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29.10.2003

VATM und Dialog Consult veröffentlichen fünfte gemeinsame Marktanalyse 2003

Gesamtmarkt wächst leicht - Minutenvolumen im Festnetz verliert leicht zugunsten DSL - Wettbewerber gewinnen Marktanteile im Ortsnetz

Der Gesamtmarkt für Telekommunikationsdienste in Deutschland wächst in diesem Jahr voraussichtlich um fast 5%. Im Vergleich zum Vorjahr fällt damit das Wachstum etwas höher aus und wird maßgeblich getrieben von einem hohen Wachstum bei den Mobilfunkdiensten. Der Anteil der Wettbewerber am Gesamtumsatz konnte nur noch leicht zulegen. Bei der Entwicklung des Gesprächsvolumens im Festnetz ist eine Verlagerung der Internet-Verbindungsminuten zu DSL-Datenvolumen zu verzeichnen. Hieraus erklärt sich, dass der Anteil der Telekom an Verbindungsminuten in relativen wie in absoluten Zahlen entsprechend sinkt. Im Ortsnetz konnten die Wettbewerber ihren Anteil bei den Gesprächsminuten deutlich steigern und das Monopol der Telekom im Ortsnetz, die weiterhin über 80 % der lokalen Minuten auf sich vereint, erstmals stärker angreifen.

Marktanalyse 2003

Peter Wagner, Präsident des Verbandes der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM): "Dies zeigt, dass die Bedeutung von Call-by-Call und Preselection für den Wettbewerb im Telekommunikationsmarkt weiterhin ungebrochen ist. Nach wie vor machen diese Dienste den höchsten Anteil an der Nutzung der Angebote der Wettbewerber aus und verzeichnen weiter wachsende Kundenzahlen." Gleichzeitig sind die Kundenzahlen bei Komplettanschlüssen stark angestiegen, da viele City-Carrier neben den klassischen TAL-basierten Anschlüssen zunehmend auch große Objekte wie Altenheime, Studentenwohnheime, große Liegenschaften von Wohnungsbaugesellschaften sowie komplette Neubaugebiete mit eigenen Leitungen erschlossen haben.

"Immer mehr Kunden gehen feste Vertragsbindungen beim Telefonieren ein. Dies verdeutlicht die wachsende Anzahl von Kunden im Ortsnetz nicht nur bei Call-by-Call, sondern vor allem auch bei den Nutzern, die komplett zu einem anderen Anbieter gewechselt sind. Der Kunde profitiert zunehmend von der Vielfalt und Attraktivität verschiedener Angebote im Wettbewerb und kann ein auf seine Bedürfnisse und sein individuelles Telefonierverhalten zugeschnittenes Komplettangebot aus Fern- und Ortsgesprächen sowie Internetzugang auswählen," führt Prof. Torsten J. Gerpott, Gründungsgesellschafter der Dialog Consult GmbH und Mitautor der Studie, aus.

Deutlich fällt die weiterhin bestehende Vormachtstellung der Deutschen Telekom bei den DSL-Anschlüssen auf. Zwar konnten die Wettbewerber hier leichte Zugewinne verzeichnen, der Marktanteil der Deutschen Telekom liegt aber weiterhin deutlich über 90%. "Die gravierenden Versäumnisse der Regulierungspolitik sowie die Dumpingpreisstrategie der Deutschen Telekom im Bereich DSL zeigen im deutschen Telekommunikationsmarkt uneingeschränkt Wirkung. Bis heute hat die Telekom in diesem innovativen Zukunftssegment kaum an Marktdominanz eingebüßt," so Peter Wagner.

Die vorliegende fünfte VATM-Marktanalyse, die von der Duisburger Unternehmensberatung Dialog Consult durchgeführt wurde, basiert auf einer Befragung unter den Mitgliedern des Verbandes. Die Zahlen aus der im September mit Stichtag Ende Juli 2003 erhobenen Umfrage sind auf die gesamte Branche hochgerechnet worden (inkl. bereinigter Zahlen des Vorjahres).

