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26.09.2005

VATM und DIALOG CONSULT veröffentlichen TK-Marktstudie 2005

Positiver Trend des Vorjahres fortgesetzt: Gesamtmarkt und Investitionen wachsen durch Wettbewerb – Breitbandanschlüsse steigen auf 10 Mio. – Mobilfunk-Nutzung legt weiter zu

[Download der Studie]

Der Gesamtmarkt für Telekommunikationsdienste in Deutschland wächst in diesem Jahr voraussichtlich um rund 4 % auf insgesamt 66,9 Mrd. €. Sowohl im Festnetz als auch im Mobilfunk wird das Marktwachstum im Wesentlichen von den Wettbewerbern getragen, die ihren Anteil von 29,5 Mrd. € auf 32,6 Mrd. € steigern können. Zurückzuführen ist dieses überdurchschnittliche Umsatzwachstum seitens der Wettbewerber - noch stärker als in den Vorjahren - auf die erfolgreiche Vermarktung festnetzbasierter Breitbandanwendungen und schlägt sich nicht zuletzt  in der steigenden Zahl der Breitbandanschlüsse von über 10 Mio. nieder.

Gerd Eickers, Präsident des VATM, erklärt zu diesen aktuellen – im Auftrag des Verbandes der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM) e.V. erstellten – Zahlen der Marktstudie von DIALOG CONSULT: „Mit einem umsatzbezogenen Marktwachstum von rund 4 % setzt die TK-Branche nach Jahren der Konsolidierung ihren positiven Wachstumstrend des Vorjahres fort. Es zeigt sich, dass die Bedeutung des Kommunikationssektors angesichts des allgemeinen schwachen Wirtschaftswachstums als Motor für die Gesamtwirtschaft nach wie vor ungebrochen ist. Die neue Bundesregierung muss daher das Thema ‚Technologische Innovation durch Wettbewerb’ im Regierungsprogramm an zentraler Stelle positionieren und wieder stärker in den Blick nehmen.“

Auch der Mobilfunkmarkt erhält durch das Angebot und die Vermarktung breitbandiger Dienste weitere Impulse. Während der Datendiensteanteil kontinuierlich ansteigt, steht die sprachgebundene Kommunikation von Mensch zu Mensch mit insgesamt 118 Mio. vertelefonierten Minuten pro Tag auch zukünftig im Mittelpunkt innovativer Telekommunikationsanwendungen. Mit einem Umsatzvolumen von 20,5 Mrd. € machen die Mobilfunkdienste nach wie vor fast zwei Drittel des Umsatzvolumens der Wettbewerber im Telekommunikationsmarkt aus und treiben mit über 1,5 Milliarden € das Investitionsvolumen der Wettbewerber von insgesamt 2,5 Mrd. €.

„Die TK-Branche zeigt einmal mehr, dass Wettbewerb Milliardeninvestitionen auslöst und neue Arbeitsplätze schafft. Seit Beginn der Liberalisierung sind völlig ohne Subventionen über 50.000 neue Arbeitsplätze entstanden, die den zur Effizienzsteigerung erforderlichen Rückgang bei der Deutschen Telekom AG mehr als wettmachen. Die Hälfte der Investitionen
 

geht dabei auf das Konto der Wettbewerber. Dank der überdurchschnittlichen Wachstumsraten wird die Branche auch zukünftig einen wichtigen Beitrag zum Beschäftigungswachstum leisten. Voraussetzung dafür ist allerdings eine konsequente Regulierungs- und Wettbewerbspolitik,“ betont Gerd Eickers.

Prof. Dr. Torsten J. Gerpott erläutert die genauen Ergebnisse:

I. Gesamtmarkt für Telekommunikationsdienste in Deutschland

Die Umsätze mit Telekommunikationsdiensten liegen in Deutschland 2005 bei ca. 67 Mrd. € - davon entfällt etwa die Hälfte immer noch auf die Deutsche Telekom, die im Festnetzbereich der marktbeherrschende Spieler bleibt.
Der Gesamtmarkt für Telekommunikationsdienste in Deutschland  - Umsätze einschl. TV-Breitbandkabel ohne TV-Signaltransport – wächst im Jahr 2005 voraussichtlich um 3,6 % von 64,6 Mrd. € auf 66,9 Mrd. € (Abb. 1+2). Maßgeblich getragen wird das Wachstum im Markt von den Wettbewerbern, deren Anteil mit 32,6 Mrd. € (48,7%) im Vergleich zum Vorjahr von 29,5 Mrd. € (45,7 %) um 10,5 % steigt. Das überdurchschnittliche Wachstum der Wettbewerber wird 2005 stärker als in den Vorjahren durch Erfolge bei Festnetzdiensten und weniger durch Steigerungen im Mobilfunkbereich getragen (Abb.3).

