Pressemitteilungen

28.11.2000

Regulierung steht vor großen Herausforderungen

Mit großer Betroffenheit haben die im Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM) zusammengeschlossenen Unternehmen auf den Rücktritt des Präsidenten der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post, Klaus-Dieter Scheurle reagiert. "Scheurle verfolgte eine klare ordnungspolitische Zielsetzung im deutschen Telekommunikationsmarkt und hat den Wettbewerb maßgeblich vorangebracht," würdigt Dr. Joachim Dreyer, Präsident des VATM, die Arbeit des Chefregulierers. Als besonders kritisch wird der Schritt des Wegbereiters der Liberalisierung des deutschen Telekommunikationsmarktes insbesondere deshalb gesehen, weil die Deutsche Telekom AG (DTAG) seit einigen Monaten Marktanteile zurückgewinnt und zentrale Regulierungsentscheidungen Anfang nächsten Jahres bevorstehen.

Scheurle selber hatte erst vor wenigen Tagen eine noch härtere Gangart gegenüber der DTAG angekündigt. Anders sei der Zugang der Wettbewerber zum Ortsnetz nicht zu gewährleisten. Wichtige neue Technologien, wie z.B. DSL, könnten sonst nicht eingeführt werden. Im Frühjahr wird die Regulierungsbehörde neue Tarife für den Ortsnetzzugang und verbesserte technische Zugangsmöglichkeiten entscheiden. "Ausländische Investoren werden genau beobachten, ob eine starke und unabhängige Regulierungspolitik in Deutschland fortgesetzt wird, oder sich das Blatt nun zugunsten des Ex-Monopolisten wendet, dessen Hauptaktionär noch immer der Bund ist," erklärt Dreyer.

Eine Betrachtung des gesamtwirtschaftlichen Nutzens des Telekommunikationsmarktes spricht eindeutig für eine weitere konsequente Öffnung des Marktes, der mit 98% der Kundenanschlüsse noch immer fest in Telekom-Hand ist.

Dreyer: "Mit massiven Dumpingpreisen versucht die DTAG auch kleinste Marktanteilsverluste, koste es was es wolle und ohne Rücksicht auf die eigenen Aktionäre, zu verhindern. Die DTAG schreckt noch nicht einmal davor zurück, ihre eigenen Tochter durch eine ruinöse Flatrate-Politik in ein Millionendefizit zu treiben. Nach drei Jahren Liberalisierung ist der Wettbewerb in der Telekommunikation noch weit davon entfernt, selbsttragend zu sein und braucht einen starken Regulierer."

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