Teilnehmern am damaligen Monopoldienst mindestens einmal bezahlten Netzes schlicht vorbeigeht. Aber selbst die Neubaukosten lägen nach allen verfügbaren Informationen deutlich unter 20 Mark, in Ballungsräumen unter 15 Mark. Das hat der Netzausbau in den neuen Bundesländern gezeigt Darüber hinaus liegen weitere Berechnungen und aktuelle Ist-Kosten von Netzbetreibern aus Köln und anderen Ballungszentren vor.

Das Fazit:

Alle neutralen Fachleuten gehen davon aus, daß die Kosten einer effektiven Leistungserbringung gem. TKG auch im Ortsnetzbereich deutlich unter den heutigen Anschlußpreisen liegen und die Telekom tatsächlich einen Gewinn im
Anschlußnetz generiert.

These IV:

"Die Regulierungsbehörde verunsichert den Markt mit Entscheidungen, die auf wechselnden Begründungen beruhen und daher nicht berechenbar sind."

Die Fakten:

Die Regulierungsbehörde hat in den Fällen, in denen das Datenmaterial der DTAG auch nach mehrfacher Aufforderung für eine sachgerechte Entscheidung nicht ausgereicht hat, Vergleichsmärkte herangezogen. Dabei wurden unterschiedliche Vergleichsmärkte zugrunde gelegt, wenn die Entscheidungen unterschiedliche Marktsegmente betrafen. Gleiche Vergleichsmärkte oder Entscheidungsparameter wären zwar auch aus Sicht des VATM besser kalkulierbar, sind aber leider nicht sachgerecht. Wer dies politisch fordert, unterschätzt die Komplexität unterschiedlicher Marktsegmente, die für die jeweiligen Entscheidungen relevant sind.
Obwohl die Entscheidungen der RegTP häufig noch immer eher zu Gunsten der Telekom getroffen werden (z.B. Interconnect im Vergleich mit anderen Ländern: USA, F, UK) und in dem einen oder anderen Fall vertieftes Fachwissen und eine bessere Personalausstattung sicherlich zu noch intensiver erarbeiteten Ergebnissen geführt hätte, ist der VATM der Auffassung, daß die bisherige Arbeit des Präsidenten, Dieter Scheurle und seiner Mannschaft zumindest Respekt verdient. Immerhin müssen in Deutschland Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte an Regulierungserfahrung aufgeholt werden.  Wichtig in dieser Phase ist aber, daß überhaupt entschieden wird und nicht so sehr, wie richtig eine Entscheidung hinter dem Komma sein kann. Markt und Investoren brauchen Sicherheit. Politische Unabhängigkeit und klare Trennung von Eigentümerinteressen sind die Voraussetzung für weitere massive ausländische Investitionen im deutschen Telekommunikationsmarkt, wachsenden Wettbewerb und neue Arbeitsplätze.  Allein die durch öffentliche Aussagen geschürte Befürchtung, die regulatorische Zielsetzung werde geändert, blockiert derzeit Investitionen allein aus den USA und Europa in einer Größenordnung von etwa 500 Millionen Mark.

Das Fazit:

Die Arbeit der deutschen Regulierungsbehörde findet im In- und Ausland Anerkennung. Eine direkte politische Einflußnahme oder gar eine Änderung der rechtlichen Regulierungsgrundlagen bis hin zu einer Änderung des TKG würde die Investitionsbereitschaft und den gesamten TK-Markt als eine der wichtigsten Jobmaschinen in Deutschland in nicht kalkulierbarer Weise treffen.

Zusammenfassung:

Es ist dringend geboten, die Diskussionen anhand von belegbaren Fakten zu führen und nicht auf der Grundlage von eher zweifelhaften Szenarien eines Unternehmens, das mit allen Mitteln gegen den Verlust von Marktanteilen kämpft, obwohl gerade dies conditio sine qua non für den Wettbewerb ist. Das Verhalten der Telekom mag nachvollziehbar sein, es ist aber nicht akzeptabel, wenn die Liberalisierung ernstgemeint ist. Nicht die DTAG darf Maßstab von Entscheidungen sein, die den Arbeitsmarkt, den gesamten TK-Markt und den zukünftigen Wirtschaftsstandort Deutschland im Blick haben, sondern die Entscheidungen müssen unter gesamtwirtschaftlichen Perspektiven getroffen werden.