Die einzelnen Ergebnisse erläutert Prof. Dr. Torsten J. Gerpott:

Der Gesamtmarkt für Telekommunikationsdienste wächst leicht (Abb. 1)

Der Gesamtmarkt für TK-Dienste in der Bundesrepublik Deutschland - ohne Breitbandkabel - wächst im Jahr 2003 voraussichtlich um 4,7% von 59,1 Mrd. € auf 61,9 Mrd. €. Der Anteil der Wettbewerber ist mit 43,3% im Vergleich zum Vorjahr (43,1%) nahezu konstant. Vom Gesamtzuwachs des Marktes von 2,8 Mrd. € stammen 1,9 Mrd. aus dem Mobilfunk. Bei den neuen Anbietern macht der Bereich der Mobilfunkdienste 65,3% (17,5 Mrd. €) aus - ein leichter Anstieg gegenüber 2002 (65,1 % - 16,4 Mrd. €).

Umsatzentwicklung im Festnetz nahezu unverändert:

Minutenvolumen verliert zugunsten DSL (Abb. 2 -3)

Die neuen Anbieter können in diesem Jahr ihre Festnetzumsätze, die nun einen Anteil von 25,9 % ausmachen, von 8,8 Mrd. € auf 9,3 Mrd. € steigern. Das bedeutet lediglich eine leichte Steigerung um 0,5 Prozentpunkte. Die Deutsche Telekom verzeichnet demzufolge eine marginale Senkung in derselben Höhe, was ihren Marktanteil von 74,6 % in 2002 auf 74,1 % verringert. Die umsatzbezogene Entwicklung wird durch die volumenbezogene Entwicklung bestätigt. Die Wettbewerber gewinnen hier einen leichten Marktanteilszuwachs von 3,6 Prozentpunkten auf insgesamt 43,2%. Der Anteil der Deutschen Telekom hingegen sinkt in absoluten wie relativen Zahlen auf insgesamt 56,8%. Diese Entwicklung ist vor allem darauf zurückzuführen, dass das Minutengesprächsvolumen insgesamt schrumpft. In diesem Marktsegment findet wie auch schon im Jahr zuvor eine Verlagerung der Verbindungsminuten zugunsten des DSL-Verkehrs statt. Der direkte Vergleich der umsatz- und mengenbezogenen Marktanteile zeigt, dass die Wettbewerber mit 43,2% zwar einen relativ hohen Minutenanteil gewinnen konnten, in der umsatzbezogenen Betrachtung aber nur 25,9% des Umsatz realisieren konnte. Diese Unterschiede zeigen deutlich, dass die Deutsche Telekom von dem Verbindungsvolumen der Wettbewerber über Interconnectionentgelte signifikant profitiert.

Wettbewerber steigern Marktanteile (Abb. 4-6)

Die Wettbewerber können ihre Verbindungsminuten im Ortsnetz von 16 Mio. Min. in 2002 auf voraussichtlich 37 Mio. Min. steigern. Damit haben sie einen Anteil von allen Ortsnetzminuten von 17,4 % (im Jahresdurchschnitt). Dagegen sinkt der Marktanteil der Deutschen Telekom erstmals signifikant auf 82,6 %. Dieser Schub im Ortsnetz ist nicht nur auf die Einführung der neuen Wettbewerbsformen Call-by-Call im Ortsnetz im April 2003 und Preselection im Ortsnetz im Juli 2003 (insgesamt 15 Mio. Min.), sondern auch auf eine stark zunehmende Vermarktung von kompletten Teilnehmeranschlüssen zurückzuführen (22 Mio. Min.).

Im Fernverkehr konnten die Wettbewerber ihren Marktanteil weiter von 43,5% im Jahr 2002 auf voraussichtlich 46,1% bis Ende 2003 steigern. Das Verbindungsminutenvolumen pro Tag beläuft sich in diesem Bereich auf ca. 408 Mio. Min. Ein insgesamt noch geringes Wachstum bei Sprachverbindungen findet in den Mobilfunknetzen statt, das Niveau im Festnetz bleibt nahezu unverändert.

