Pressemitteilungen

18.11.1999

Börnsen beschreitet den falschen Weg

Der Vizepräsident der RegTP Arne Börnsen beschreitet nach Auffassung der im VATM organisierten Wettbewerber mit seiner Forderung, dem Ex-Monopolisten Deutsche Telekom AG (DTAG) mehr Freiheiten im Markt zu gewähren, eindeutig den falschen Weg. Gegenüber der Presse hatte Börnsen erklärt, die Regulierung könne zurückgefahren, gar eine Auflösung der Regulierungsbehörde erwogen werden, da sich der Wettbewerb schnell entwickelt habe. "Der Vizepräsident der Regulierungsbehörde verkennt, dass sich der Wettbewerb gerade nur auf Grund der gesetzlich vorgesehenen Regulierung des noch heute marktbeherrschenden Unternehmens so weit entwickeln konnte. Zu Recht hat dagegen der Präsident der Regulierungsbehörde, Klaus-Dieter Scheurle, darauf hingewiesen, dass heute noch nicht von einem selbst tragenden Wettbewerb gesprochen werden könne," erklärt Jürgen Grützner, Geschäftsführer des VATM.

Nachdrücklich weist Grützner auf die grade heute veröffentlichten neuen Marktdaten aus einer Unternehmensbefragung des Verbandes hin. Sie belegen, dass noch über 98 % der für eine dauerhafte Kundenbindung wichtigen direkten Kundenanschlüsse noch immer zur DTAG gehören. Im Festnetzbereich wird der Umsatzanteil der DTAG Ende des Jahres noch bei über 80% liegen. "Wer hier allein auf die scheinbar hohen Marktanteile der Wettbewerber im Fern- und Auslandsverkehr mit rund 35% abstellt, der ignoriert ganz bewusst, dass gerade in diesem Bereich trotz aller Anstrengungen der Unternehmen eine erheblich geringere Kundenbindung vorhanden ist. Der Markt reagiert in diesem Bereich sehr sensibel auf jeden Versuch von Preisdumping oder andere wettbewerbsbehindernden Maßnahmen der DTAG. Schon mit den vorhandenen rechtlichen Instrumentarien ist die Regulierungsbehörde bei der Genehmigung der Endkundentarife der DTAG heute kaum noch in der Lage, den Wettbewerb effektiv vor Dumpingpreisen des marktbeherrschenden Unternehmens zu schützen. Sie musste hier mehrfach die Notbremse ziehen und Tarifmodelle der DTAG ablehnen.

"Wir befürchten, dass der Wettbewerb im nächsten Jahr noch deutlich stärker unter den Druck der Telekom gerät. In dieser, für den gesamten Telekommunikationsmarkt höchst kritischen Situation sogar die bisherigen, kaum ausreichenden Regulierungsmechanismen in Frage zu stellen, ist mit den Zielen des Telekommunikationsgesetzes, den Wettbewerb im TK-Markt nachhaltig zu fördern, nicht mehr in Einklang zu bringen," so Jürgen Grützner.

Die internationale Positionierung der DTAG und gescheiterte Fusionspläne des Unternehmens dürften keinesfalls dazu führen, dass der Wettbewerb zugunsten der DTAG gefährdet werde. Die Begründung des Vizepräsidenten der Regulierungsbehörde, der wachsende internationale Konkurrenzdruck zwinge dazu, die nationale Regulierung zu überdenken, belegt, dass völlig unabhängig von der tatsächlichen Wettbewerbssituation im deutschen Markt, die Marktchancen eines Unternehmens zu Lasten anderer verbessert werden sollen. Der DTAG die Möglichkeit zu geben, sich freier im deutschen Telekommunikationsmarkt zu bewegen, kommt der Erlaubnis gleich, ihre Marktmacht weiter auszubauen und die Marktchancen für junge Unternehmen mit neuen Arbeitsplätzen weiter zu verschlechtern. 

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