 

Der 100-Milliarden-Markt  - Strukturen des deutschen Telekommunikationsmarktes zehn Monate nach dem Start in den Wettbewerb

Statement von Gerd Eickers, Geschäftsführer des VATM

Mit Stand 30.10.1998 wurden insgesamt 291 Lizenzen für Festnetz, Sprachtelefondienst und für den Betrieb von Übertragungswegen vergeben. Weitere 167 Anträge befinden sich in Bearbeitung. Hin-ter den vergebenen Lizenzen stehen etwa 200 Unternehmen, wobei knapp die Hälfte sowohl eine Lizenz der Klasse 3 als auch eine Lizenz der Klasse 4 beantragt haben. Circa 30 Prozent sind reine Betreiber von Übertragungswegen, der Rest (20 Prozent) hat ausschließlich eine Lizenz der Klasse 4 beantragt. Von den genannten Unternehmen haben 57 bisher eine Netzzusammenschaltung mit der Deutschen Telekom AG vereinbart, 18 Unternehmen haben einen Vertrag mit der Deutschen Telekom AG über den Zugang zur Teilnehmeranschlußleitung abgeschlossen.
Die Marktanteile der Wettbewerber dürften zur Zeit zwischen vier und acht Prozent aller vermittelten Gesprächsminuten ausmachen, bezogen auf den reinen Fernverkehr beträgt der Marktanteil der Wett-bewerber zwischen zehn und 20 Prozent.
Wettbewerb hat sich auf allen Stufen entwickelt ­ in der Fernebene ebenso wie im Lokalbereich, im Bereich der Infrastruktur ebenso wie im Bereich der Dienste. Es haben sich die unterschiedlichsten Ty-pen von Anbietern herausgebildet: Unternehmen, die als Vollsortimenter Daten- und Sprachkommunikation auf der Basis eigener Infrastruktur anbieten über reine Sprachcarrier für Long-Distance und inter-nationale Gespräche bis hin zu sogenannten Carrier`s Carrier-Dienstleistern, die Backbone-Infrastruktur und den Transport von Gesprächsminuten in der Fernebene und/oder  international abwickeln.
Der Kunde hat den Wettbewerb angenommen und profitiert von deutlich geringeren Preisen für die Ge-sprächsminute. Es zeigt sich, daß der Markt durch eine hohe Preiselastizität gekennzeichnet ist: die verringerten Preise haben zu einer Erhöhung der Verkehrsvolumens von 20 Prozent geführt.
Konterkariert wird diese positive Bilanz der ersten zehn Monate Wettbewerb durch Bestrebungen der Deutschen Telekom AG sowie interessierter Kreise - nicht zuletzt im Ministerium der Finanzen - , die eine Erhöhung der von den Wettbewerbern zu zahlenden Interconnect-Preise anstreben, der Telekom eine Gebühr für die Teilnehmeranschlußleitung von deutlich über 20 Mark zugestehen wollen und ihr damit die Möglichkeit geben, die Wettbewerber mit neuen Preisstrukturen - Grundgebühren rauf, Ver-bindungsentgelte runter ­ aus dem Markt zu drängen. Bei den von der Telekom beantragten Preisen für die Teilnehmeranschlußleitung kann ein durchschnittlicher Telefonkunde, dessen Rechnungsvolumen bei circa 60 bis 70 Mark liegt, durch die Wettbewerber nicht mehr be-dient werden. Ihre Zahlungen  für die Teilnehmeranschlußleitung und die Interconnect-Entgelte an die Deutsche Telekom AG liegen dann bereits um 15 bis 20 Mark höher als die Endkundenrech-nung. Die Kosten der Wettbewerber für den Betrieb ihrer Netze, ihrer Abrechnungssysteme und ihres Vertriebs sind dabei noch gar nicht berück-sichtigt. Damit wäre in Deutschland die Möglichkeit genommen, Wettbewerb im Gesamtmassenmarkt der Telekommunikation zu realisieren. Private Anbieter könnten lediglich als Nischenanbieter überleben.  Dies wäre angesichts der Zukunftschancen, die der Telekommunikationsmarkt bietet, katastrophal. In diesem Markt müssen sich die Deutsche Telekom und die Wettbewerber darauf einstellen, daß Band-breite in Zukunft pro Jahr um circa 40 Prozent günstiger wird. In diesem Markt brauchen wir keine Dis-kussion um erhöhte Interconnect-Gebühren, sondern ein klares Zeichen dafür, daß wir zum Ende des nächsten Jahres, wenn die genehmigten Entgelte auslaufen, mit einer deutlichen Verringerung der Interconnect-Gebühren rechnen können. Gleichzeitig brauchen wir einen Preis für die Teilnehmeran-schlußleitung, der deutlich unter 20 Mark liegt und damit auch auf Ortsebene ei-nen Wettbewerb um den Privatkunden möglich macht. Die sehr ausführlichen Stellungnahmen der Wettbewerber bei der Anhörung zur Teilnehmeranschlußleitung zeigen, daß dies die Kosten der Telekom mit Sicherheit decken würde und damit dem Telekommunikationsgesetz Rechnung trägt.
Wir brauchen einen starken Wettbewerb in der Telekommunikation, weil nur der Wettbewerb für Innova-tionen und den notwendigen Druck auf die Kosten sorgt. Wenn wir international wettbewerbsfähig sein wollen, dürfen wir nicht die Interessen eines einzelnen Unternehmens über die Interessen der ganzen Industrie stellen, auch wenn es sich dabei um ein zum größten Teil im staatlichen Besitz befindliches Unternehmen handelt.

Kontakt

Corinna Keim
Leiterin Kommunikation und Presse
Tel.: +49 221 376 77-23
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