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04.04.2007

Bundesnetzagentur will Wettbewerbern eingeschränkten Zugang zum Glasfaser-Netz gewähren

VATM: Nur ein erster richtiger Schritt – Ohne fairen Zugang drohen schwarze Bildschirme – Triple Play muss bezahlbar werden

„Die Bundesnetzagentur hat beim künftigen Zugang zur Teilnehmeranschlussleitung einen ersten Schritt in die richtige Richtung gemacht“, bewertet VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner den heute vom Regulierer veröffentlichten Entwurf einer entsprechenden Marktabgrenzung. Dieser Entwurf sieht vor, dass die Wettbewerber der Deutschen Telekom nicht nur wie bisher Zugang zur Kupferdoppelader erhalten, sondern auch die Leerrohre der Telekom zwischen Hauptverteilern und Kabelverzweigern nutzen können.

„Mit dem Zugang zu den Leerrohren ist zwar eine unserer Forderungen erfüllt“, so der VATM-Geschäftsführer weiter. „Diese Zugangsvariante kommt aber aufgrund der damit notwendig verbundenen hohen Investitionserfordernisse nur für wenige Anbieter in Frage. Zudem stellt sich das Problem, dass es an den meisten Standorten auch aus baurechtlichen Gegebenheiten heraus nicht möglich sein dürfte, weitere Kabelverzweiger neben denen der Telekom aufzustellen.  Wenn der bislang gewünschte Infrastrukturwettbewerb in Deutschland nicht zum Erliegen kommen soll, bedarf es daher weiterer Zugangsverpflichtungen. Triple Play braucht mehr als Trippel-Schritte, denn sonst bleiben künftig die Bildschirme der Kunden der Wettbewerbsunternehmen schwarz.“

Der VATM hat seine Forderungen in einem „Thesenpapier zur Zukunft der Teilnehmeranschlussleitung (TAL)“ zusammengefasst. Neben dem Zugang zu den Leerrohren und zur unbeschalteten Glasfaser ist nach Auffassung des Verbandes auch der entbündelte Zugang zu Glasfaser und Kupfer im Kabelverzweiger unverzichtbar. Denn vielerorts dürften die Städte und Gemeinden das Aufstellen weiterer grauer Kästen neben denen der Telekom untersagen. Über den Zugang im Kabelverzweiger könnten die Wettbewerber ihre Kunden trotzdem direkt an das High-Speed-Internet anschließen.

Die Wettbewerber fordern außerdem den gebündelten Zugang zur hybriden breitbandigen Teilnehmeranschlussleitung, die aus Kupfer und Glasfaser besteht, am Hauptverteiler. Nur wenn beide zusätzlichen Zugangsmöglichkeiten kumulativ gewährt werden, können nach Ansicht des VATM unkalkulierbare Risiken für bereits getätigte Infrastrukturinvestitionen, für Preise und Angebotsvielfalt sowie eine flächendeckende Versorgung mit Breitband vermieden werden. „Nur dann bleibt das kombinierte Angebot aus Telefonie, Internet und Fernsehen für den Bürger bezahlbar“, mahnt Grützner.

Angesichts der parallel mit dem Entwurf der Regulierungsverfügung von der Bundesnetzagentur veröffentlichten Thesen zur künftigen VDSL-Regulierung ist der Verband jedoch verhalten optimistisch. „Wichtig ist jetzt, dass auf die vom Regulierer aufgeworfenen Fragen schnell die passenden Antworten seitens der Marktteilnehmer gegeben werden“, so Grützner. Hier lohne ein Blick nach Frankreich oder in die Niederlande. Dort werde diese Problematik mit höchster Priorität behandelt. „Von höchster Relevanz ist dabei, den Netzumbau Richtung Next Generation Networks nicht zu behindern, auf der anderen Seite aber zu verhindern, dass sich ehemalige Monopolisten auf diese Weise aus der Regulierung stehlen“, warnt der VATM-Geschäftsführer.

Bisher verbinden die Wettbewerber ihre eigene Netzinfrastruktur in den rund 8.000 Hauptverteilern mit der letzten Meile zu ihren Kunden. Von hier aus läuft die Kupferader zunächst zu den so genannten rund 300.000 Kabelverzweigern. Auf der Strecke zwischen Hauptverteilern und Kabelverzweigern wird durch den VDSL-Ausbau der Telekom Kupfer durch Glasfaser ersetzt. „Ohne Zugriff auf diese Glasfaser zum Kunden werden die Angebote der Wettbewerber hinsichtlich Geschwindigkeit und Dienstevielfalt deutlich hinter denen der Telekom zurückbleiben. Folgen für den Verbraucher wären höhere Preise, das auch von der Politik immer wieder geforderte  flächendeckende Angebot moderner Breitbanddienste bliebe aus“, so Grützner abschließend.

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