Pressemitteilungen

20.05.1999

Neue Telcos können aufatmen

Keine Zwangsverträge mit der Telekom

Auch kleinere Telefongesellschaften, die über nur wenige Interconnection-Punkte mit dem Netz der Deutschen Telekom AG (DTAG) verbunden sind, haben Anspruch auf Netzzusammenschaltung zu den bisher gültigen Tarifen von durchschnittlich 2,7 Pfennig pro Minute. Zu dieser Entscheidung kam die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP) in drei Verfahren, die von betroffenen Telefongesellschaften - unter ihnen die VATM-Mitglieder EconoPhone GmbH und First Telecom GmbH - angestrengt worden waren, weil die DTAG versucht hatte, sie als Reseller einzustufen und ihnen darum höhere Interconnection-Preise zu berechnen.

Die Behörde stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt, daß eine Telefongesellschaft bereits dann als Netzbetreiber einzustufen sei und damit Anspruch auf die niedrigen Zusammenschaltungspreise habe, wenn sie über drei Übertragungswege verfüge, die mit mindestens einer Vermittlungsstelle verbunden seien. Nicht durchsetzen konnte sich die DTAG auch mit ihrer Forderung nach einer Mindestverkehrsmenge von monatlich 180.000 Gesprächsminuten je Zusammenschaltungsanschluß und einer Mindestüberlassungsdauer von 24 Monaten. Insbesondere wird aber auch der sogenannte "Rein-Raus-Verkehr" am gleichen Ort der Zusammenschaltung als Interconnect-Verbindung angesehen und ist damit zu den angeordneten Zusammenschaltungs-Entgelten anzubieten.

Der Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM) begrüßt die Entscheidung der Regulierungsbehörde – auch im Interesse der Newcomer, die jetzt in den Markt starten wollen. "Wir raten allen neuen Unternehmen dringend, sich nicht mehr von der DTAG unter Druck setzen zu lassen, das wesentlich schlechtere neue Vertragsangebot zu akzeptieren," sagte Jürgen Grützner, Geschäftsführer des VATM. "Sie sollten auf keinen Fall höhere Entgelte hinnehmen, um angeblich schneller mit dem DTAG-Netz zusammengeschaltet zu werden. Alle haben Anspruch auf denselben Vertrag und können schnell eine Anordnung bei der RegTP erhalten."

Nicht nachvollziehen kann der VATM indessen, daß die RegTP der DTAG-Forderung entsprochen hat, von ihren Wettbewerbern die Bestellung eines weiteren Zusammenschaltungspunktes an einem zusätzlichen Ort zu verlangen, wenn die Auslastung der Verbindung den Schwellenwert von 48,8 Erlang (Maß für die Kapazitätsauslastung) überschreite. Trotz Beschränkung der Netzausbau-verpflichtung auf die 23 Fernvermittlungsknoten der Telekom ist die Auflage unverhältnismäßig belastend und nicht vom Telekommunikationsgesetz gedeckt. "Wir gehen davon aus, daß die betrof-fenen Unternehmen dagegen vorgehen werden," erklärte der VATM-Geschäftsführer.

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