Pressemitteilungen

22.08.2001

Alternativer Ortsnetzzugang in Gefahr

Regulierungsbehörde bleibt untätig

Nach Callino und Firstmark musste jetzt auch das in Potsdam ansässige Unternehmen, die Deutsche Landtel GmbH einen Insolvenzantrag stellen. Damit erleidet die innovative breitbandige Anschlusstechnologie per Funk - Wireless Local Loop, WLL - einen herben Rückschlag.

Gerade auch außerhalb der Ballungsgebiete sollten per WLL vor allem mittelständische Unternehmen und Kunden mit hohem Datenaufkommen mit qualitativ hochwertigen breitbandigen TK-Dienstleistungen versorgt werden, die dort häufig von der Deutschen Telekom AG (DTAG) - nicht zuletzt auf Grund fehlender Konkurrenz - nicht angeboten werden. Diese z. B. in den USA oder Spanien erfolgreiche neue Technologie wurde auch vom deutschen Regulierer als wichtige Zugangstechnologie im Wettbewerb zum Ortsnetzmonopol der DTAG gepriesen. Umso unverständlicher, dass der Regulierer selbst dieser sich seit Monaten abzeichnenden Entwicklung untätig gegenüber steht und einer massiven Verzögerungspolitik der DTAG nichts entgegen setzt. Auf Grund monatelanger Wartezeiten auf notwenige Mietleitungen der DTAG wird der Aufbau alternativer Netzinfrastrukturen weiter behindert.

Dort wo die DTAG selbst breitbandige Angebote per DSL-Technik im Markt hat, erschweren Dumpingpreise, die von der Regulierungsbehörde weiter gestattet werden, den Unternehmen das Geschäft. Die Investitionen der Unternehmen in neue innovative Infrastrukturen werden hierdurch immer mehr entwertet.

Von der Regulierungsbehörde anfangs noch als Einzelfälle abgetan, hatte der VATM immer wieder eindringlich vor einer Remonopolisierung des deutschen Telekommunikationsmarktes gewarnt. "Wenn der Regulierer nicht endlich gegen die massiven Behinderungen und Verzögerungen vorgeht, vor allem aber Preisdumping schnell und effektiv verhindert, werden die Businesspläne vieler Unternehmen nicht mehr zu halten sein. Es wird nicht die erhofften Investitionen in alternative Ortsnetztechnologien geben", warnt Jürgen Grützner, Geschäftsführer des VATM.

"Betroffen von dieser Entwicklung werden daher auch die TV Breitbandkabelnetze sein, die von der Bundesregierung als neue Datenhighways und schneller Internetzugang als unverzichtbar für Bürger und Wettbewerb angesehen werden. Wenn die Regulierungsbehörde so weitermacht, entpuppt sich die deutsche Regulierung als Investorenfalle. Dringend benötigte Investitionen wurden nach Deutschland gebracht, Tausende von Arbeitsplätzen geschaffen und nun wird den jungen Unternehmen der im Gesetz vorgesehene und erforderliche Schutz vor Dumping und Missbräuchen durch das marktbeherrschende Unternehmen versagt". So ließ der Regulierer zu, dass die DTAG innerhalb weniger Monate ein neues Monopol im Markt für breitbandigen Netzzugang errichten konnte. Die Telekom will nach eigenen Planzahlen bis Ende des Jahres fast 98% des DSL-Marktes beherrschen, ohne dass der Regulierer hiergegen erfolgreich einschreitet.

Auch sauber geplante Geschäftsmodelle für alternative Netzzugangstechnologien werden von der zunehmend erfolgreichen Marktverdrängungsstrategie der DTAG betroffen sein.

"Wir sind in Deutschland gerade dabei, den Anschluss an die führenden Technologienationen zu verlieren, in denen breitbandige Funkanbindungen per Wireless Local Loop ebenso wie TV-Breitbandkabel in einem funktionierenden fairen Wettbewerb zum Telefonnetz stehen und überlassen stattdessen dem Exmonopolisten kampflos den gesamten Zukunftsmarkt für Internet und Datendienste. Wenn die Regulierungsbehörde nicht schnellstens handelt, gegen die Verzögerungs- und Behinderungsstrategie der Telekom vorgeht und Dumpingpreise konsequent verhindert, droht sich die Regulierungsbehörde selbst überflüssig zu machen" fürchtet Grützner.

Kontakt

Corinna Keim
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