05.07.2017

(Super-)Vectoring stört Glasfaserausbau

Die regulatorische Diskussion fokussiert sich aktuell vollkommen auf die Förderung des Glasfaserausbaus und die Frage, ob Anpassungen am Regulierungsregime notwendig sind. Während hierfür vordergründig ganz grundsätzliche Themen betrachtet werden, liegt der Teufel wie so oft im Detail. Eher unbemerkt von den „großen Fragen“ aus Bonn und Brüssel, hat die Deutsche Telekom in einem seit geraumer Zeit laufenden Überprüfungsverfahren zum TAL-Standardangebot eine Regelung unterbringen wollen, die den Glasfaserausbau empfindlich stören würde.

FTTB/G.fast vs. (Super) Vectoring – Worum geht es?

Beim Ausbau von FTTB-Netzen wird die Glasfaser bis an das Haus herangeführt, ohne dass bis auf den eigentlichen Hausstich die Bausubstanz des Gebäudes berührt werden muss. Für das allerletzte Stück Weg zu den Kunden ist es möglich, die im Haus bereits verlegten Steigleitungen aus Kupfer weiterhin zu nutzen und trotzdem die FTTB-typischen, hohen Bandbreiten beim Kunden zu liefern. Dafür nutzt man innerhalb des Gebäudes ein G.fast genanntes Übertragungsverfahren, das der Nachfolger zum VDSL2-Standard ist. G.fast ermöglicht Datenübertragungsraten im Gigabit-Bereich und ist aufgrund des hohen Frequenzbereichs nur für kurze Leitungsdistanzen geeignet.

Sofern nun ein anderer TK-Anbieter (Super-)Vectoring am Kabelverzweiger (KVz) einspeist und damit ebenfalls das Gebäude versorgen möchte, kann es bei der Übertragung innerhalb des Gebäudes dazu kommen, dass sich die Signale behindern, da sie beide die Steigleitungen im Haus nutzen und identische Frequenzbereiche verwenden.

Aus diesem Grund begehrt die Deutsche Telekom vor dem Regulierer eine Privilegierung ihrer (Super-)Vectoring-Technologie, was de fakto eine Verdrängung der für den Ausbau von FTTB nutzbaren G.fast-Technologie bedeutet – mit entsprechenden Konsequenzen für das Geschäftsmodell der Glasfaserausbauenden Unternehmen.

Wenn zwei sich streiten, schaut der Dritte in die Röhre

Die Deutsche Telekom will bei der parallelen Nutzung der beiden Technologien Abschläge beim Super-Vectoring von bis zu 42 Prozent im Downstream festgestellt haben. Ein regulatorischer Ansatz, der dem weiter vom Kunden entfernt eingespeisten Signal den Vorzug gibt, würde die alte Kupfertechnologie protegieren und ein Hindernis für den Glasfaserausbau bilden.

Die nun von der Deutschen Telekom vorgeschlagene Lösung – eine Aussparung eines bestimmten Frequenzbereichs bei der Nutzung von G.fast – hätte seinerseits zur Folge, dass erhebliche Abschläge bei der Leistung der Glasfaseranschlüsse hinzunehmen wären.

Der auf Gigabit-Bandbreiten ausgerichtete FTTB-Anbieter könnte damit nicht mehr als 400 maximal 600 Mbit/s anbieten und müsste mindestens auf 400 Mbit/s seiner Leitung verzichten. Damit ergibt sich immer noch ein großer Abstand zur maximal möglichen Super-Vectoring-Bandbreite von 250 Mbit/s, allerdings rechtfertigt dieser leichte Wettbewerbsvorteil nicht die erheblich höheren Investitionen in das nun allerortens geforderte Glasfasernetz.

Am Ende würde der Kunde von den Möglichkeiten der neuen Glasfaseranschlüsse nur deutlich eingeschränkt profitieren. Den Unternehmen, die das wirtschaftliche Risiko des FTTB-Ausbaus auf sich nehmen und damit den Weg hin zu einem flächendeckenden Ausbau hochleistungsfähiger Glasfasernetze ebnen, darf nicht aus Rücksichtnahme auf weniger leistungsfähige Technologien untersagt werden, ihre Endkunden mit der bestmöglichen Anschlussqualität zu versorgen.

Möge der Bessere gewinnen

Die Regulierung ist nun abermals gefordert, eine Entscheidung zugunsten bzw. zulasten einer bestimmten Technologie zu fällen. Dabei wartet die Branche nach der für den Wettbewerb enttäuschenden Vectoring 2-Entscheidung dringend auf eine klare Aussage zugunsten der zukunftsträchtigen Glasfaseranschlüsse. Mit Spannung wird daher das Petitum des Regulierers erwartet, mit dem noch in diesem Sommer zu rechnen ist.

Für den VATM ist klar: Künftig gilt „fiber first“. Deutschland braucht ein klares politisches Bekenntnis zur Gigabit-Gesellschaft. Wichtigste Voraussetzung dafür sind gigabitfähige Anschlussnetze, also FTTB, FTTH, DOCSIS 3.1 und komplementär Glasfaseranschlüsse für den zukünftigen Mobilfunkstandard 5G. Sowohl Regulierung als auch Breitbandförderung müssen klar auf eine Gigabit-Strategie ausgerichtet werden. Keinesfalls darf ein FTTB-Ausbau durch Übergangstechnologien, wie etwa Vectoring, ausgehebelt werden.

Zu dieser Problematik detailliert Position bezogen hat der VATM gemeinsam mit den Verbänden BREKO und BUGLAS in der gemeinsamen Stellungnahme zum TAL-Standardvertragsverfahren. Lesen Sie hier gerne mehr.