Pressemitteilungen

31.05.2000

Keine Lockerung der Regulierung im deutschen Telekommunikationsmarkt

Neue Studie des Instituts für Wirtschaft Köln widerspricht Forderungen der DTAG

Noch ist funktionsfähiger und chancengleicher Wettbewerb im deutschen Telekommunikationsmarkt nicht sichergestellt. Zu diesem Ergebnis kommt eine vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln herausgegebene Studie zur Liberalisierung in der Telekommunikation. Die wissenschaftliche Untersuchung erachtet daher die Fortführung der Regulierung in vollem Umfang für notwendig. Selbst Anbieter, die in eigene Netze und Teilnehmeranschlussleitungen investiert haben, kommen ohne Dienstleistungen der Deutschen Telekom AG (DTAG) nicht aus. Regulierung sei vor allem im Bereich der Zusammenschaltungsgebühren und der sogenannten "Letzten Meile" sowie dem gesamten Endkundenbereich weiterhin unverzichtbar.

Im Gegenzug dazu hatte die DTAG verschiedentlich gefordert, auf die aus ihrer Sicht überflüssige Doppelregulierung von Vorleistungen und Endkundenleistungen zu verzichten.
"Die Studie trägt der realen Marktlage Rechnung und bestätigt im vollen Umfang die Auffassung der Wettbewerber," erklärt Jürgen Grützner, Geschäftsführer des VATM.
"Erst wenn der Wettbewerb sich selbst trägt, d.h. ein marktbeherrschendes Unternehmen nicht mehr Bedingungen auf dem Gesamtmarkt maßgeblich beeinflussen kann, können wir eine Rücknahme der Regulierung in Erwägung ziehen. Dauerhaft funktionierender Wettbewerb ist daher unabdingbare Voraussetzung für eine Rücknahme der Regulierung."

Im Einzelnen stellt die Studie fest:

  • Besonders die Verbraucher haben von der Vielfalt der Anbieter sowie von deutlich sinkenden Preisen profitiert.
  • Die Zahl der Arbeitsplätze auf dem Telekommunikationssektor hat sich im letzten Jahr insgesamt erhöht.
  • Der Wettbewerb bei Fern- und Auslandsgesprächen ist noch nicht selbsttragend.
  • Funktionsfähiger und chancengleicher Wettbewerb als Voraussetzung für eine Rückführung der Regulierung ist noch nicht sichergestellt.
  • Im Ortsnetzbereich besteht weiterhin faktisch ein Monopol der DTAG, das durch von Wettbewerbern zu errichtenden Anschlüssen nicht abgebaut werden kann. Für die unmittelbare Zukunft ist eine flächendeckende Anwendung alternativer Zugangstechnologien ebenfalls nicht zu erwarten.
  • Von der Höhe der Preise für den Teilnehmeranschluß hängt angesichts weitgehend fehlender Alternativen die Wettbewerbsintensität im Ortsnetz ab. Aufgrund der von der Regulierungsbehörde zu hoch festgesetzten Gebühren konnten alternative Carrier im größeren Umfang nicht in diesem für den Wettbewerb zentralen Bereich Fuß fassen.
  • Die überfällige Trennung von Wettbewerbs- und Monopolmärkten im Rahmen des Price-Cap-Verfahrens würde niedrigere Preise im Ortsnetzbereich nach sich ziehen.

Kontakt

Corinna Keim
Leiterin Kommunikation und Presse
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