Die Investitionen in Sachanlagen erhöhen sich 2005 erstmals seit vier Jahren wieder – je zur Hälfte getragen von den Wettbewerbern und der Deutschen Telekom.
Die Sachinvestitionen im Telekommunikationsmarkt belaufen sich 2005 auf insgesamt 5,3 Mrd. € und verzeichnen erstmals seit dem Jahr 2001 eine signifikante Erhöhung gegenüber dem Vorjahr (4,4 Mrd. €) um 20,5 % (Abb. 4) – maßgeblich zurückzuführen auf verstärkte Investitionen im Festnetz für diversifizierte Breitband-Angebote sowie den fortschreitenden UMTS-Flächenausbau im Mobilfunk. Mit 2,5 Mrd. € tragen die Wettbewerber etwa die Hälfte des gesamten Investitionsvolumens im Telekommunikationsmarkt.

Geschäftswachstum und Investitionen im Jahr 2005 wirken sich positiv auf die Beschäftigungsentwicklung aus.
Mit 50.500 Mitarbeitern steigt die Beschäftigtenzahl bei den Wettbewerbern weiterhin an und setzt den positiven Trend einer leichten Erholung aus dem letzten Jahr fort. Der zwischenzeitliche Rückgang bei den Mitarbeiterzahlen wird damit weiter aufgefangen und stabilisiert. Der Arbeitsplatzsaldo der neuen Anbieter liegt damit deutlich über der absoluten Zahl der Beschäftigung in den ersten Liberalisierungsjahren (Abb. 5).

II. Festnetzmarkt nach Umsatz und Minuten

Das Wachstum der Wettbewerber verlangsamt sich, der Marktanteil der Deutschen Telekom stabilisiert sich - leichter Rückgang der Gesamtverbindungsminuten durch steigende DSL-Nutzung bei Datenübertragung.
Insgesamt geht das Gesamtverbindungsvolumen von 922 Mio. Min. pro Tag auf 897 Mio. Min. pro Tag im Zuge einer zunehmenden Verlagerung der Internetverbindungsminuten zu-

gunsten von DSL zurück (Abb. 6). Die Wettbewerber können ihre Verbindungsminuten im Festnetz insgesamt auf 442 Mio. Min. pro Tag (49,3 %) steigern, während der Anteil der Deutschen Telekom von 455 Mio. Min. pro Tag (50,7 %) weiter abnimmt. Allerdings schlägt sich der langsam steigende Marktanteilsgewinn der Wettbewerber bei den täglichen Verbindungsminuten erwartungsgemäß nicht eins zu eins in den Umsätzen nieder, da die DTAG bei jeder Wettbewerberminute über Intercarrier-Umsätze im Vorproduktebereich kräftig mitverdient. Die Abhängigkeit der Wettbewerber von Vorprodukten der Deutschen Telekom trägt somit zur Stabilisierung der insgesamt nur marginal sinkenden DTAG-Umsätze von 25 Mrd. € bei (Abb. 7).

Der Wettbewerb bei Ortsnetzgesprächen führt zu einer deutlichen Steigerung des Marktanteils der Wettbewerber und des Ortsverbindungsverkehrs insgesamt.
Von allen Ortsnetzminuten haben die Wettbewerber mittlerweile einen Anteil von 93 Mio. Min (42,1 %) bei 221 Mio. generierten Minuten pro Tag. Im Gegensatz zu ortsnetzübergreifenden Sprachverbindungen, die mit einem Volumen von insgesamt 388 Mio. Min pro Tag nur noch geringfügig wachsen, erschließt der lebendige Wettbewerb im Ortsnetz weitere Wachstumspotenziale und den Ausbau des Geschäftes mit Call-by-Call, Preselection und Komplettanschlüssen (Abb. 8+9).

