07.06.2000

Schwierige Identitätsprüfung bei Prepaid

Geht es nach dem Koalitionsausschuss, so müssen sich Kunden zukünftig beim Kauf von Prepaid-Mobilfunkkarten durch Vorlage eines „Identitätsdokumentes“, also z. B. per Personalausweis mit vollständigen Adressangaben ausweisen. Die Branche sieht allerdings die vorgesehenen Maßnahmen mit großen Bedenken. Sie laufen solange ins Leere bis international oder zumindest europäisch einheitliche Regelungen geschaffen werden. Auf der anderen Seite werden die Bezugsmöglichkeiten für Millionen Kunden eingeschränkt und die Kosten für die Verbraucher deutlich erhöht, ohne die Sicherheitslage auch nur granular zu verbessern. Auch datenschutzrechtliche Fragen, die mit einer Speicherung der Personen- und Adressdaten einhergehen, bedürfen noch einer genaueren Prüfung.

Fakten und Zahlen:

Rund 55 Mio. Kunden nutzen Prepaid-Produkte in Deutschland, etwa 18 Mio. Prepaid-Karten werden pro Jahr verkauft. Der jährliche Umsatz mit Prepaid beläuft sich auf ca. 3 Mrd. €. Prepaid Produkte sind in Deutschland an ca. 45.000 Verkaufsstellen erhältlich. Verkaufsstellen sind zum einen der Telekommunikations-Fachhandel mit ca. 5.000 Händlern, zum anderen aber auch der sogenannte Cash&Carry Handel (z.B. Lebensmittelhandel, Discounter, Drogerien, Kioske; nur Verkauf der Karte ohne Beratung und ohne Aktivierung vor Ort– ca. 40.000 Verkaufsstellen). Ca. 35% bzw. 6,3 Mio. Neukunden kommen über den Fachhandel, ca. 45% bzw. 8,1 Mio. Neukunden über Cash&Carry und weitere 20% bzw. 1,8 Mio. Neukunden kaufen online.

Prepaid hat seine Kunden über alle Bevölkerungsstrukturen, jedoch mit einem Schwerpunkt bei Jüngeren, bei Senioren, bei Menschen mit Migrationshintergrund und Bürgern mit eher niedrigerem Einkommen. Zentrale Entscheidungsgründe für die Entscheidung für Prepaid sind laut Kundenbefragungen: Kostenkontrolle, Einfachheit, Unabhängigkeit. Hinzu kommen günstige Preise, von denen vor allem ältere, einkommensschwache und Menschen mit Migrationshintergrund profitieren.

Eine genauere Betrachtung der Sicherheitslage zeigt jedoch, dass mit Einführung der Ausweispflicht davon ausgegangen werden kann, dass potenzielle Risikopersonen keine echten Ausweisdokumente mit Anschrift vorlegen werden oder die Karten unproblematisch aus dem Ausland beziehen werden.

Die Telekommunikationswirtschaft unterstützt seit vielen Jahren zahlreiche Maßnahmen, die dazu beitragen, die Sicherheit der Bevölkerung zu erhöhen. Allerdings sind Geeignetheit, Verhältnismäßigkeit und Kosteneffizienz ebenso zu beachten wie datenschutz- oder verbraucherschutzrechtliche Belange.