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07.10.2004

VATM und DIALOG CONSULT veröffentlichen sechste TK-Marktanalyse 2004

Gesamtmarkt wächst durch Wettbewerb – Nutzung im Mobilfunk und Festnetz steigt - Wettbewerb im Ortsnetz und Breitband-Internet gewinnen an Fahrt

Der Gesamtmarkt für Telekommunikationsdienste in Deutschland wächst in diesem Jahr voraussichtlich um 3,3% auf insgesamt 62,9 Mrd. €. Sowohl im Festnetz als auch im Mobilfunk wird das Marktwachstum wesentlich von den neuen Wettbewerbern getrieben, die ihren Anteil am Gesamtumsatz bis Ende 2004 um voraussichtlich 2,5 Mrd. € auf 28,7 Mrd. € steigern können. Mit einem Umsatzvolumen von 18,9 Mrd. € machen dabei die Mobilfunkdienste fast zwei Drittel des Umsatzvolumens der Wettbewerber im Telekommunikationsmarkt aus. Dies geht aus der aktuellen - im Auftrag des Verbandes der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM) e.V. erstellten - Marktanalyse von DIALOG CONSULT hervor.

Harald Stöber, Vizepräsident des VATM, erklärt: „Mit einem umsatzbezogenen Marktwachstum von über 3% liegen wir deutlich über dem durchschnittlich prognostizierten allgemeinen Wirtschaftswachstum von 1,5 - 2% in Deutschland. Die Bedeutung des Innovationssektors Telekommunikation ist daher für das gesamtwirtschaftliche Wachstum ungebrochen und zeigt, dass Wettbewerb in diesem Markt den Innovationsstandort Deutschland mit zahlreichen Beschäftigungsmöglichkeiten nachhaltig fördert.“

Auch der DSL-Wettbewerb erhält durch die hohe Nachfrage nach breitbandigen Internetdiensten neue Impulse. Trotz des seit Juli möglichen Vertriebs von DSL-Anschlüssen auf Resale-Basis (Wiederverkauf von Telekom-Leistungen auf eigenen Namen und eigene Rechnung durch Wettbewerber) gewinnt dieser aber nur langsam an Fahrt, so die Erkenntnisse der Studie über die neuesten Entwicklungen im DSL-Markt. Aufgrund des bestehenden Anschlussmonopols im Ortsnetz ist die Vormachtstellung der Deutschen Telekom dort weiterhin ungebrochen.

Zwar bauen die Wettbewerber ihren Marktanteil am Verbindungsvolumen im Ortsnetz im Zuge von Call-by-Call und Pre-Selection sowie durch die deutlich gestiegene Zahl an Komplettanschlüssen weiter aus, die Deutsche Telekom konnte jedoch durch ihre massive Bündelprodukt- und Optionstarifstrategie den Rückgang an Verbindungsumsätzen im Festnetz durch erhöhte Anschlussumsätze weitgehend kompensieren. Dadurch verfolgt das marktbeherrschende Unternehmen das Ziel, potenzielle Kunden der Wettbewerber langfristig an sich zu binden.

„Die Entwicklung im Festnetz zeigt, dass der Kunde im Rahmen von Bündel- und Optionsangeboten der Telekom zwar vordergründig günstiger als in den Standardtarifen telefonieren kann, seine Telefonkosten insgesamt im Zuge gestiegener Anschlussgebühren aber nicht unbedingt sinken müssen. Insbesondere bei durchschnittlichen Gesprächslängen von 2 bis 4 Minuten können sich diese Tarife schnell als Kostenfalle entpuppen. Durch Nutzung der günstigen Angebote der Wettbewerber können sich höhere Einsparpotentiale für den Kunden ergeben,“ führt Harald Stöber aus.

