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29.09.2004

Regulierer entscheidet über Zugangspreise zum breitbandigen Internet

VATM: Deutschland muss im internationalen Vergleich aufholen

Heute hat die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP) über die zukünftigen Vorleistungs-Preise der Deutschen Telekom im Markt für Breitband-Internet entschieden und eine deutliche Senkung der nutzungsabhängigen Entgelte angeordnet. Die Bestimmung der Preise für die entsprechende Zugangsleistung „ZISP“ (Zuführung zum ISP) ist im bundesweiten DSL-Wettbewerb für die weitere Entwicklung von Breitbandanschlüssen in Deutschland ausschlaggebend.

Entgegen der von der Deutschen Telekom beantragten massiven Erhöhung der nutzungsabhängigen Entgelte ist die RegTP der Empfehlung der Wettbewerber zu einer Senkung der Entgelte gefolgt. Sie hat sich dabei auch auf europäische Vergleichsmarktanalysen gestützt, nach denen eine 20-30%ige Absenkung der heutigen nutzungsabhängigen ZISP-Entgelte geboten war.

Die DSL-Vorleistung „ZISP“ ist derzeit das für Internet Service Provider bedeutendste Zuführungsprodukt und seine Nutzung für alternative DSL-Angebote im Privatkundenmarkt unverzichtbar. Das gilt sowohl für Angebote in Kombination mit T-DSL als auch mit Resale von DSL-Anschlüssen. „Diese Entscheidung ist ein Schritt in die richtige Richtung auf dem Weg zu mehr Wettbewerb. Um die Gesamtauswirkungen für die Wettbewerbsentwicklung abschätzen zu können, sind aber die teilweise erhöhten Einmalentgelte mit in die Bewertung einzubeziehen,“ erklärt Jürgen Grützner, Geschäftsführer des VATM.

„Um Deutschland führend im Breitband-Internet zu machen, benötigt der Wettbewerb jedoch dringend weitergehende Impulse,“ führt Jürgen Grützner aus. „Denn gemessen an der Penetrationsrate ist Deutschland mit rund 6 Millionen Breitbandanschlüssen allenfalls europäischer Durchschnitt“.

Vor knapp einem Jahr hatte die RegTP der Telekom erstmals genehmigt, von den Wettbewerbsunternehmen zusätzlich zu festen monatlichen Beträgen für die Bereitstellung der Zusammenschaltung an den Übergabepunkten als weitere Komponente auch nutzungsabhängige Entgelte zu verlangen, die in der Einheit „€ pro 10Kbit/s“ tarifiert sind. Der aktuell geltende Preis beläuft sich auf € 0,6325 pro 10 kbit/s. Für den Zeitraum ab dem 01.10.2004 wollte die Telekom sich € 1,55 pro 10 kbit/s genehmigen lassen, was einer Erhöhung um mehr als 130 Prozent entsprochen hätte.

Auch wenn es Breitbandangebote von leistungsfähigen alternativen Infrastrukturanbietern gibt, ist es für die bundesweite Verbreitung breitbandiger Zugänge wichtig, dass Wettbewerb in den aktuell verfügbaren Netzen auf allen Wertschöpfungsstufen zu fairen Konditionen ermöglicht wird. Über die Teilnehmeranschlussleitung - die sog. letzte Meile – werden mittlerweile fast 1 Mio. DSL-Anschlüsse über bundesweite Netzbetreiber und City-Carrier realisiert. Die signifikant marktbeherrschende Stellung der DTAG von über 90% konnte bisher jedoch kaum abgebaut werden. „Von einem Durchbruch zu einer neuen Phase im Breitbandmarkt sind wir in diesem Jahr daher immer noch weit entfernt,“ meint Jürgen Grützner, „zumal der Wettbewerb auf der Basis von Resale mit DSL-Anschlüssen erst langsam an Fahrt gewinnt.“

Neue Zugangsmöglichkeiten zum Endkunden, etwa in Form von Bitstream Access, sind für einen echten Innovationswettbewerb und die zunehmende Durchdringung von Breitbandanschlüssen in Deutschland wesentlich.

Dies wird auch deutlich angesichts der Tatsache, dass ein Technologiewettbewerb in Deutschland weitgehend fehlt und es nur sehr wenige Breitbandanschlüsse gibt, die auf Basis der Kabelnetzinfrastruktur bereitgestellt werden oder weiterführende Konzepte für die Förderung von Glasfasertechnologien im Privatkundenbereich - etwa über Fiber to the Home - fehlen.
Über den Stand der Wettbewerbsentwicklung – auch im Breitbandsegment – wird der VATM am 7. Oktober 2004 bei der Vorstellung der jährlichen VATM/Dialog Consult Marktdatenerhebung informieren und neue Marktzahlen vorstellen.

Kontakt

Corinna Keim
Leiterin Kommunikation und Presse
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