Pressemitteilungen

18.11.1999

Dialog Consult und VATM veröffentlichen erste gemeinsame Marktanalyse zur Telekommunikation

Gemeinsam mit der Unternehmensberatung Dialog Consult GmbH, Ratingen/Stuttgart, hat der Verband der Anbieter für Telekommunikations- und Mehrwertdienste (VATM), Köln, die Auswertung der ersten Unternehmensbefragung aus dem Spätsommer diesen Jahres abgeschlossen.

Das Datenmaterial zeigt, daß trotz stark gesunkener Preise der Gesamtumsatz im Telekommunikationsmarkt gesteigert werden konnte. Der Anteil der neuen Carrier am Gesamtumsatz für Telekommunikationsdienstleistungen wird 1999 inklusive Mobilfunk auf fast 30 Prozent (24,8 Mrd. DM von 84 Mrd. DM gesamt) anwachsen. Im Fernbereich, die Verbindungen ins Ausland und in die Mobilfunknetze mit eingerechnet, erreichen die Wettbewerber eine mengenbezogenen Marktanteil von gut 35 Prozent. Im Festnetz wird der Umsatzanteil der neuen Carrier in Deutschland voraussichtlich bis Ende des Jahres 17,5 Prozent betragen.

„Die Unternehmensbefragung belegt, daß die direkte Kundenbindung mittels Call-by-Call mit Anmeldung, Preselection oder Komplettanschluß gegenüber dem offenen Call-by-Call an Bedeutung zugenommen hat“, erklärt Prof. Torsten J. Gerpott, Gründungsgesellschafter der DIALOG CONSULT. 90.000 Kunden werden voraussichtlich Ende des Jahres vollständig zu einem der neuen Anbieter gewechselt haben. Trotz aller Anstrengungen bedeutet dies, daß noch immer 98 Prozent aller Kunden ihren Teilnehmeranschluß bei der DTAG haben.

Diese Zahlen belegen, daß die Liberalisierung des Marktes im Bereich der Fernnetze sehr erfolgreich war. Sie zeigen zugleich aber auch, daß im Bereich der Ortsnetze ein erheblicher Nachholbedarf existiert. Hier werden gegenwärtig vor allem die City-Carrier benachteiligt.

Der Anhang enthält das maßgeblich von Dialog Consult aufbereitete Datenmaterial, das auf der Unternehmensbefragung des VATM basiert und die Entwicklung des Gesamtmarktes widerspiegelt.

Weitere Informationen sowie das graphisch aufbereitete Datenmaterial der Unternehmensbefragung sind auf den Internetseiten www.dialog-consult.com sowie www.vatm.de abrufbar. Ergebnisse der fortlaufenden Datenerhebung werden zukünftig halbjährlich veröffentlicht.

Anhang zur Pressemitteilung 24/99 vom 18. November 1999

Die nachfolgenden Erläuterungen beziehen sich auf die beigefügten Grafiken entsprechend der nummerierten Abbildungen:

Steigender Gesamtumsatz für Telekommunikationsdienste trotz rückläufiger Preise

Insgesamt wird der Umsatz im Jahr 1998 von 79,5 Mrd. DM auf 84 Mrd. DM 1999 ansteigen (Abb. 1). Dies entspricht einem Umsatzplus von 5,7 Prozent. Der Anteil der Wettbewerber hat sich von 15,3 Mrd. DM auf 24,8 Mrd. DM erhöht. Den Mobilfunk eingeschlossen wird der Anteil der neuen Carrier am Gesamtumsatz Ende des Jahres 29,5 Prozent betragen. Den größten Anteil machen die Mobilfunkdienste mit 71,8 Prozent (17,8 Mrd. DM) aus.

Der Umsatz mit Festnetzdiensten der neuen Carrier wird 7 Mrd. DM von gut 40 Mrd. DM insgesamt betragen (Abb. 2). Die neuen Wettbewerber werden dabei auf einen umsatzbezogenen Marktanteil im Festnetz von 17,5 Prozent kommen.