Prof. Dr. Torsten J. Gerpott erläutert die einzelnen Ergebnisse:

Gesamtmarkt für Telekommunikation wächst: Umsatzentwicklung im Festnetz nimmt wieder leicht zu (Abb. 1-3)

Der Gesamtmarkt für Telekommunikationsdienste in Deutschland – ohne Umsätze Breitbandkabel - wächst im Jahr 2004 voraussichtlich um 3,3% von 60,9 Mrd. € auf 62,9 Mrd. €. (Abb.1). Maßgeblich getragen wird das Wachstum im Markt von den Wettbewerbern, deren Anteil mit 45,6% (28,7 Mrd. €) im Vergleich zum Vorjahr von 43% (26,2 Mrd. €) um 2,6 Prozentpunkte steigt. Vom Gesamtanteil des Wettbewerbermarktes stammen 18,9 Mrd. € aus dem Mobilfunk, der fast zwei Drittel (65,9%) zum Umsatzvolumen der Wettbewerber beiträgt und sich von 17,1 Mrd. € im Vorjahr um 10,5% erhöht. (Abb. 2). Neben dem Mobilfunk profitiert auch das Festnetz vom Marktwachstum. Nach stagnierenden Umsätzen in den letzten 4 Jahren ist im Markt für Festnetzdienste erstmals wieder ein Wachstum von 9,1 Mrd. € (2003) auf 9,8 Mrd. € für 2004 um 7,7% zu erwarten (Abb. 3).

Marktanteile der Wettbewerber bei Gesprächsverbindungen steigen deutlich (Abb. 4-6)

Die Wettbewerber können ihre Verbindungsminuten im Festnetzmarkt insgesamt auf 428 Mio. Min. (46,2%) pro Tag steigern (Abb. 4). Maßgeblich getrieben wurde diese Entwicklung von einem deutlich anziehenden Wettbewerb im Ortsnetz, der in 2004 erstmals ganzjährig ausgewiesen werden kann. Von allen Ortsnetzminuten haben die Wettbewerber mittlerweile einen Anteil 32,4% bei 72 Mio. generierten Minuten pro Tag (Abb. 5). Dieser Schub im Ortsnetz setzte bereits im letzten Jahr erstmals mit sinkenden Minutenanteilen der Deutschen Telekom ein und erschließt 2004 weitere Wachstumspotenziale im Festnetz durch den weiteren Ausbau des Geschäftes mit Call-by-Call und Preselection sowie durch eine zunehmende Vermarktung von Direktanschlüssen auf Basis eigener Netze und gemieteter Teilnehmeranschlussleitungen.

„Die Umsatzentwicklung im Festnetzmarkt zeigt aber gleichwohl, dass es der Deutschen Telekom durch massive Vermarktung von Bündel- und Optionsangeboten gelungen ist, zurückgehende Verbindungsumsätze in steigende Anschlussumsätze umzuwandeln und die Umsätze im Vergleich zum Vorjahr bei insgesamt bei 25,5 Mrd. € zu stabilisieren“, erläutert Prof. Dr. Gerpott.

Im Fernverkehr konnten die Wettbewerber ihren Marktanteil kontinuierlich weiter von 43,5% im Jahr 2003 auf 46,9% bis Ende 2004 steigern. Das Verbindungsminutenvolumen pro Tag wird in diesem Bereich voraussichtlich von 163 Mio. Min. pro Tag auf 181 Mio. Min. pro Tag steigen (Abb. 6).

Die Kundennachfrage nach Bandbreite wird wichtiger: Einwahl über das Internet verliert geringfügig zugunsten von DSL

Im Markt für Internetzugangsverbindungen setzt sich die Entwicklung des vorangegangenen Jahres fort. Die Einwahlminuten ins Internet sind sowohl bei den Wettbewerbern als auch der Deutschen Telekom AG weiter rückläufig und verlieren insbesondere zugunsten von DSL. Obwohl die Deutsche Telekom im Markt für Internetzugangsangebote nie über ein formelles Monopol verfügte, besitzt sie hier mit 144 Mio. Min. pro Tag weiterhin einen signifikanten Marktanteil von über 45%. Der Anteil der Wettbewerber beläuft sich in diesem Bereich auf 175 Mio. Min. pro Tag (54,9%). Auch im Transport- und Zugangsbereich kann die Deutsche Telekom ihre enorme Marktmacht weiterhin einsetzen (Abb.7).