Bei allen Festnetzzugangsarten verzeichnen die alternativen Anbieter im Jahr 2005 eine deutliche Zunahme der absoluten Kundenzahlen – die höchste relative Steigerung erfolgt mit 43,5 % bei direkt angeschlossenen Kunden.
Gewinner der diesjährigen Marktstudie sind die Komplettanschlüsse, deren Zahl von 2,3 Mio. Kunden auf insgesamt 3,3 Mio. Kunden - vielfach qualitätsbewusste Privat- und Geschäftskunden – um über 43 % gestiegen ist. Sie generieren mit 61 Mio. Minuten täglich etwa 91 % mehr Verbindungsminuten als ein Call-by-Call-Kunde, dessen Nutzungsintensität wiederum nur 13 % unter der von Preselection-Kunden liegt. Insgesamt hat sich die Zahl der Kunden, die Angebote der Wettbewerber nutzen, auf 25,9 Mio. erhöht. Darauf entfallen 16,2 Mio. Call-by-Call-Nutzer, die mit 157 Mio. Min. den größten Anteil (54,5 %) an der Nutzung der neuen Dienste der neuen Anbieter haben. Der leichte Zuwachs im Preselection-Bereich von 5,7 auf 6,4 Mio. Kunden macht deutlich, dass die Nutzer sich auch dauerhaft an Wettbewerbsunternehmen binden. Diese Kunden generieren mit 70 Mio. Minuten knapp ein Viertel (24,3 %) des Verbindungsaufkommens im Wettbewerb (Abb. 10-12).

Im Bereich der Service-Rufnummern erwirtschaften die Unternehmen signifikante Umsätze in den Bereichen Customer Care und Call-Media.
Der Markt für innovative Auskunfts- und Service-Rufnummern entwickelt sich weiter positiv. Mit 1,7 Mio. geschalteten Rufnummern im Einsatz werden bei den neuen Anbietern 18,3 Mio. Gesprächsminuten pro Tag abgewickelt und ein Umsatz von 506,4 Mio. € generiert. Insbesondere 0137-Rufnummern sind ein beliebtes Instrument, das vielseitig – vor allem im Transaktions-TV von Medienunternehmen - eingesetzt wird. Gefragte Dienste sind auch 0800er- und 0180er-Rufnummern, die mit über 43 % des Umsatzes den Großteil des Marktvolumens bei den Wettbewerbern ausmachen. Ebenso weisen Auskunftsdienste mit 14,1 % des generierten Umsatzes eine hohe Nachfrage auf (Abb. 13).
 

III. Internet-Zugangsmarkt

Die Kundennachfrage nach Breitband steigt signifikant – Ende 2005 liegt die Zahl der Breitbandanschlüsse bei gut 10 Mio.
Mit 10,2 Mio. Breitband-Anschlüssen und einem Marktanteil von über 80 % bei direkt geschalteten DSL-Verbindungen dominiert die Deutsche Telekom weiterhin den lukrativen Markt für Breitband-Internetzugänge. Bundesweite und regionale Anschlussnetzbetreiber haben mit 1,7 Mio. direkt geschalteten DSL-Kunden ihre Anschlusszahlen zwar fast verdoppelt, ihr Anteil bei den DSL-Anschlüssen beläuft sich aber weiterhin lediglich auf 16,7 %. Andere breitbandige Zugangsmöglichkeiten im Wettbewerb zu DSL spielen in Deutschland nach wie vor mit 0,3 Mio. Anschlüssen nur eine untergeordnete Rolle.

Der Anteil an DSL-Anschlüssen auf Basis von Telekom-Resale wird für 2005 auf 9,1 % mit 900.000 Kunden geschätzt. Dies entspricht einem T-Com-Marktanteil auf Basis der Kundenbeziehung von ca. 74 %. Rund drei Viertel der DSL-Kunden in Deutschland werden demnach trotz des Resale-Starts im Vorjahr die Rechnung für ihren Breitbandanschluss noch von der Deutschen Telekom erhalten. Der Internet-Zugang wurde auch in der Vergangenheit schon von Wettbewerbern angeboten. Für 3,1 Mio. T-Com-DSL-Anschlüsse wird der Internet-Zugang von Wettbewerbern und nicht von T-Online bereitgestellt. Die Bedeutung dieser Vermarktungsvariante (Variante C in Abb. 16) wird zukünftig voraussichtlich zugunsten von Resale (Variante B in Abb. 16) zurückgehen.

