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28.06.2001

VATM sieht noch kein Ende des Ortsnetzmonopols

Deutsche Telekom ignoriert weiterhin die Anordnungen der Regulierungsbehörde

Glaubt man dem Versprechen der Deutschen Telekom AG, so sollen die massiven Verzögerungen bei der Bereitstellung wichtiger Netztechnik bis Ende Oktober behoben sein. Der Präsident der Regulierungsbehörde, Mathias Kurth, sah sich daraufhin veranlasst, für Ende des Jahres auch das Ende des Ortsnetzmonopols anzukündigen. Diese Einschätzung geht jedoch weit an der Realität vorbei. Bewusst wird übersehen, dass die Deutsche Telekom AG nach wie vor gegen wesentliche Anordnungen klagt, mit denen die Regulierungsbehörde versuchen wollte, die Öffnung des Ortsnetzes durchsetzen.

Aufgrund der erheblichen Rückstände bei der Auftragsbearbeitung ist es nicht nur äußerst fraglich, ob es der Deutschen Telekom AG gelingen würde, ihr Versprechen einzulösen. Die viel wichtigeren Wettbewerbsbehinderungen werden hierdurch nämlich in keiner Weise beseitigt. So hatte die RegTP Line-Sharing, also den gemeinsamen Zugang zur Teilnehmeranschlussleitung, ebenso wie Reselling, die Möglichkeit für Wettbewerber, Leistungen der Deutschen Telekom AG weiter zu verkaufen, als Schlüssel zum Wettbewerb im Ortsnetz angeordnet.

Genau diese Leistungen verweigert die Deutsche Telekom AG nach wie vor den Wettbewerbsunternehmen und rief das Verwaltungsgericht Köln an, dies allerdings ohne Erfolg. Daraufhin zog die Deutsche Telekom AG vor wenigen Tagen vor das Oberverwaltungsgericht. Aufgrund der damit verbundenen Verzögerung besteht praktisch keine Chance mehr, dass die Deutsche Telekom AG ab 1. September 2001 gemäß der Vorgabe der RegTP Line-Sharing anbieten wird. Das war jedoch gerade die Bedingung der Regulierungsbehörde, als sie im März im Gegenzug Dumpingpreise der Deutschen Telekom AG bei ihren T-DSL-Angeboten vorläufig akzeptiert hatte.

Durch die bereits bekannte Taktik der DTAG, mit Hilfe der Gerichte ihren Wettbewerbern den Zugang zu wichtigen Vorleistungen für innovative Diensteangebote zu blockieren, haben die privaten Telekommunikationsunternehmen auch in diesem Fall wieder wertvolle Zeit verloren," bedauert Jürgen Grützner, Geschäftsführer des Verbandes der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM). Die, so Grützner, habe die DTAG genutzt, um im DSL-Markt (schneller Internetzugang) mit einem geplanten Marktanteil von 100 Prozent ein neues Monopol zu schaffen. "Wenn der Regulierer nicht handelt und den T-DSL-Dumpingpreis im Markt belässt, obwohl die Deutsche Telekom AG die für den Wettbewerb wichtigen Anordnungen der RegTP schlicht ignoriert, dann werden damit auch gerade Geschäftspläne für alternative Zugangstechnologien über TV-Breitbandkabel oder WLL ausgehebelt", befürchtet der VATM-Geschäftsführer.

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