12.05.2016

Geschäftskundenmarkt braucht sichere Vorleistungen

In der öffentlichen Diskussion rund um Breitbandstrategien und der Erreichung politischer Ziele bleibt ein Bereich häufig unbeachtet: Geschäftskunden stellen das Rückgrat von Industrie und Wirtschaft und sind über alle Branchen auf ein gutes ITK-Angebot angewiesen. Dementsprechend fragen sie ein breites Spektrum an Diensten mit hohen Qualitäts- und Sicherheitsansprüchen nach, das zudem häufig an mehreren Unternehmensstandorten zu erbringen ist. Für den Geschäftskunden ist es daher wichtig, dass diese Dienste vom Anbieter möglichst aus einer Hand erbracht werden. Für alternative TK-Anbieter, die im Wettbewerb mit der Telekom stehen, ist daher ausschlaggebend, dass und auf welche bundesweit verfügbaren Vorleistungen sie zurückgreifen können.

Im Auftrag des VATM hat das Wissenschaftliche Institut für Infrastruktur und Kommunikationsdienste (WIK) eine detaillierte Analyse zum Geschäftskundenmarkt vorgestellt. Allein Geschäftskundenangebote, so die Wissenschaftler, hätten einen Anteil von 40 Prozent am Umsatz des Gesamtmarktes. Für Deutschland ist dieser Markt daher besonders wichtig. Die wirtschaftliche Leistungskraft hängt entscheidend von der Qualität und Modernität der Kommunikationsdienste für die Unternehmen ab. Das WIK betont, dass viele Hidden Champions der deutschen Wirtschaft ihren Stammsitz in ländlichen Regionen hätten. Auch sie seien wie viele andere kleinere und mittlere Unternehmen mit ihren Zweigniederlassungen auf für sie maßgeschneiderte Angebote angewiesen.

Wettbewerb unter den Anbietern von Geschäftskundendiensten sei daher ein sicherer Weg, Vielfalt, Preisgünstigkeit und innovative Angebote sicherzustellen. Die Regulierung von Vorleistungen sei aufgrund der Besonderheiten im Geschäftskundensegment von signifikanter Bedeutung. Die Studie belegt, dass sich die Marktverhältnisse in Deutschland tatsächlich nicht grundsätzlich geändert haben. Bei Geschäftskundenangeboten könne z.B. eine Substitution durch im Privatkundenbereich so erfolgreichen OTT-Dienste nicht erfolgen. Auch die regulierte Zuführung zu Auskunfts- und Mehrwertdiensten ist für die Zukunft alternativlos und gleichzeitig für ein breites TK-Angebot essentiell. Die Konsequenz aus Sicht des WIK sowie des VATM ist daher eindeutig: Die Regulierung der notwendigen Leistungen muss daher weiter aufrechterhalten werden, auch wenn der dafür bislang maßgebliche Markt 2 aus der Empfehlungsliste der EU-Kommission im Jahr 2014 gestrichen wurde. Aufgrund der Verhältnisse in Deutschland muss sich die BNetzA bei der in diesem Jahr anstehenden Marktanalyse jedoch an diese Empfehlung nicht halten. Andernfalls würde der Wettbewerb auf dem Markt für Geschäftskundenangebote geschwächt, neue Markteintrittsbarrieren bei der Zuführung aus dem Festnetz würden entstehen und alternative Wettbewerber könnten keine wettbewerbsfähigen Auskunfts- und Mehrwertdienste bereitstellen.

Die vollständige Studie steht hier zum Download zur Verfügung.