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08.06.2007

Europa diskutiert über größten Technologiewandel in der TK-Geschichte

VATM: Vorschlag der Bundesnetzagentur geht nicht weit genug

„Wir stehen in Europa vor dem größten Technologiewandel in der Geschichte der Telekommunikation. Der Umbau der Netze auf All-IP-Technologie und Next Generation Networks wird völlig neue Herausforderungen an alle nationalen Regulierungsbehörden in allen europäischen Staaten stellen“, erklärt der VATM im Einklang mit dem europäischen Wettbewerberverband ECTA anläßlich des heute stattfindenden Hearings des Industrieausschusses des EU-Parlaments.

„Wenn es den ehemaligen nationalen Monopolunternehmen gelingt, diesen Umbau technisch zum Ausstieg aus der Regulierung zu nutzen und den Zugang zum Kommunikationsnetz der Zukunft zu verhindern oder zu erschweren, dann wird es neue Monopole und weniger Investitionen, Innovationen und Arbeitsplätze geben“, warnt VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner. Die positive Wettbewerbsentwicklung der Vergangenheit löst nach Ansicht des VATM nicht die bereits erkennbaren Wettbewerbsprobleme der Zukunft. Der technologieneutrale und faire Zugang zu den künftig wesentlichen Infrastruktur-Komponenten müsse auch weiterhin glasklar geregelt sein. Die EU-Kommission habe diesen Zusammenhang erkannt und diskutiere mit dem Markt konkrete Lösungsmöglichkeiten.

In Deutschland ist der Zugang zum Next Generation Network der Telekom trotz der am vergangenen Freitag veröffentlichten Regulierungsverfügung der Bundesnetzagentur derzeit noch nicht ausreichend gesichert. „Der vom deutschen Regulierer nun der EU vorgeschlagene Ansatz, den Wettbewerbern nur den Zugang zu den Leerrohren auf der letzten Meile gewähren zu wollen, bietet den Unternehmen, die weiter investieren wollen, noch keine ausreichende ökonomische und technologische Perspektive“, kritisiert Grützner.

„Während es bislang Ziel der deutschen Infrastruktur-Politik war, die Ebene der über 8.000 Hauptverteiler mit eigenen Netzen zu erreichen, wären die Wettbewerber nach dem Willen der Bundesnetzagentur nun gezwungen, die eigene Infrastruktur auf die Ebene der rund 300.000 Kabelverzweiger auszudehnen, um bundesweit die Endkunden anschließen zu können. Ohne die Einbeziehung der Hauptverteilerstandorte in ein zukünftiges Regulierungskonzept kommt es zu einem weiteren Auseinanderdriften zwischen städtischen und ländlichen Gebieten bei der Breitbandversorgung.“

Aus Sicht der Telekom sei nachvollziehbar, dass sie versucht, die Wettbewerber vom Anschlussnetz der Zukunft fernzuhalten. „Die Teilnehmeranschlussleitung ist aber auch nach fast zehn Jahren Wettbewerb noch fest in der Hand des Ex-Monopolisten“, erläutert der VATM-Geschäftsführer. „Wenn die Wettbewerber nun gezwungen werden, die letzte Meile kurzfristig selbst nachzubauen, um wettbewerbsfähig zu bleiben, werden bereits getätigte Investitionen in Höhe von rund 15 Milliarden Euro aufs Spiel gesetzt, sinnvolle künftige Investitionen verhindert und ein Großteil der über 50.000 Arbeitsplätze bei den Wettbewerbern gefährdet.“

Vor diesem Hintergrund ist es nach Ansicht des VATM kein Wunder, dass die EU-Kommission in der anstehenden Überprüfung der Regeln für den Telekommunikationssektor immer mehr zur Einrichtung einer eigenen europäischen Regulierungsbehörde neigt. „Natürlich muss die Kommission auch künftig ihre wichtige Rolle als supranationaler Wettbewerbshüter wahrnehmen. Wichtiger als eine neue Behörde zu schaffen bleibt es aber, die Unabhängigkeit der nationalen Regulierer zu stärken. Wir begrüßen daher die Bereitschaft der Bundesnetzagentur, die bislang nicht gelösten Zugangsfragen schnell zu klären.“

Nach Ansicht des VATM kann es nur über eine gemeinsame Erschließung des Marktes durch Wettbewerber und Telekom gelingen, die Potenziale von breitbandiger Kommunikation voll auszuschöpfen und Kunden flächendeckend und effizient mit innovativen Diensten zu versorgen. „Für diese wichtige Zukunftsaufgabe müssen jetzt die Weichen gestellt werden. Eine flächendeckende Breitband-Versorgung der Bürger liegt im ureigenen Interesse eines bürgernahen Europa“, erklärt Grützner abschließend.

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