Der Markt für Internet-Zugangsangebote war nie ein klassischer Monopolmarkt für die Deutsche Telekom, in dem sie mit 141 Mio. Onlineminuten pro Tag (43,4 %) zwar einen großen Marktanteil besitzt, während einige größere und ein Vielzahl kleinerer Unternehmen jedoch insgesamt einen Marktanteil von 56,6% auf sich vereinen. Trotzdem darf auch in diesem Bereich nicht vergessen werden, dass im reinen Transportgeschäft nahezu ein Monopol besteht, da die Telekom über Interconnection-Entgelte erheblich von den Verbindungsminuten der meisten Wettbewerber profitiert (dieser Bereich konnte in der Vergangenheit nicht korrekt erfasst werden, die aktuelle Berücksichtigung führte deshalb auch zu einer rückwirkenden Anpassung älterer Studien).

Call-by-Call und Komplettanschlüsse legen zu (Abb. 7-9)

Nach unseren Schätzungen werden die neuen Anbieter im Jahresdurchschnitt 2003 täglich über ihre Festnetze 225 Mio. Sprachminuten transportieren und insgesamt 19,2 Mio. Kunden Angebote der Wettbewerber nutzen. Davon stammen 59 Mio. Min. (26,2%) aus dem Bereich Preselection, der überwiegend durch die zusätzlichen Verbindungsminuten im Ortsnetz wächst. Bis Ende 2003 werden voraussichtlich knapp 4,6 Mio. Kunden (24,0 %) Preselection nutzen.
Gewinner in der Minuten- und Kundenverteilung sind der Komplettanschluss und Call-by-Call. Mit 114 Mio. Min. (50,7%) bzw. mit 12,7 Mio. Kunden (66,1%) hat Call-by-Call nach wie vor den größten Anteil an der Nutzung der Dienste der neuen Anbieter. Von den insgesamt 19,2 Mio. Festnetzkunden der neuen Anbieter sind 1,9 Mio. Kunden (9,9%) direkt bei City-, Regio- oder bundesweit operierenden Carriern angeschlossen. Sie konnten somit ihre Kundenzahl von 1,3 Mio. in 2002 um 46% steigern. Auf sie entfallen voraussichtlich 52 Mio. Verbindungsminuten bis Ende 2003 (+30 % von 40 Mio. Min. in 2002).

Der Anteil der Komplettanschlüsse an den Diensten, die Kunden der Wettbewerber nutzen, beträgt damit 23,1 % - insgesamt eine deutliche Verbesserung sowohl hinsichtlich der Kundenzahl als auch der Minutenanteile.

DSL-Markt bleibt fest in der Hand der Telekom (Abb. 10+11)

Die eigenen DSL-Anschlüsse der Wettbewerber auf Basis eigener Infrastruktur werden sich in 2003 von 200 Tsd. Ende des Vorjahres auf 400 Tsd. verdoppeln. Dies entspräche Ende 2003 einem Marktanteil von 8,5 %. Im Dezember wird die Deutsche Telekom voraussichtlich 4,3 Millionen DSL-Anschlüsse vermarktet haben und ist mit einem Marktanteil von über 90%

weiterhin die dominante Größe. Das dahinterstehende Datenvolumen wird Ende 2003 voraussichtlich 305 Mio. GB betragen, wobei die Wettbewerber im Vergleich zur Deutschen Telekom durchschnittlich intensivere Nutzer gewinnen konnten.

