Pressemitteilungen

11.05.2007

All-IP-Welt bringt neue Dienste und Angebote für Unternehmen und Verbraucher

VATM-Telekompass: Experten diskutieren über Zukunft der Mehrwertdienste

In der neuen All-IP-Welt werden Unternehmen und Verbraucher auf hochwertige und zum Teil gänzlich neue Mehrwertdienste zugreifen können, Anbieter können sich neue Geschäftsfelder erschließen – sofern die technischen und regulatorischen Hausaufgaben im Vorfeld erledigt werden. Darüber waren sich die Teilnehmer der Experten-Talkrunde beim gestrigen VATM Telekompass Berlin-Mitte einig. An der von TV-Producer Christian Spanik moderierten Diskussionsrunde nahmen neben Dr. Iris Henseler-Unger, Vizepräsidentin der Bundesnetzagentur, und Axel Freyberg, Vice President der Unternehmensberatung A. T. Kearney Communications GmbH, auch Wendelin Meyer-Mölck, Geschäftsführer der dtms GmbH, und Renatus Zilles, Vorsitzender der Geschäftsführung der NEXT ID GmbH und im VATM-Präsidium für die Mehrwertdienste verantwortlich, teil.

Henseler-Unger erläuterte in ihrer Keynote zu Beginn der Veranstaltung, dass die Entwicklung hin zu einer All-IP-Welt große Chancen für Unternehmen und ihre Kunden biete. Dazu müsse man frühzeitig Lösungen zu Themen wie Zusammenschaltung, Quality of Service, Erreichbarkeit, Abrechnungssysteme, IMS-Plattformen oder auch Verhinderung von Missbrauch erarbeiten. Hier seien zuerst die Anbieter und ihre Verbände gefragt. Auch die Bundesnetzagentur sei bereit, als Initiator und Mediator eines Dialogs und durch konkrete Entscheidungen zu helfen, die Potenziale einer All-IP-Welt nutzbar zu machen. Für den jetzt anstehenden Migrationsprozess forderte Henseler-Unger mehr Transparenz und mehr Branchendialog. Am Ende müsse die Stärkung des Standorts Deutschland und die Intensivierung des Wettbewerbs zum Nutzen des Kunden stehen.

Von der Umstellung auf komplett IP-basierte Netze erwartet TK-Experte Freyberg neue multimediale Mehrwertdienste, die die heutige sprach- und textbasierte Bandbreite deutlich erweiterten. So etwa die Anruf-Initiierung direkt von der Webseite, das sogenannte Click-to-call, die Anreicherung von Anrufen zu Sondernummern um visuelle Komponenten wie Menü-Darstellungen, Zusatzinformationen oder Werbeeinblendungen oder bei IP-TV die Teilnahme an Televotings direkt über die Fernbedienung. Langfristig werde sich das Telefon zu einem Web-Terminal entwickeln, das Internet durch die Emanzipation vom PC ins Wohnzimmer wandern. Die heutigen Rufnummern bleiben den Verbrauchern nach Ansicht von Freyberg noch lange erhalten. Ihre Nutzung und die in ihnen implizit enthaltene Preisdarstellung seien „gelernt“. Auch in der All-IP-Welt würden die klassischen sprachbasierten Mehrwertdienste wichtige Anwendungen bleiben und nicht vollständig durch das Web abgelöst werden. Insgesamt geht Freyberg hier von einem Nutzungszuwachs durch erweiterte Dialog- und Interaktionsmöglichkeiten aus.

Eine Riesen-Chance sieht dtms-Geschäftsführer Meyer-Mölck in der neuen Multi-Netzwelt für Unternehmen, die als Komplexitäts-Reduzierer für ihre Kunden aufträten: „In einer Welt des ‚geilen Geizes’ können Unternehmen im Massenmarkt nur noch preispolitisch agieren. Das bedeutet das Ende der Mischkalkulation. Service wird damit wieder eine eigene Angebots-Kategorie, mit eigener nach Content und Service-Level differenzierten Kosten-Nutzenrechnung und eigener Produktionskette.“ Mit der Trennung von Transport und Content/Service werde es künftig die entscheidende Aufgabe der Mehrwertdienste-Enabler sein, für Kunden-Unternehmen die Abrechenbarkeit von Diensten und die Erreichbarkeit der Dialog-Organisationen sicher zu stellen sowie die Optimierung von Dialog-Prozessen zu übernehmen. In der heutigen TK-Debatte dominiere noch die Infrastruktur-basierte Weltsicht, die von starkem Margenverfall gekennzeichnet sei. In einer NGN-Welt hingegen seien intelligente Applikationen, Quality of Service, Call-Steuerung und die Virtualisierung von Funktionalitäten die eigentlichen Wertschöpfungstreiber.

Für NEXT ID-Chef Zilles kommt den Mehrwertdiensten in der All-IP-Welt eine Schlüsselrolle zu. Vor dem Hintergrund der zunehmenden Konvergenz von Telekommunikation und Medien seien auch die Auswirkungen auf andere Branchen zu beachten, so etwa die Rolle der Mehrwertdienste im Bereich der Medienfinanzierung. Der Übergangsprozess zu All-IP müsse daher bestmöglich begleitet und gesteuert werden. Zielsetzung soll nach Ansicht von Zilles sein, bewährte erfolgreiche Geschäftsmodelle in die All-IP-Welt zu überführen und gleichzeitig die Voraussetzungen dafür zu schaffen, neue verbraucherfreundliche Dienste zu entwickeln. Dafür müssten die Kriterien Sicherstellung der Abrechenbarkeit der Nutzung, zugangstechnologie-neutrale Erreichbarkeit, diskriminierungsfreier Zugang zum und für den Endnutzer, Wahrung von Verbraucherschutzrechten und effektive Missbrauchsprävention erfüllt sein. Zilles sprach sich abschließend dafür aus, eine Arbeitsgruppe mit Vertretern von Bundesnetzagentur und Anbietern einzurichten, die die nächsten Schritte und einen Zeitplan für die Migration erarbeiten soll.

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