Unterschiedliche Wettbewerbsintensität im Fern- und Ortsnetzen

Von 1998 bis Juni 1999 verzeichnen die Gesprächsminuten eine monatliche Steigerung um 12,7 Prozent von 23,7 Mio. Minuten/Tag auf 99,1 Mio. Minuten/Tag. Von insgesamt 272 Mio. Min./Tag im Fernbereich (Verbindungsminuten ohne Ortsverbindungen) erreichen die Wettbewerber somit einen Marktanteil von 36,4 Prozent, die Verbindungen ins Ausland und in die Mobilfunknetze mit eingerechnet. Auf die täglichen Verbindungsminuten insgesamt bezogen erreichen die Wettbewerber einen Marktanteil von 16,3 Prozent (101 Mio. Min./Tag von gesamt 520 Mio. Min./Tag) (Abb.2). Von 101 Mio. täglichen Gesprächsminuten der neuen Carrier werden voraussichtlich allein 99 Mio. Min./Tag im Fernbereich abgewickelt werden. Das bedeutet, daß weniger als 2 Prozent des Marktanteils im Ortsnetz auf die neuen Carrier entfallen.

Kundenbindung wächst

Der Anteil des Call-by-Call beträgt 32 Prozent des Gesprächsaufkommens der neuen Carrier (Abb. 3). Die Angebote mit stärkerer Kundenbindung haben erheblich an Bedeutung gewonnen. So macht Call-by-Call mit Voranmeldung heute schon über die Hälfte des Call-by-Call Geschäfts aus. Der Preselection-Anteil ist im letzten Jahr von 9,1 Mio. Min./Tag auf 60,7 Mio. Min./Tag gestiegen. Dabei generieren 14 Prozent der Kunden über 65 Prozent des Gesprächsaufkommens (Abb. 4). Die Gesprächsminuten direkt angeschlossener Kunden belaufen sich auf einen Anteil von 6,3 Mio. Min./Tag bei einem nur wenig veränderten Anteil von 6,4 Prozent (Abb. 3). Die Gesamtzahl der Kunden, die sich fest für einen neuen Anbieter entschieden haben, wird sich bis Ende 1999 auf über 700.000 erhöhen (Abb. 5). Die direkt angeschlossenen Kunden werden Ende des Jahres die Zahl von 90.000 erreichen. Insgesamt hat sich Zahl der Kunden innerhalb eines Jahres mehr als versechsfacht. Dabei bleibt der Anteil der Preselection-Kunden (87 Prozent) und der Kunden mit Komplettanschluß (13 Prozent) nahezu unverändert.

Beschäftigungswachstum setzt sich fort

Die Zahl der Beschäftigten bei den neuen Carriern wird bis zum Ende des Jahres bei über 50.000 liegen. Das monatliche Wachstum des vorangegangenen Jahres (Juni 1998 bis Juni 1999) von 2,6 Prozent pro Monat wird sich somit in der zweiten Hälfte des Jahres 1999 fortsetzen. „Trotz aller Unkenrufe“, so Dr. Joachim Dreyer, „zeigt sich hier ganz deutlich, daß der innovative Wachstumsmarkt in Deutschland weiterhin deutliche Impulse im Beschäftigungsmarkt setzt. In der Telekommunikations- und Informationstechnik werden trotz massiver Produktivitätsfortschritte auch zukünftig in großem Umfang zukunftssichere und hochqualifizierte Arbeitsplätze entstehen. Das Beschäftigungswachstum kann aber nur fortgesetzt werden, wenn die politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen stimmen und die Unternehmen so die technologischen Standortvorteile Deutschlands nutzen können,“ erklärt der Präsident des VATM.

Resümee zieht Prof. Gerpott: „Die wachsende Anzahl von Komplettanschlüssen, d.h. der Zahl von Kunden, die vollständig von der DTAG zu einem neuen Anbieter gewechselt haben, belegen die zunehmende Akzeptanz fester Verträge zwischen Endkunden und neuen Carriern. Sie wäre wahrscheinlich noch deutlich höher, wenn die regulatorischen Rahmenbedingungen im Ortsnetz etwas günstiger wären. Der Direktanschluß macht die Wettbewerber weniger abhängig vom Dienstleistungsportfolio der DTAG und ermöglicht innovative Angebote. Die wachsende Zahl von Preselection-Kunden belegt, daß die Marktdifferenzierung auch bei Netzbetreibern und Service-Providern zunehmend über Qualität und klare Kundenorientierung erfolgt. Wenngleich das offene Call-by-Call vom Volumen deutlich rückläufig ist, so wird es doch seine Bedeutung in erster Linie für eine große Anzahl von Privatkunden behalten, welche die neue Freiheit des Wettbewerbs erstmals nutzen wollen.“

Kontakt

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