Pressemitteilungen

17.08.2005

Bundesnetzagentur stellt Weichen für Auskunftsmarkt

VATM: Verbraucher profitiert von weiteren Auskünften per Telefon und Internet

Die Bundesnetzagentur hat heute eine wegweisende Entscheidung zur weiteren Entwicklung des Auskunftsmarktes getroffen. Dabei geht es um die Kosten, die Wettbewerber der Deutschen Telekom AG (DTAG) bei der Überlassung von Teilnehmerdaten bezahlen müssen. Der Regulierer setzte den Preis auf einen festen Betrag von 770.000 € fest und unterzog damit die Kosten für die Überlassung von Daten erstmals einer grundlegenden Überprüfung. „Schon heute nutzen mehr als zwei Millionen Bundesbürger täglich Auskunftsdienste über Telefon oder Internet“, erklärt Jürgen Grützner, Geschäftsführer des VATM. „Wir begrüßen daher, dass nach jahrelanger Hängepartie der Regulierer nun endlich eingegriffen und Planungssicherheit sowie faire Wettbewerbsbedingungen in diesem zukunftsweisenden Marktsegment geschaffen hat.“ Weiterhin unklar bleibt, warum die Entgelte für die Überlassung der Daten nicht ex-ante reguliert werden.

„Dabei ist die Auskunft am Telefon schon heute mehr als nur eine Nummer“, ist Grützner überzeugt. „Sie bietet neben zuverlässigen und schnellen Ergebnissen über klassische Informationen wie Telefonnummern, Namen, Adressen und Postleitzahlen und deren Weitervermittlung auch Comfort-Services wie Hotelbuchung, Reiseinformationen sowie Erreichbarkeit von Notdiensten und Pannenhilfe. Und auf MMS-fähige Handys ermöglicht die sogenannte Umkreissuche dabei sogar nicht nur eine Antwort auf die Frage nach dem Standort der nächsten Autowerkstatt, sondern liefert direkt den Kartenausschnitt über einen entsprechenden map&route-Service mit.“

Im Zuge der steigenden Mobilität besteht auch für die Auskunft per SMS eine hohe Nutzungsbereitschaft. Derzeit dürften monatlich mehr als 200.000 SMS mit Auskunftsanfragen bei den Anbietern von 118er-Rufnummern eingehen und innerhalb von Sekunden beantwortet werden. So macht der Kunde auf jeden Fall ein Geschäft.

Seit letztem Jahr wird auch die sogenannte Rückwärtssuche angeboten. Zur Telefonnummer lassen sich zusätzlich Name und Anschrift recherchieren. Erfahrungen aus dem Ausland belegen die Nachfrage der Konsumenten nach diesem Dienst. In Italien und Frankreich sind bis zu 10 % aller Auskunftsanfragen Rückwärtssuchen.

Der Auskunftsmarkt umfasst ein Volumen von rund 320 Mio. €. Damit entfällt etwa ein Fünftel am Gesamtvolumen der Auskunfts- und Mehrwertdienste auf dieses Marktsegment.

Als größter Anbieter hat die Deutsche Telekom immer noch einen Marktanteil von mehr als 60 %, gefolgt vom größten Wettbewerber Telegate mit ca. 30%.

Hintergrund:

Die Deutsche Telekom ist laut Telekommunikationsgesetz verpflichtet, ihren Wettbewerbern die Daten der Telefonverzeichnisse „diskriminierungsfrei und kostenorientiert" zur Verfügung zu stellen. Dennoch hatte sich die Bundesnetzagentur jahrelang für nicht zuständig erklärt, die Preise der Deutschen Telekom für die Bereitstellung der entsprechenden Teilnehmerdaten einer Regulierung zu unterwerfen.

Vielmehr haben sich das Bundeskartellamt im Jahr 2003 und das marktbeherrschende Unternehmen darauf geeinigt, einen Gesamtbetrag von maximal 49 Mio. € pro Jahr den Datenabnehmern in Rechnung zu stellen. Erst eine entsprechende Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes (Urteil vom 25.11.2004, Az. C-109/03) hatte auch in Deutschland dem Regulierer Anlass gegeben, die anerkennungsfähigen Kosten der DTAG für die Überlassung der Teilnehmerdaten grundlegend zu überprüfen.

Regulierungssituation im EU-Vergleich:

In anderen europäischen Ländern werden deutlich geringer veranschlagte Kosten zugrunde gelegt. Dort, wo die EuGH-Entscheidung bereits umgesetzt ist, betragen die Kosten in Folge daher nur ein Bruchteil der in Deutschland bisher gültigen Entgelte. Nun hat Deutschland nachgezogen:

 

 

Methode der Entgeltermittlung

Entgelt Offline/ Download

Entscheidung durch die nationale Regulie­rungs- behörde

Italien

Kosten der Überlassung

Null

Spanien

Kosten der Überlassung

< 500 € p.a. für Kopierkosten (aktualisierte Daten)

Österreich

Kosten der Überlassung

~6.000€ p.a. mit wöchentlichen Updates
(Entgelt ggü. TA bei 2 Abneh­mern lt. TKK-Bescheid 7.3.2005)

Schweden

Kosten der Überlassung

~30.000€ p.a. mit täglichen Updates

Dänemark

Kosten der Überlassung

~20.000€ p.a. mit täglichen Updates

Frankreich

Inkrementelle Kosten für Konsolidierung, Pflege, Speicherung und Überlassung der Daten

€ 0,003 pro „Nutzung“
bzw. € 0,006 pro Call

Niederlande

Kosten der Überlassung

€ 0,0023/Datensatz (wöchentlich aktualisiert)

Norwegen

Kosten der Überlassung

< 500 € p.a. für Kopierkosten (aktualisierte Daten)



 

 

Methode der Entgeltermittlung

Entgelt Offline/ Download

Moderation durch die nationale Regulierungs- behörde

Irland

kostenorientiert und diskriminierungsfrei

~€ 0,015 pro Anruf

United Kingdom

Costs for collection, cleansing, storage and transmission

€ 0,012 pro Transaktion

bislang keine Regulierung

Deutschland

Prüfung durch Bundes­kartellamt: Vollkostenansatz; anschließend Verhand­lungsergebnis zwischen Bundeskartellamt und DTAG

€ 0,09 pro „Nutzungsfall“

(z.B. Call) neu:

€ 0,001218 pro „Nutzungsfall“

Fixum: € 770.000 p.a.

Kontakt

Corinna Keim
Leiterin Kommunikation und Presse
Tel.: +49 221 376 77-23
E-Mail: ck(at)vatm.de