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24.10.2000

Quasi-Monopol im Ortsnetz blockiert günstigen Internet-Zugang

Der mangelnde Wettbewerb im Ortsnetz ist nach Auffassung des Verbandes der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM) e.V. das Haupthindernis für günstige, von der Nutzungszeit unabhängige Pauschalpreise im Internet.

"Die Einführung einer Internet-Flatrate kommt in Deutschland nicht voran," erklärt Jürgen Grützner, Geschäftsführer des VATM. "Die neuen Anbieter können bisher keine innovativen Produkte wie die Internet-Flatrate anbieten, weil die von der Deutschen Telekom AG (DTAG) für ihre Vorleistungen verlangten Preise kein kostendeckendes Geschäft mehr zulassen. Obwohl dies technisch ohne Probleme umsetzbar wäre, weigert sich die DTAG bis heute, ihren Wettbewerbern die benötigte Kapazität pauschal anzubieten."

Haupthindernis ist das de facto im Ortsnetz nach wie vor bestehende Monopol der DTAG. Wie die Marktanalyse des VATM für das Jahr 2000, die am 25. Oktober 2000 in Berlin vorgestellt wird, zeigt, hat die Deutsche Telekom auf Ortsnetzebene immer noch über 98 Prozent aller Telefonanschlüsse in der Hand. Besonders bedrohlich erscheint, daß die DTAG durch ihre marktbeherrschende Stellung im Ortsnetz nach der Sprachtelefonie nun auch ihre Position beim Internetzugang zunehmend festigt, während innovative Angebote ihrer Konkurrenten auf der Strecke bleiben.

Die DTAG muss deshalb verpflichtet werden, ihren Wettbewerbern auf Vorleistungsbasis Kapazitäten pauschal und nicht zeitabhängig anzubieten. "Wir sind zuversichtlich, daß die Regulierungsbehörde nach der heutigen Anhörung die grundlegende Bedeutung dieser Entscheidung zugunsten des Wettbewerbs auf den Telekommunikationsmärkten erkennt und die Weichen für die Internetzukunft im Sinne der Nutzer stellen wird. Nur so steht den Verbrauchern das Internet als ständig verfügbare Ressource zur Verfügung - ohne den ständig tickenden Gebührenzähler im Hinterkopf", meint Jürgen Grützner.

Zum Hintergrund:

Im Gegensatz zu den heute üblichen Tarifen, die nach Zeiteinheit (also z.B. Anzahl Minuten, die der Nutzer im Netz ist) berechnet werden, ist eine Flatrate ein Pauschaltarif insbesondere für Internetdienste, der monatlich völlig unabhängig vom Grad der Nutzung entgolten wird.

Da kaum einer der neuen Anbieter im TK-Markt über ein eigenes Ortsnetz verfügt, sind sie auf Zusammenschaltung mit dem Netz der Deutschen Telekom angewiesen. Die Leistungen, die die DTAG heute Ihren Wettbewerbern anbietet, werden aber alle zeitabhängig berechnet. Um eine Flatrate in Deutschland anzubieten, die in Konkurrenz zu den DTAG-Produkten bestehen kann, müssen alle Internetanbieter bei der DTAG Kapazitäten pauschal einkaufen können. Dabei würden die Wettbewerber diese Kapazität auf eigenes Risiko einkaufen und wieder verkaufen. Damit wären sie in der Lage, ihren Kunden eine Vielfalt unterschiedlicher, innovativer Produkte anzubieten.

Am 15.September 2000 hat die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post ein offizielles Verfahren der nachträglichen Entgeltregulierung gegen die DTAG eingeleitet. Geprüft werden die Entgelte der DTAG, die im Zusammenhang mit Verbindungen über das Telefonnetz zu Online-Diensten erhoben werden. Die mündliche Anhörung vor der Regulierungsbehörde zu diesem Thema findet am 24.Oktober 2000 statt.

Im VATM sind derzeit 54 Telekommunikationsunternehmen zusammengeschlossen.

Kontakt

Corinna Keim
Leiterin Kommunikation und Presse
Tel.: +49 221 376 77-23
E-Mail: ck(at)vatm.de