Service-Rufnummern immer beliebter: Potenzial wird bei Mehrwertdiensten noch nicht ausgeschöpft (Abb. 8)

Der Markt für innovative Auskunfts- und Service-Rufnummern entwickelt sich weiter positiv. Mit 1,5 Mio. geschalteten Rufnummern im Einsatz werden bei den neuen Anbietern 13 Mio. Gesprächsminuten pro Tag abgewickelt. Insbesondere 0137-Rufnummern sind ein beliebtes Instrument, das vielseitig - insbesondere im Transaktions-TV von Medienunternehmen -eingesetzt wird. Gefragte Dienste sind auch 0800- und 0180er-Rufnummern, die mit über 74% der Minuten den Großteil des Verbindungsvolumens ausmachen. Ebenso weisen Auskunftsdienste mit 18,7% der generierten Minuten eine hohe Nachfrage auf.

Komplettanschlüsse wachsen stark, auch Nutzung von Call-by-Call und Preselection legt zu (Abb. 9-11)

Gewinner der diesjährigen Marktanalyse sind die Komplettanschlüsse, die sich mit 2,2 Millionen Kunden – vielfach qualitätsbewusste Kunden aus dem Geschäfts- und Privatkundensegment – gut behaupten. Die Zahl der Komplettanschlüsse ist im Vergleich zu 2003 mit 1,7 Mio. Kunden um knapp 30% gestiegen. Sie generieren über 17% des Verbindungsaufkommens der neuen Anbieter von insgesamt 253 Mio. Min. pro Tag. Insgesamt hat sich die Zahl der Kunden, die Angebote der Wettbewerber nutzen, auf 22,4 Millionen erhöht. Darauf entfallen 14,5 Mio. Call-by-Call-Nutzer, die nach wie vor mit 143 Mio. Minuten pro Tag den größten Anteil (56,5%) an der Nutzung der Dienste der neuen Anbieter darstellen. Auch der Kundenzuwachs von 14% im Pre-Selection-Bereich auf 5,7 Mio. Kunden zeigt, dass eine dauerhafte Vertragsbindung mit einem Wettbewerbsunternehmen immer mehr Akzeptanz findet. Diese Kunden generieren mit 65 Mio. Min. pro Tag gut ein Viertel des Verbindungsaufkommens im Wettbewerb.

Wettbewerb im Breitbandmarkt kommt nur langsam in Fahrt (Abb. 12-14)

Mit 5,7 Mio. DSL-Anschlüssen und einem Marktanteil von über 86% bei direkt geschalteten DSL-Verbindungen dominiert die T-Com-Säule der Deutschen Telekom weiterhin den lukrativen Markt für Breitband-Internetzugänge. Bundesweite und regionale Anschlussnetzbetreiber verzeichnen mit 900.000 direkt geschalteten DSL-Kunden zwar einen Zuwachs von mehr als 50%. Ihr Anteil bei den DSL-Anschlüssen beläuft sich aber lediglich auf 13,6%. Erstmals weist die Marktanalyse auch Zahlen aus, die den Anteil an DSL-Anschlüssen auf Basis von Telekom-Resale prognostizieren. Da die Unternehmen entsprechende Angebote auf eigene Rechnung und im eigenen Namen im Markt mittlerweile massiv bewerben, ist für Ende 2004 mit ca. 200.000 Resale-Kunden zu rechnen. Dies entspräche dann - so die Prognose – einem T-Com-Marktanteil auf Basis der Kundenbeziehung von gut 83%. Der Internet-Zugang wurde auch in der Vergangenheit schon von Wettbewerbern angeboten. Für 2 Mio. T-Com-DSL-Anschlüsse wird der Internet-Zugang von Wettbewerbern und nicht von T-Online bereitgestellt. Die Bedeutung dieser Vermarktungsvariante (Variante C in Abb. 13) wird zukünftig voraussichtlich zugunsten von Resale (Variante B in Abb. 13) zurückgehen.

Die Entwicklung des DSL-Volumens von voraussichtlich 532 Mio. Gigabyte (GB) für 2004 verdeutlicht, dass die Nachfrage nach breitbandigen Diensten weiterhin hoch ist, auch wenn der Zuwachs für 2004 im Vergleich zu den vorangegangenen Jahren niedriger ausfällt. Insbesondere die Wettbewerber verzeichnen hier einen überproportionalen Zuwachs von 79 Mio. GB auf 139 Mio. GB und schaffen es – auch mittels aggressiver Preisstrategien und nachfragegerechten Angeboten – insgesamt die nutzungsintensiveren Kunden zu gewinnen.

Weitere breitbandige Zugangsmöglichkeiten spielen in Deutschland nach wie vor auch im Vergleich zum Ausland nur eine untergeordnete Rolle.

