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31.10.2011

VATM-Tele-Kompass: „Nicht locker lassen beim Breitbandausbau"

Verbandspräsident Eickers: „Universaldienstdebatte jetzt aufgeben“ – LTE und Open Access als Treiber – 70 Gäste beim politischen Abend nach TKG-Beschluss in Berlin

Die Herausforderungen beim Breitbandausbau in Deutschland standen im Mittelpunkt des VATM-Tele-Kompass in Berlin. Die aktuelle Debatte um einen Breitbanduniversaldienst, die Fortschritte beim LTE-Ausbau sowie die Bedeutung von Open Access für weitere Fortschritte waren entsprechend die Themenschwerpunkte der abendlichen Expertenrunde mit sechs Vertretern aus Wirtschaft und Politik sowie von der Bundesnetzagentur vor rund 70 Gästen.

Aktueller hätte die Diskussionsrunde kaum sein können, hatte doch der Bundestag wenige Stunden zuvor am 27. Oktober 2011 wichtige Neuerungen im Telekommunikationsgesetz (TKG) beschlossen. VATM-Präsident Gerd Eickers zeigte bei der Begrüßung erleichtert, dass das neue Gesetz nun keine Breitband-Universaldienstverpflichtung vorsieht. Ein solches „bürokratisches Monstrum“ wäre ein erhebliches Hemmnis für den Ausbau gewesen, so Eickers. Für die Planungssicherheit der Unternehmen sei es jetzt wichtig, dass die Universaldienstdebatte im Bundesrat nicht wieder neu angeheizt werde.

Für einen Breitbandmarkt mit Wettbewerb sowohl bei den Diensten und Anwendungen als auch den Netzen sprach sich die Vizepräsidentin der Bundesnetzagentur, Dr. Iris Henseler-Unger, in der Diskussionsrunde aus und bekannte sich klar zu „Open Access“, dem diskriminierungsfreien offenen Zugang zur schnellen Glasfaser-Infrastruktur: „Wir wollen, dass jeder Anbieter in Deutschland bundesweit anbieten kann. Über Open Access können auch kleine Unternehmen Vorleistungen offerieren.“ Die Netze müssten deshalb nicht nur technisch, sondern auch hinsichtlich der Geschäftsprozesse interoperabel sein.

Insbesondere auf den „Wettbewerb der Breitband-Dienste“ setzt Huawei Technologies als eines der wichtigsten Unternehmen, das TK-Lösungen für Fest- und Funknetze anbietet. „Die immens hohen Investitionen für die Glasfasernetze bergen ein großes Risiko, wenn die Netze nicht optimal ausgelastet werden können", gab Walter Haas, CTO von Huawei Technologies Deutschland, zu bedenken. Ohne Wettbewerb und Open Access seien die Netze nicht zu füllen. „Wir sehen in Open Access ein zentrales Thema für den weiteren Erfolg beim Breitbandausbau“, erklärte Haas. Dabei sprach er sich auch dafür aus, verstärkt die Eigentümer selbst zum Anschlussausbau zu motivieren, da der Breitbandanschluss in nicht versorgten Gebäuden beispielsweise auch zur Wertsteigerung der Immobilien beitrage.

Beim LTE-Ausbau sieht Telefónica Deutschland „fast am Ziel“. Der Großteil der Ausbauverpflichtungen auch in den Flächenländern sei erfüllt, erklärte Markus Haas, Geschäftsführer Corporate Affairs & Strategy bei Telefónica Germany. Bereits 70 Prozent des Ausbaus der noch fehlenden zwei Prozent zur Vollversorgung seien ausgeführt und werden im kommenden Jahr abgeschlossen. Dabei gehe es unter anderem darum, dass zigtausende Anträge für Richtfunkstrecken schnell seitens der Bundesnetzagentur abgearbeitet werden müssten.

„LTE ist gerade in ländlichen Gebieten für die TK-Grundversorgung, also Standard-Dienste wie E-Mail und Surfen, eine gute Grundlage", bestätigt Dr. Wolf Osthaus, Head of Corporate & Regulatory Affairs bei United Internet (u. a. 1&1). Denn der Bandbreitenbedarf wachse auch erst nach und nach. Derzeit hätten viele Nutzer gar keine Vorstellung, was sie mit einem 50-MB-Anschluss machen könnten. Lernten die Kunden aber neue Dienste kennen, wollten sie auf Dauer auch eine noch größere Bandbreite. Durch innovative Cloud-Computing-Dienste entstehe beispielsweise wieder ein neuer Bedarf. Dann seien die Kunden in Deutschland auf Dauer auch bereit, etwa zehn Euro pro Monat mehr für einen Breitbandanschluss auszugeben. Das erleichtere dann wiederum den weiteren Breitbandausbau. Die regulatorischen Rahmenbedingungen müssten hier weiter den Wettbewerb als maßgeblichen Treiber für den Ausbau sichern. „Wir sind auf einem guten Weg“, so Dr. Osthaus.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Martin Dörmann verteidigte den Vorstoß seiner Fraktion, mit einer Universaldienstverpflichtung die Breitbandgrundversorgung abzusichern: „Wir brauchen endlich eine vollständige Lückenschließung in den Bereichen, wo kein LTE-Ausbau erfolgt. Von daher erwarte ich keine Wettbewerbsverzerrungen." Daneben
brauche man auch einen weiteren Ausbau des Glasfasernetzes. „Das Problem dabei sind einerseits die Kosten, andererseits aber auch die bislang noch nicht sehr ausgeprägte Bereitschaft der Menschen, für höhere Übertragungsgeschwindigkeiten auch mehr zu zahlen."

„Wir brauchen neue Dienste, das steht außer Frage“, stimmte auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Andreas Lämmel zu. So würden derzeit auch die Anbieter von Smart Grid und Smart Metering versuchen, ins Providergeschäft zu kommen. Am Ende sei hier die Frage, wer die Dienste als Erster an den Endkunden herantragen könne. Dabei stelle u. a. auch die demografische Entwicklung die Anbieter vor eine große Herausforderung. Außerdem seien in Deutschland die Kunden durch den intensiven Wettbewerb sehr viel stärker auf niedrige Kosten fixiert als in anderen Ländern mit deutlich geringerer Preissensibilität, so Lämmel. Dennoch dürfe man beim Breitbandausbau keine Ruhe einkehren lassen, damit auch 2012 noch einmal einen großen Fortschritt und werthaltige Anwendungen bringe.

Die Veranstaltung fand mit freundlicher Unterstützung der Huawei Technologies Deutschland GmbH statt.

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