Pressemitteilungen

15.11.2001

Pyrrhus-Sieg für Wettbewerb bei Mehrwertdiensten:

Regulierungsbehöde ändert Zeitrahmen für die Einführung neuer Service-Rufnummern

Auf Grund der Intervention verschiedener VATM-Mitgliedsunternehmen hat die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post die Einführung neuer Service-Dienste-Rufnummern, die ale mit 0900 beginnen sollen (Rufnummerngasse 0900) verschoben. Ursprünglich sollte die neue Mehrwertdienste-Vorwahl auf Druck der Deutschen Telekom AG zum 1. Januar 2002 eingeführt werden und die bislang genutzten Vorwahl 0190 bis Ende 2003 ersetzen. Konkret wurde seitens der Regulierungsbehörde nun folgendes festgelegt. Das Einführungsdatum für die 0900-Rufnummern ist nunmehr der 1. Januar 2003. Die bekannten 0190-Rufnummern können noch bis zum 30.April 2003 zugeteilt und bis 31. Dezember 2005 parallel genutzt werden.

Allerdings ist nur die zeitliche Verschiebung als solche ein Sieg für den Wettbewerb im Mehrwertdienste-Segment. Ansonsten verkennt die Regulierungsbehörde offensichtlich die Gefahr einer Re-Monopolisierung eines Marktes, denn: Nur die Deutsche Telekom kann derzeit die Abrechnung dieser Rufnummern aus den verschiedenen Telekommunikationsnetzen sicherstellen.

Die frühere Einführung der 0900-Rufnummern, die anders als die bislang gebräuchlichen 0190-Rufnummern im so genannten Offline-Billing-Verfahren abgerechnet werden, hätte dazu geführt, dass die Deutsche Telekom erneut einen Milliarden-Markt nahezu wettbewerbsfrei alleine bedienen kann. Beim Offline-Billing findet eine Verpreisung des Anrufs nicht während des Gesprächs statt, sondern erfolgt erst nachträglich durch die Zuordnung des hinterlegten Tarifs durch den jeweiligen Netzbetreiber.

Renatus Zilles, Geschäftsführer eines der größten Wettbewerber der Deutschen Telekom im Bereich Mehrwertdienste, der Talkline ID GmbH aus Bonn, zu der Entscheidung: "Ob durch die Entscheidung der Regulierungsbehörde tatsächlich eine diskriminierungsfreie, netzübergreifende Abrechnung bis zum jetzt festgelegten Einführungsdatum gewährleistet werden kann, werden wir eingehend prüfen. Aber für alle Telekom-Wettbewerber haben wir durch intensive Gespräche ein wichtiges Etappenziel erreicht und zwei Jahre Zeit gewonnen, in denen die mit hohem Marketing-Aufwand beworbenen 0190-Dienste weiterhin in der gewohnten Form angeboten werden können."

"Wer nach den bisherigen Erfahrungen mit der Deutschen Telekom AG immer noch auf eine Selbstregulierung des Marktes vertraut ist nicht nur blauäugig, sondern handelt grob fahrlässig", so die Einschätzung von Jürgen Grützner, Geschäftsführer des Verbandes der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten e.V. (VATM). Wenn die kurze Geschichte der Deregulierung des Telekommunikationsmarktes eines gezeigt habe, dann, dass die Deutsche Telekom AG Wettbewerb nur zulasse, wenn Sanktionen und andere Mechanismen sie hierzu zwingen, so Grützner weiter.

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