12.05.2016

Breitband 2025: Technik, Bedarfe und Strategien

Der Ausbau gigabitfähiger Glasfaser-Koaxialnetze (HFC) und FTTB/H-Netze in Deutschland muss schnellstmöglich erfolgen und sollte damit das entscheidende politische Ziel sein. Dies hat der VATM im Rahmen seiner Positionierung zu Leitfragen der SPD-Bundestagsfraktion klar herausgestellt.

Realistische Zielvorgabe einer zukunftsgerichteten Breitbandstrategie bis 2025/2030 ist mittelfristig die flächendeckende Versorgung. Wichtige Wirtschaftszentren, Industrie- und Gewerbegebiete müssen jedoch deutlich schneller angeschlossen werden. Daher muss bereits heute eine strategische politische Planung erfolgen, wie diese Ziele so weit wie möglich eigenwirtschaftlich erreicht werden können. Der Verband fordert dringend eine Analyse der die Investitionen treibenden und hemmenden Faktoren, die unerlässlich ist und bisher in großen Teilen fehlt.

Zu den Themenkomplexen Technik, Bedarfe und Strategien führt der VATM wie folgt aus:

Breitbandtechnik

Die Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft in Deutschland erfordert flächendeckend gigabitfähige Infrastrukturen. Aus Sicht des VATM sind dies im Festnetz allein FTTB/H- und HFC-Netze (mit dem künftigen Standard DOCSIS 3.1 werden symmetrisch mehrere Gigabit erreicht). Bei einem schrittweisen Ausbau können eine Erschließung von Kabelverzweigern (KVz) und auch der Einsatz von Vectoring sinnvoll sein. Weitere Migrationsschritte machen jedoch insbesondere im Vergleich zu anderen Wirtschaftsregionen, die im Wettbewerb zum Wirtschaftsstandort Deutschland stehen, kaum oder gar keinen Sinn, da die benachbarten Mitgliedstaaten in aller Regel ohne derartige Zwischenschritte ihre Glasfasernetze ausrollen werden. Bei der Bewertung unseres Wirtschaftsstandortes wird es künftig entscheidend auf die Angebotslage ankommen.

Im Hinblick auf Festnetz und Mobilfunk wird eine parallele Entwicklung erfolgen, die aber in vielen Fällen Schnittstellen aufweisen wird. Diese sind regulatorisch unbedingt zu beachten. Für den Aufbau von 5G-Netzen werden deutlich mehr Basisstationen an ein Glasfaserbackbone-Netz angeschlossen werden müssen. Diese liegen in aller Regel nicht am KVz-Standort, so dass es nicht ausreichen wird, schrittweise die Kupferleitungen durch Glasfaserinfrastruktur am KVz zu ersetzen.

Breitbandanwendungen und -bedarfe

Sowohl im gewerblichen als auch im privaten Bereich gehen wir davon aus, dass ein schnellstmöglicher Ausbau mit gigabitfähigen Infrastrukturen zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts Deutschland erforderlich ist. So wurde auf der letzten DIHK-Konferenz am 26. April 2016 „Digitale Zukunft@Mittelstand“ vom ausstellenden Unternehmen trinckle 3D GmbH ausdrücklich darauf hingewiesen, dass nur gigabitfähige-Netze den Bedarf gerade auch beim Wandel der deutschen Maschinenbauindustrie (Industrie 4.0) decken können. Dezentrale industrielle Lösungen werden verhindert, wenn nicht flächendeckend Gigabit-Netze zur Verfügung stehen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass es nicht allein zielführend ist, ausschließlich wissenschaftlich die Bedarfssituation in zehn Jahren zu analysieren, während im Ausland die Entscheidung für FTTB/H gefallen ist. Vielmehr wird unsere Wettbewerbsfähigkeit entscheidend davon abhängen, wie sich die Erschließung mit gigabitfähigen Netzen in unseren Nachbarländern entwickelt. Wirtschaftsstandorte mit nach oben skalierbaren Gigabit-Netzen werden deutliche Vorteile gegenüber solchen Standorten haben, die auf Basis einer Kupferinfrastruktur – ohne Planungssicherheit für die angeschlossenen Unternehmen – immer weiter aufwendig nachgerüstet werden müssen.

Breitbandstrategie 2025

Entsprechend der obigen Aussagen muss ein Ausbau gigabitfähiger Glasfaser-Koaxialnetze (HFC) und FTTB/H-Netze in Deutschland schnellstmöglich erfolgen und sollte damit auch politisches Ziel sein. Dringend und unerlässlich ist eine Analyse der die Investitionen treibenden und hemmenden Faktoren, die bislang in großen Teilen fehlt.

Höhere Bandbreiten, Upload-Raten und dezentrale Strukturen (z. B. 5G, autonomes Fahren) werden von größter Bedeutung sein. Eine Differenzierung zwischen Privat- und Geschäftskunden ist zwar im Bereich der Dienste und der Vorleistungsprodukte sinnvoll, nicht aber im Bereich des Infrastrukturausbaus, da sich mittelständische Unternehmen und Filialbetriebe außerhalb von Gewerbegebieten ebenso wie Heimarbeitsplätze geografisch nicht von reinen Privatkundenanschlüssen trennen lassen.

Wie weit die Ziele durch eine marktgetriebene Entwicklung erreicht werden können, wird ganz erheblich von einer intelligenten Wettbewerbs- und Regulierungspolitik abhängig sein, die konsequent die oben erwähnte Analyse der Investitionen treibenden Instrumente einbeziehen sollte. Hierbei wird man feststellen, dass die Bereitschaft, von VDSL auf FTTB/FTTH-Netze zu migrieren, bei Wettbewerbern einerseits und der Telekom andererseits höchst unterschiedlich ist. Der zweite entscheidende Faktor, um Investoren und Investitionen nach Deutschland zu holen, ist eine deutlich verbesserte Planungssicherheit.

Auch im Zuge der Migration zu FTTB/H-Netzen bleibt eine Zugangsregulierung zwingend erforderlich, da ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen dem FTTC-Ausbau und den weiteren wirtschaftlichen Migrationspotenzialen besteht. Darüber hinaus kommt zukünftig dem Dienstewettbewerb auf dem technologisch besten Netz eine noch größere Bedeutung zu, da die Auslastung des Netzes entscheidend sein wird für die Wirtschaftlichkeit des Ausbaus und des Betriebs.

Regulierung muss sich insofern verändern, als dass der Fokus nicht mehr einseitig auf den Interessen des regulierten Unternehmens liegen darf. Im Interesse der Bürger und der Volkswirtschaft müssen vielmehr die Investitionsmöglichkeiten aller potenzieller Investoren berücksichtigt werden. Erst eine moderne Regulierungspolitik, die die gesellschaftlichen Interessen in den Fokus rückt, wird eine schnelle Migration zur Gigabit-Gesellschaft ermöglichen.