12.05.2016

TAL-Entgelt: entscheidende Stellschraube für Investitionen

Im Schatten des sehr präsenten Genehmigungsverfahrens zum Einsatz von Vectoring in den HVt-Nahbereichen ist in den letzten Wochen eine weitere wichtige Regulierungsentscheidung von der BNetzA vorbereitet worden: Die Genehmigung der monatlichen TAL-Überlassungsentgelte gilt als zentrale Stellschraube für die Investitionsentscheidungen der TK-Anbieter. Eine Absenkung des TAL-Preises ist maßgeblich, damit Mittel frei werden für dringend benötigte Infrastrukturinvestitionen in die Gigabit-Netze. Daher ist es positiv zu bewerten, dass die BNetzA eine leichte Absenkung der Entgelte für die Teilnehmeranschlussleitung (TAL) beschlossen hat. Diese ist jedoch mit zwei Cent von 6,79 auf lediglich 6,77 Euro (-0,3 %) im Falle der KVz-TAL deutlich zu niedrig ausgefallen.

Gerade der Kabelverzweiger wird für den weiteren Breitbandausbau eine zentrale Rolle spielen. Fakt ist, dass sich die Entgelte immer noch auf überhöhtem Niveau befinden. Es werden unverändert die Kosten für den hypothetischen Neubau der angemieteten sogenannten letzten Meile angesetzt, obwohl die Aufwendungen der Telekom, die sie für die Instandhaltung ihres Kupfernetzes tätigen muss, deutlich geringer als die Einnahmen aus der Vermietung der Teilnehmeranschlussleitungen sind. Erst kürzlich wurde festgestellt, dass die Telekom in der Zeit von 1999 bis 2015 über die regulatorisch festgesetzten Entgelte rund 40 Milliarden Euro anhand von Abschreibungen verdient hat. Demgegenüber habe die Telekom nur 18 Milliarden Euro in das Anschlussnetz investiert. Damit ergebe sich eine Lücke von mehr als 20 Milliarden Euro.

Genau diese investitionshemmende Situation sollte nach Maßgabe der EU-Kommission korrigiert werden. Brüssel erlaubt daher über eine hierzu veröffentlichte Empfehlung ausdrücklich ein Kostenberechnungsmodell, das deutlich geringere Preise gerechtfertigt hätte. Der VATM hat die im Vorfeld der Entscheidung veröffentlichte Studie „TAL-Preise – Investition und Wettbewerb in Deutschland“ von Dr. Karl-Heinz Neumann und Prof. Ingo Vogelsang unterstützt. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass eine Neujustierung des Preissetzungsmodells dringend erforderlich ist, die unter anderem auch abgeschriebene Netzteile berücksichtigt und auf ein glasfaserbasiertes Netz abstellt. Damit soll ein Anreiz auch für die Telekom geschaffen werden, altes Kupfer abzubauen und in moderne Glasfasernetze mit entsprechenden Vorleistungsprodukten zu investieren.

Die BNetzA hat bei ihrem Entscheidungsentwurf die EU-Empfehlung nur sehr zurückhaltend angewendet. Nun wird sich ein weiteres Mal im Rahmen des europäischen Konsolidierungsverfahrens zeigen müssen, ob EU-Kommission und der nationale Regulierer das gleiche Verständnis haben.

Brüssel wird dabei berücksichtigen müssen, dass die BNetzA-Entscheidung zu den TAL-Entgelten nicht isoliert zu betrachten ist. Durch den aktuellen Vectoring-Beschluss werden die TAL-Nachfrager bereits in der Nutzung der sogenannten letzten Meile massiv eingeschränkt und wo die Nutzung noch möglich bleibt, wird sie teuer. Die dringend benötigten Investitionen und der Wettbewerb auf dem Endkundenmarkt bleiben so eingeschränkt.