Umsätze mit Datendiensten im Mobilfunk steigen (Abb. 15)

Anwendungen wie SMS und Downloads von Logos, Bildern und Klingeltönen liegen im Trend. Durch einfache Benutzerführung, bequeme Zahlungsfunktionen und schnellere Übertragungstechnologien werden sie von den Kunden mehr denn je genutzt. Mit 16,3% machen SMS den größten Anteil der Datenumsätze im Mobilfunk aus, während die übrigen Datendienste im Mobilfunk einen immer noch geringen Anteil haben. Der mobile Datenaustausch ist bisher sehr stark durch Laptop- und PDA-Nutzung und -Synchronisierung geprägt und wird bei höheren Bandbreiten durch UMTS und attraktivere datendienstfähige Handys zukünftig zu einem signifikanten Datenzuwachs führen.

Auch der Markt für MMS-Dienste wird einen kräftigen Schub erhalten, da die anfänglichen Kompatibilitätsprobleme bei netz- und herstellerübergreifenden MMS inzwischen weitgehend überwunden sind. Auch die jüngsten Preissenkungen zeigen, dass die Netzbetreiber viel unausgeschöpftes Potenzial bei der MMS-Nutzung erkannt haben. Der Versand von MMS macht bisher lediglich 0,7% der Diensteumsätze im Mobilfunk aus.

Beschäftigungssituation entspannt sich leicht (Abb. 16)

Mit knapp 50.000 Mitarbeitern steigt die Beschäftigtenzahl erstmals nach Jahren der Konsolidierung wieder leicht an. Der Rückgang bei den Mitarbeiterzahlen kann somit in diesem Jahr erstmals aufgefangen und stabilisiert werden, so dass im Jahr 2004 insgesamt von einer leichten Erholung des Arbeitsmarktes auszugehen ist. Der Arbeitsplatzsaldo der neuen Anbieter liegt weiterhin deutlich über der absoluten Zahl der Beschäftigten in den ersten Liberalisierungsjahren.

Harald Stöber bewertet die Wettbewerbsentwicklung abschließend grundsätzlich positiv. „Die Ergebnisse der Analyse zeigen, dass wir wieder optimistisch in die Zukunft blicken können. Auf absehbare Zeit wird dieser Markt ohne Regulierungseingriffe allerdings nicht auskommen, denn die bisherigen Entwicklungen beruhen ausschließlich auf regulierungsbedingten Wettbewerb.“

Auch Prof. Gerpott sieht aufgrund der Marktzahlen 2004 eine deutliche Belebung des Wettbewerbs. „Neue Herausforderungen bestehen nun vor allem bei der weiteren Öffnung des Zugangs für breitbandige Internetdienste. Zwar erhält der Wettbewerb auf Basis von Resale DSL erste Impulse, von einem Durchbruch zu einer neuen Phase im Breitbandmarkt sind wir in diesem Jahr aber immer noch weit entfernt.“

Ob eine anhaltende Belebung der Telekommunikationsmärkte und der Wettbewerbssituation weitere Impulse für Beschäftigung und Wachstum setzen können, hängt nicht zuletzt davon ab, wie der neue ordnungspolitische Rahmen durch das im Juni 2004 offiziell in Kraft getretene neue Telekommunikationsgesetz mit Leben gefüllt wird – etwa auch im Hinblick auf den zukünftigen Grad der Endkundenentgeltkontrolle des marktbeherrschenden Unternehmens. „Insbesondere die jüngsten Versuche der Deutschen Telekom, verlorenes Terrain bei Privat- oder Geschäftskunden durch unzulässige Rückwerbeaktionen oder Liefersperren von AGB-Produkten zurückzugewinnen, zeigen, dass - auch in Verbindung mit der ausufernden Bündelproduktstrategie der Deutschen Telekom AG - der Regulierer auch zukünftig für selbsttragenden und funktionsfähigen Wettbewerb sorgen muss,“ meint Harald Stöber.

Weitere Informationen sowie das grafisch aufbereitete Datenmaterial der Markterhebung sind auf den Internetseiten des VATM oder unter  www.dialog-consult.com abrufbar.

Kontakt

Corinna Keim
Leiterin Kommunikation und Presse
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