Umsätze mit Datendiensten im Mobilfunk noch in den Kinderschuhen (Abb. 12)

Die individuelle Kommunikation hat gerade für den jungen Nutzer durch das Angebot neuer Dienste im Informations- und Entertainmentbereich an Bedeutung gewonnen. Anwendungen wie SMS, Logos/Bilder und Handy-Klingeltöne liegen im Trend und erlauben durch eine einfache Benutzerführung und ausreichend schnelle Übertragungstechnologien eine intensivere Nutzung der angebotenen Dienste. Zwar ist der Datendiensteanteil im Mobilfunk immer noch gering. Der dominierende Anteil von SMS im Mobilfunk von 15,8% weist jedoch auf die immer noch zunehmende Attraktivität dieser Dienste hin, die zunehmend auch als Marketing-Instrument in anderen Wirtschaftsbereichen eingesetzt werden. Der Anteil der echten Datenumsätze ist im Mobilfunkbereich mit 1,2 % der Umsätze vier Jahre nach Einführung von WAP und zwei Jahre nach Einführung von GPRS gering. Eine stärkere Nutzung der damit verbunden Dienste (z.B. mobile Internet-Browser, intelligente Java-Applikation mit Online-Komponente) stellt sich offensichtlich erst allmählich ein.

Insgesamt 7% weniger Arbeitsplätze (Abb. 13)

Die Mitarbeiterzahl der Wettbewerber liegt Ende 2003 voraussichtlich bei 48.500 Mitarbeitern. Ein Jahr zuvor waren es noch 52.000. Die entspricht einem Rückgang von ca. 7% seit Dezember 2002. Die absolute Zahl der Beschäftigten liegt somit jedoch immer noch über der absoluten Zahl der Beschäftigten in den ersten Liberalisierungsjahren (1998 und 1999).
Peter Wagner weist in einer Beurteilung der Ergebnisse darauf hin, dass die Wettbewerbssituation insgesamt nach 6 Jahren Liberalisierung nicht zufriedenstellend ist. Zwar konnte das Ortsnetzmonopol aufgebrochen werden, die Preisstrategie und Bündelpolitik der Telekom gefährde jedoch zunehmend die fortschreitende Entwicklung im Ortsnetzwettbewerb. Insbesondere aufgrund der von der Regulierungsbehörde jüngst genehmigten Tarife der Telekom, gegen erhöhte Anschlussgebühren Verbindungsnachlässe zu gewähren, werde eine dauerhafte Schädigung des Marktes befürchtet.

Entscheidend wird die kommende Novellierung des Telekommunikationsgesetzes sein - insbesondere die künftige Ausgestaltung der Zugangsregulierung. Der Zugriff auf wesentliche Leistungen der DTAG bleibt hier zentrales Element für den Innovationswettbewerb bei Netzen und Diensten und für den Standort Deutschland. Mit einem Wachstum von fast 5% in diesem Jahr wird die Entwicklung des TK-Marktes maßgeblich zum gesamtwirtschaftlichen Wachstum beitragen. "Vorausgesetzt die ordnungspolitischen Rahmenbedingungen stimmen, wird eine Belebung der Telekommunikationsmärkte und der wettbewerblichen Situation im nächsten Jahr deutliche Impulse für weitere Beschäftigungs- und Wachstumspotentiale setzen," erklärt Peter Wagner.

Auch Prof. Gerpott sieht aufgrund der Marktzahlen den Wettbewerb - auch gerade im Ortsnetz - zwar langsam stimuliert, auf absehbare Zeit ohne Regulierungseingriffe aber weder selbsttragend noch funktionsfähig. "Der neue Rechtsrahmen sollte daher Planungs- und Rechtssicherheit für alle Marktteilnehmer bieten und Innovationen fördern. Um eine faire Startlinie im Markt zu zu lassen, müssen insbesondere die Vorleistungsangebote von marktbeherrschenden Unternehmen rechtzeitig mit Endkundenangeboten verknüpft werden - damit die Preisstrukturen Wettbewerbern Spielraum für einen wirtschaftlich tragfähigen Markteintritt erlauben."

Weitere Informationen sowie das graphisch aufbereitete Datenmaterial der Unternehmensbefragung sind auf den Internetseiten www.dialog-consult.com abrufbar.

Kontakt

Corinna Keim
Leiterin Kommunikation und Presse
Tel.: +49 221 376 77-23
E-Mail: ck(at)vatm.de