Pressemitteilungen

24.11.1998

Der 100-Milliarden-Markt - Strukturen des deutschen Telekommunikationsmarktes zehn Monate nach dem Start in den Wettbewerb

Statement von Gerd Eickers, Geschäftsführer des VATM

Mit Stand 30.10.1998 wurden insgesamt 291 Lizenzen für Festnetz, Sprachtelefondienst und für den Betrieb von Übertragungswegen vergeben. Weitere 167 Anträge befinden sich in Bearbeitung. Hin-ter den vergebenen Lizenzen stehen etwa 200 Unternehmen, wobei knapp die Hälfte sowohl eine Lizenz der Klasse 3 als auch eine Lizenz der Klasse 4 beantragt haben. Circa 30 Prozent sind reine Betreiber von Übertragungswegen, der Rest (20 Prozent) hat ausschließlich eine Lizenz der Klasse 4 beantragt. Von den genannten Unternehmen haben 57 bisher eine Netzzusammenschaltung mit der Deutschen Telekom AG vereinbart, 18 Unternehmen haben einen Vertrag mit der Deutschen Telekom AG über den Zugang zur Teilnehmeranschlußleitung abgeschlossen.
Die Marktanteile der Wettbewerber dürften zur Zeit zwischen vier und acht Prozent aller vermittelten Gesprächsminuten ausmachen, bezogen auf den reinen Fernverkehr beträgt der Marktanteil der Wett-bewerber zwischen zehn und 20 Prozent. Wettbewerb hat sich auf allen Stufen entwickelt ­ in der Fernebene ebenso wie im Lokalbereich, im Bereich der Infrastruktur ebenso wie im Bereich der Dienste. Es haben sich die unterschiedlichsten Ty-pen von Anbietern herausgebildet: Unternehmen, die als Vollsortimenter Daten- und Sprachkommunikation auf der Basis eigener Infrastruktur anbieten über reine Sprachcarrier für Long-Distance und inter-nationale Gespräche bis hin zu sogenannten Carrier`s Carrier-Dienstleistern, die Backbone-Infrastruktur und den Transport von Gesprächsminuten in der Fernebene und/oder  international abwickeln.
Der Kunde hat den Wettbewerb angenommen und profitiert von deutlich geringeren Preisen für die Ge-sprächsminute. Es zeigt sich, daß der Markt durch eine hohe Preiselastizität gekennzeichnet ist: die verringerten Preise haben zu einer Erhöhung der Verkehrsvolumens von 20 Prozent geführt.
Konterkariert wird diese positive Bilanz der ersten zehn Monate Wettbewerb durch Bestrebungen der Deutschen Telekom AG sowie interessierter Kreise - nicht zuletzt im Ministerium der Finanzen - , die eine Erhöhung der von den Wettbewerbern zu zahlenden Interconnect-Preise anstreben, der Telekom eine Gebühr für die Teilnehmeranschlußleitung von deutlich über 20 Mark zugestehen wollen und ihr damit die Möglichkeit geben, die Wettbewerber mit neuen Preisstrukturen - Grundge-bühren rauf, Ver-bindungsentgelte runter ­ aus dem Markt zu drängen. Bei den von der Telekom beantragten Preisen für die Teilnehmeranschlußleitung kann ein durchschnittlicher Telefonkunde, dessen Rechnungsvolumen bei circa 60 bis 70 Mark liegt, durch die Wettbewerber nicht mehr be-dient werden. Ihre Zahlungen  für die Teilnehmeranschlußleitung und die Interconnect-Entgelte an die Deutsche Telekom AG liegen dann bereits um 15 bis 20 Mark höher als die Endkundenrech-nung. Die Kosten der Wettbewerber für den Betrieb ihrer Netze, ihrer Abrechnungssysteme und ihres Vertriebs sind dabei noch gar nicht berück-sichtigt. Damit wäre in Deutschland die Möglichkeit genommen, Wettbewerb im Gesamtmassenmarkt der Telekommunikation zu realisieren. Private Anbieter könnten lediglich als Nischenanbieter überleben.  Dies wäre angesichts der Zukunftschancen, die der Telekommunikationsmarkt bietet, katastrophal. In diesem Markt müssen sich die Deutsche Telekom und die Wettbewerber darauf einstellen, daß Band-breite in Zukunft pro Jahr um circa 40 Prozent günstiger wird. In diesem Markt brauchen wir keine Dis-kussion um erhöhte Interconnect-Gebühren, sondern ein klares Zeichen dafür, daß wir zum Ende des nächsten Jahres, wenn die genehmigten Entgelte auslaufen, mit einer deutlichen Verringerung der Interconnect-Gebühren rechnen können. Gleichzeitig brauchen wir einen Preis für die Teilnehmeran-schlußleitung, der deutlich unter 20 Mark liegt und damit auch auf Ortsebene ei-nen Wettbewerb um den Privatkunden möglich macht. Die sehr ausführlichen Stellungnahmen der Wettbewerber bei der Anhörung zur Teilnehmeranschlußleitung zeigen, daß dies die Kosten der Telekom mit Sicherheit decken würde und damit dem Telekommunikationsgesetz Rechnung trägt.
Wir brauchen einen starken Wettbewerb in der Telekommunikation, weil nur der Wettbewerb für Innova-tionen und den notwendigen Druck auf die Kosten sorgt. Wenn wir international wettbewerbsfähig sein wollen, dürfen wir nicht die Interessen eines einzelnen Unternehmens über die Interessen der ganzen Industrie stellen, auch wenn es sich dabei um ein zum größten Teil im staatlichen Besitz befindliches Unternehmen handelt.

Kontakt

Corinna Keim
Leiterin Kommunikation und Presse
Tel.: +49 221 376 77-23
E-Mail: ck(at)vatm.de