Pressemitteilungen

22.10.1999

Frontalangriff der Deutschen Telekom AG gegen Call-by-Call

Telekom versucht Kundenschutz auszuhebeln

Schlimmer hätte es nicht kommen können: Die mit Spannung erwarteten Verhandlungen mit der Deutschen Telekom AG (DTAG) zu den neuen Inkasso - Verträgen sind mit dem heute von der DTAG in Köln vorgelegten Angebot praktisch gescheitert, bevor sie überhaupt begonnen haben. Die DTAG hat völlig unerwartet keine neuen Entgelte präsentiert, sondern lehnt zukünftig Inkasso schlichtweg vollständig ab.

Das bedeutet, der Kunde wird zukünftig zwar noch eine Rechnung von der DTAG erhalten, auf der dann weiterhin z. B. vier oder fünf andere Wettbewerbsunternehmen mit Beträgen von einigen D-Mark aufgelistet sind. Der Kunde soll dann aber jeden einzelnen Betrag an die Wettbewerbsunternehmen selbst überweisen und nicht mehr wie bisher einheitlich und kundenfreundlich an die DTAG.

Der Hintergrund: § 15 der Telekommunikations-Kundenschutz-Verordnung (TKV) sollte den Kunden, der auch andere Wettbewerbsunternehmen in Anspruch nimmt, davor bewahren, eine Vielzahl von Rechnungen zu erhalten bzw. eine Vielzahl von Rechnungen bezahlen zu müssen, zumal diese in der Praxis bei Privatkunden oft nur wenige D-Mark betragen. Mehr Wettbewerb sollte nicht mehr Aufwand für die Kunden bedeuten. Mehraufwand der DTAG sollten die Wettbewerber tragen.

Dieses Verständnis lag auch der bisherigen vertraglichen Regelung mit der DTAG zu Grunde, bis die DTAG auch diese freiwillige Vereinbarung mit den Wettbewerbern aufgekündigt hat. Die Verträge sollten zunächst am 30. September 1999 auslaufen und sollen dies nun zum 31. März nächsten Jahres.

Danach sollen die Kunden nach Vorstellung der DTAG jeden kleinen Rechnungsbetrag einzeln an die Wettbewerbsunternehmen bezahlen, sprich überweisen müssen, obwohl § 15 ausdrücklich anordnet: "Die Zahlung an den Rechnungsersteller hat befreiende Wirkung auch gegenüber anderen auf der Rechnung aufgeführten Anbietern." Die Verordnung sieht damit sogar ausdrücklich das Recht des Kunden vor, alle Rechnungsbeträge weiterhin allein an die DTAG zu bezahlen.

Die Argumentation der DTAG, Inkasso sei zu teuer, insbesondere Mahnverfahren und Beitreibung, falls ein Kunde nicht bezahlt, ist fadenscheinig, da sie gemäß der noch gültigen Verträge das wirkliche Inkasso oder entsprechende Mahnverfahren an das betroffene Wettbewerbsunternehmen abgeben kann. Sie trägt keinerlei Ausfallrisiko wie sonst beim Inkasso und wenn sie freiwillig tätig wurde kassierte sie bis zu 90% vom Rechnungsbetrag der Wettbewerber als "Aufwandsentschädigung".

Wieder einmal wird den Wettbewerbern nichts anderes übrig bleiben, als die Regulierungsbehörde anzurufen und die DTAG so zu einem vernünftigen und kundenfreundlichen Verhalten zu zwingen. 

Kontakt

Corinna Keim
Leiterin Kommunikation und Presse
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