Pressemitteilungen

22.10.1999

Der neue Coup der Deutschen Telekom AG (DTAG)

Nun auch keine Einzelverbindungsübersichten mehr für die Wettbewerber

Nachdem die DTAG erst gestern Inkasso für die Wettbewerber abgelehnt hat und damit der Kunde zukünftig gleich mehrere Telefonrechnungen bezahlen soll, treibt die DTAG es nun auf die Spitze, was Kundenfreundlichkeit angeht.

Nach einer erste Prüfung des gestern vorgelegten Vertragsangebotes steht fest, dass die DTAG auch nicht mehr bereit ist, eine Einzelverbindungsübersicht über alle von den Kunden geführten Gespräche vorzulegen.

Dies bedeutet, dass ein Kunde, der von seinem Recht, eine Einzelverbindungsübersicht zu erhalten, Gebrauch macht, zukünftig mit beliebig vielen Übersichten und Abrechnungen konfrontiert wäre. Damit würde genau das geschehen, wovor die Telekommunikations-Kundenschutz-Verordnung (TKV), die Kunden bewahren wollte: Das Recht, mehrere Telekommunikationsunternehmen in Anspruch nehmen zu können und gleichwohl nur eine übersichtliche Rechnung zu erhalten, würde zur Farce.

Der Kunde würde zukünftig Abrechnungen gleich von mehreren Unternehmen erhalten. Von Übersichtlichkeit kann dann keine Rede mehr sein, wenn dem Kunden Abrechnungen an verschiedenen Tagen im Monat ins Haus flattern, zum Teil über minimale Rechnungsbeträge. Nach den neuen Vorstellungen der DTAG soll dann der Kunde alle Beträge direkt an die verschiedenen Unternehmen überweisen und nicht mehr alles in einem Rutsch mit der Telefonrechnung bezahlen können. Genau dies sieht aber der § 15 der TKV ausdrücklich vor. Der Kunde hat danach nicht nur das Recht nur eine Rechnung zu erhalten, sondern darüber hinaus auch die Möglichkeit, alle Beträge gemeinsam wie bisher an dieses eine Unternehmen, i.d.R. die DTAG, zu überweisen.

Die Argumentation der DTAG, die Kosten für das bisherige Inkasso seien zu hoch, ist lediglich vorgeschoben, da die Wettbewerber die DTAG seit Monaten auffordern, ihre Kosten darzulegen und zu jeder Zeit Bereitschaft signalisiert haben, Zusatzkosten selbstverständlich auch zu tragen. Wie bereits mehrfach vermutet, spricht jedoch immer mehr dafür, dass in Wirklichkeit Kosten der DTAG nicht einmal in der bisher von ihr geltend gemachten Höhe bestehen und sie deshalb bis heute keinerlei Nachweis geführt hat.

Nachdem die DTAG bisher alle multilateralen Verhandlungsrunden hatte platzen lassen und bis heute nicht ein einziger Preis zur Verhandlung steht, darf man davon ausgehen, dass es der DTAG zu keinem Zeitpunkt wirklich um Verhandlungen, sondern von vornherein um Verzögerungen und Verhinderung dieses für offenes Call-by-Call unverzichtbaren Dienstes ging.

Die Mitglieder des VATM wollen ihren Kunden weiterhin offenes Call-by-Call anbieten, da es noch immer von überwiegenden Teil der Bevölkerung genutzt wird und gerade neue Kunden auf diesem Wege ohne jedes Risiko und ohne vertragliche Bindung die Qualität der Anbieter ausprobieren können.

Würden die Wettbewerber eigenes Inkasso anbieten, so wären nicht nur zusätzliche Versandkosten zu berechnen, sondern vor allem müsste die DTAG zunächst einmal bereit sein, ohne zusätzliche Kosten die Bestandsdaten der Kunden an die Unternehmen zur Abrechnung herauszugeben. Da die Rechnungsbeträge der Wettbewerber im offenen Call-by-Call zudem meist deutlich unter DM 10,- liegen, die der DTAG aber im Schnitt DM 60,- bis DM 80,- kassiert, wäre es für die Wettbewerber ungleich teurer, ein eigenes Inkassosystem aufzubauen. Damit es sich lohnt, müssten die Wettbewerber dann auch den Rechnungsbetrag der DTAG mit einziehen dürfen und die DTAG müsste dann für das entsprechende Inkasso durch die Wettbewerber bezahlen.

Kontakt

Corinna Keim
Leiterin Kommunikation und Presse
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