Die Entwicklung des Breitband-Verkehrsvolumens von voraussichtlich 676 Mio. Gigabyte (GB) für 2005 verdeutlicht, dass die Nachfrage nach breitbandigen Diensten weiterhin hoch ist, vor allem der Verkehr auf dem Netz der Deutschen Telekom steigt im Vergleich zum Vorjahr in 2005 nochmals deutlich an. Auch die Wettbewerber verzeichnen einen deutlichen Anstieg von 139 Mio. GB auf 191 Mio. GB und schaffen es – auch mittels aggressiver Preisstrategien und nachfragegerechter Angebote – weiterhin die nutzungsintensiveren Kunden zu gewinnen (Abb. 14-17).

IV. Mobilfunkmarkt

Die jüngsten Vermarktungsoffensiven der Mobilfunkbetreiber lassen das Verbindungsminutenvolumen im Jahr 2005 deutlich ansteigen.
Während der Datendiensteanteil an den Service-Umsätzen im Mobilfunk weiter auf 20,2 % ansteigt – maßgeblich getrieben von der MMS- und Datenübertragungsnutzung -, bleibt die Sprache im Mobilfunk als Anwendung ungeschlagen – mit steigender Nutzung: Insgesamt erhöht sich das tägliche Gesprächsminutenvolumen auf 118 Mio. Min. (Abb. 18-19). Auch zukünftig ist ein deutlicher Zuwachs des Minutenvolumens im Mobilfunkbereich zu erwarten. Im Jahr 2005 sind bereits Karten mit günstigen Minutenpreisen (No Frills-Tarife) und Flatratetarife eingeführt worden, die geeignet sind, Verbindungsminuten aus dem Festnetz in den Mobilfunk zu verlagern. Eine absolute Abnahme der Sprachverbindungsminuten im Festnetz ist derzeit allerdings noch nicht erkennbar.
 

Gerd Eickers bewertet die Wettbewerbsentwicklung abschließend grundsätzlich positiv: „Die zufriedenstellende und sich langsam stabilisierende Situation der Branche darf jetzt jedoch nicht dadurch gefährdet werden, dass verfrühte Forderungen nach einer Rücknahme der Regulierung - gerade im innovativen Breitbandbereich - gestellt werden. Es wird nun darauf ankommen, dass die neue Bundesregierung die entsprechenden Impulse aus dem Kommunikationssektor aufgreift und für eine sektorübergreifende Belebung der Gesamtwirtschaft durch gezielte Förderung des Wettbewerbs nutzbar macht. Dazu gehört auch die Sicherung der Fachkompetenz in EU, Ministerien und Bundesnetzagentur. Die Konzentration auf neue Regulierungsfelder wie Energie, Gas und Bahn darf nicht dazu führen, dass die ordnungspolitischen Herausforderungen in den Telekommunikationsmärkten vernachlässigt werden.“

Auch Prof. Dr. Gerpott fordert angesichts der Marktzahlen 2005 eine Belebung des Kommunikationsstandortes Deutschland: „Beim Ausbau von breitbandigem Internetzugang, der Stärkung von Funktechnologien und der Weiterentwicklung mobiler Dienste muss unser Kommunikationsstandort den früheren Spitzenplatz einnehmen und wieder Leitmarkt werden. Wir können uns nicht länger mit einem Platz im Mittelfeld begnügen. Dafür sind politische Entscheidungen notwendig, die unternehmerisches Handeln fördern und so wieder Innovation und Investitionen ermöglichen. Größte Herausforderung bleibt dabei der Umgang mit der Marktmacht des Ex-Monopolisten Deutsche Telekom.“

Weitere Informationen sowie das grafisch aufbereitete Datenmaterial der Markterhebung sind auf den Internetseiten des VATM oder unter www.dialog-consult.com abrufbar.

Kontakt

Corinna Keim
Leiterin Kommunikation und Presse
Tel.: +49 221 376 77-23
E-Mail: ck(at)vatm.de