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30.04.2003

Regulierungsbehörde entscheidet über TAL-Preise

VATM: Wettbewerb wird weiterhin mit viel zu hohen Kosten belastet

Der Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM), der mehr als 40 private Telekommunikationsunternehmen repräsentiert, sieht seine Mitglieder nach der gestrigen Entscheidung der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP) weiterhin mit unangemessen hohen Kosten für die Nutzung der Teilnehmeranschlussleitung (TAL) der Telekom belastet. Deutschland fällt im europäischen Vergleich immer weiter zurück. Die sogar von der EU kritisierte Wettbewerbsverzerrung in Deutschland besteht praktisch unvermindert fort. Der Wettbewerb kann von der Deutschen Telekom AG (DTAG) nach wie vor behindert werden. Denn trotz einer leichten Absenkung der TAL-Preise von 12,48 auf 11,80 EURO monatlich werden die Wettbewerbsunternehmen auch weiterhin für das Anmieten des blanken Kabels zum Endkunden kaum weniger an die DTAG zu zahlen haben als die Kunden der Telekom für den kompletten analogen Anschluss.

In einer weiteren Entscheidung hat die RegTP festgelegt, dass Call-by-Call- und Preselection-Anbieter im Ortsnetz ab 1. Juli 2003 zunächst befristet bis 30. November 2003 mit 0,4 Cent pro Minute an den Infrastrukturkosten im Ortsnetz beteiligt werden. Entgegen dem ursprünglichen Antrag der Telekom wurde von der RegTP festgelegt, dass die Anbieter von Fernverbindungen sowie Internet- und Onlinediensten nicht von der Erhöhung betroffen sein sollen.

"Die Situation der privaten Anbieter hat sich praktisch nicht verbessert", bedauert Tomas Eilers, für diese Sparte zuständiges Präsidiumsmitglied des VATM. "Dies aber wäre gerade angesichts der Einführung von Call-by-Call im Ortsnetz ein wichtiges Signal für mehr Wettbewerb gewesen. Statt dessen hat der Regulierer leider auch diesmal alte Fehler wiederholt. Die Korrekturen sind nur kosmetisch. Substantiell hat sich nichts verändert." Eilers weist darauf hin, dass die TAL-Preise lediglich die blanke Leitung beinhalten. Denn die hohen Kosten für die gesamte Technik, Rechnungstellung und Personal müßten von den Wettbewerbsunternehmen zusätzlich getragen werden. "Die VATM-Mitglieder hätten sich gewünscht, dass der deutsche Regulierer sich seine italienischen Kollegen zum Vorbild genommen hätte. Sie hatten Ende Februar mehrere Entgelte für die privaten Anbieter um circa 60 Prozent abgesenkt und damit dem Wettbewerb einen kräftigen Schub gegeben."

Statt einer kräftigen Kostensenkung kommen hierzulande ab 1. Juli also weitere Belastungen auf die Wettbewerbsunternehmen zu, wenn Anbieter von Call-by-Call und Preselection im Ortsnetz mit einem zusätzlichen Obolus von 0,4 Cent pro Minute belastet werden. Was ursprünglich als Instrument zur Unterstützung der City-Carrier gedacht war, wird nun der Telekom Millionen in die Kasse spülen. Diese fließen nicht etwa dank deutlich sinkender TAL-Preise an die City-Carrier zurück, um dort Infrastruktur aufzubauen. Sie werden vielmehr zu Mehreinnahmen der DTAG und damit letztlich zu einem Hilfsfonds für den Ex-Monopolisten.

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Corinna Keim
Leiterin Kommunikation und Presse
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