Pressemitteilungen

15.05.2007

Brüssel legt Großhandels- und Endkundenpreise für Handy-Telefonate im EU-Ausland fest

VATM kritisiert zu hohe Vorleistungspreise und befürchtet Überregulierung

Der heute in Brüssel von Kommission, Parlament und Rat gefundene Kompromissvorschlag für eine Verordnung zum International Roaming wird nach Ansicht des VATM bereits kurzfristig zu deutlich niedrigeren Preisen im EU-Ausland für die Verbraucher führen. „Damit bestehen reelle Chancen, dass die Mobilfunkrechnung zum Beispiel nach einem Mallorca-Urlaub künftig endlich niedriger ausfällt als der Preis für das Flugticket“, glaubt VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner.

Der auf drei Jahre angelegte Kompromiss sieht vor, dass im ersten Jahr für im Ausland geführte Handy-Telefonate maximal 0,49 Euro und für im Ausland via Handy empfangene Anrufe höchstens 0,24 Euro in Rechnung gestellt werden. Gleichzeitig wird auch der Großhandelspreis mit Euro 0,30 gedeckelt. In den beiden Folgejahren sollen alle Preise sukzessive um zwei bis drei Cent jährlich weiter abgesenkt werden.

„Bislang wurden von den Verbrauchern die Preise für im Ausland geführte oder empfangene Handy-Telefonate zu Recht als zu hoch empfunden. Mit dem heute gefunden Kompromiss werden bei vielen Tarifen diese Kosten um mehr als die Hälfte sinken – eine Entwicklung, die wir ausdrücklich begrüßen“, so Grützner.

Kritisch sieht der Verband jedoch die zu hoch festgelegten Vorleistungspreise und die Doppelregulierung von Großhandels- und Endkundenpreisen: „Im Verhältnis zu den Endkundenpreisen liegen die Vorproduktpreise immer noch deutlich zu hoch. Dies benachteiligt insbesondere kleinere Anbieter, weil sich die großen Netzbetreiber untereinander bereits heute deutlich günstigere Einkaufskonditionen einräumen.“

Zudem wäre nach Auffassung des Verbandes eine Doppelregulierung von Vorleistungs- und Endkundenebene nicht erforderlich gewesen. Bei einer sich an den tatsächlichen Kosten der effizienten Leistungserbringung orientierenden Festlegung der Vorproduktpreise hätten sich die Endkundenpreise im Wettbewerb auf ein für die Verbraucher günstiges Niveau eingependelt. Das zeigten die bisherigen Erfahrungen aus dem deutschen Telekommunikationsmarkt.

Parlament und Rat müssen dem heute gefundenen Kompromissvorschlag noch zustimmen. Der Vorschlag wird voraussichtlich am Donnerstag kommender Woche im Parlament und im Juni im Rat verabschiedet.

Die Regelungen des heutigen Kompromisses im Einzelnen:

Die Roaming-Verordnung tritt am Tag nach der Veröffentlichung im EU-Amtsblatt in Kraft. Die Mobilfunkanbieter müssen innerhalb eines Monats nach Inkrafttreten ihren Kunden ein Angebot unterbreiten. Die Kunden ihrerseits haben zwei Monate Zeit, dieses Angebot anzunehmen. Wenn sie dieses Angebot annehmen, muss der jeweilige neue Tarif innerhalb von zwei Wochen verfügbar sein. Kunden, die dieses neue Angebot nicht annehmen, werden automatisch in den Euro-Tarif überführt, es sei denn, sie telefonierten bereits vorher zu günstigeren Tarifen. Beim Grenzübertritt sollen Kunden künftig automatisch eine SMS erhalten, aus der die jeweiligen Roaminggebühren ersichtlich sind, die SMS soll außerdem eine Rufnummer für detaillierte Rückfragen enthalten.

Der Euro-Tarif sieht in den ersten zwölf Monaten nach Inkrafttreten einen Höchstpreis von 49 Cent für abgehende und einen Höchstpreis von 24 Cent für eingehende Anrufe vor, im zweiten Jahr von 46 bzw. 22 Cent, und im dritten Jahr 43 bzw. 19 Cent. Die Großhandelspreise dürfen im ersten Jahr nach Inkrafttreten nicht höher sein als 30 Cent, im zweiten Jahr nicht höher als 28 Cent und im dritten Jahr nicht höher als 26 Cent. Die Verordnung hat eine Laufzeit von drei Jahren und wird von der EU-Kommission nach 18 Monaten hinsichtlich der Preisentwicklung überprüft.

Kontakt

Corinna Keim
Leiterin Kommunikation und Presse
Tel.: +49 221 376 77-23
E-Mail: ck(at)vatm.de