15.09.2015

Telekom-Gesamtstrategie: Breitbandinvestitionen werden deutlich erschwert

Mit großer Sorge um die Realisierung einer zukunftsfähigen Langfriststrategie für den Breitbandausbau in Deutschland, beobachtet der VATM das aktuelle Agieren der Deutschen Telekom am Markt und im politischen Umfeld. Seit mehr als einem Jahr versucht diese mit einer konzertierten Vorgehensweise, den flächendeckenden Breitbandausbau durch Wettbewerber generell und insbesondere den Glasfaserausbau bis ins Haus (FTTB/H) zu behindern und ihm die wirtschaftliche Grundlage zu entziehen. Dabei nutzt die Telekom verschiedene aufeinander abgestimmte Maßnahmen, die jede für sich – und verstärkt in ihrem Zusammenwirken – das Umfeld für wettbewerbliche Investitionen zunehmend zerstören.

Erst eine Gesamtschau aller Aktivitäten und nicht die juristische Betrachtung einzelner Antragsverfahren bei der Bundesnetzagentur zeigen die Entschlossenheit, eine nicht mehr umkehrbare Remonopolisierung herbeizuführen. Zu den vielen großen und kleineren Angriffen der Telekom auf den wettbewerbsgetriebenen Breitbandausbau gehört an erster Stelle der Vectoring-Antrag des Unternehmens, den wir in einem eigenen Beitrag innerhalb dieses Newsletter dezidiert dargestellt haben.

Darüber hinaus verunsichert die von der Telekom geschürte Deregulierungsdiskussion das Investitionsumfeld. Angefangen in Brüssel bei der Debatte um
1.    die angeblich aus Gründen der Zugangsregulierung nicht mehr bestehende Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den so genannten Over The Tops (OTT)-Anbietern und  
2.    um eine Regionalisierung der Regulierung
soll der Eindruck erweckt werden, dass jedweder Regulierungsabbau den Breitbandausbau unterstützt und von volkswirtschaftlichem Nutzen ist. Dabei ist es eben vielerorts nicht die Zugangs-Regulierung, durch die die Telekom angeblich im Wettbewerb behindert wird, sondern es sind schlicht die deutlich schnelleren Anschlüsse der alternativen Anbieter, die zur Kundenentscheidung für Glasfaser- und TV-Breitbandkabel geführt haben. Bestes Beispiel ist Hamburg, wo rund 90 Prozent der Breibandkunden Glasfasernetze oder TV-Breitbandkabel der Wettbewerber nutzen.

Auch die schlechte Vorleistungsqualität behindert Wettbewerb und Glasfaserausbau. Denn dort, wo FTTB/H oder TV-Breitbandkabel nicht vorhanden sind und der weitere Ausbau schrittweise über die Erschließung der Kabelverzweiger mit Glasfaser erfolgt (vor allem in ländlichen Regionen), sind die Investoren weiterhin zwingend auf die regulierten Vorleistungen der Telekom angewiesen. Die Vorleistungsprodukte der Telekom bieten aber bei weitem nicht die für Netzausbau und Dienste erforderliche Qualität, um vorleistungsbasierten Wettbewerb auch in Zukunft zu sichern. Insbesondere die unzureichenden Bitstromangebote, die vor allem für Gewerbetreibende und die Industrie nicht praktikabel sind, werden immer mehr zum Problem für die deutsche Wirtschaft.

Eine weitere, neue Facette ist der Einsatz von Hybrid-Produkten auf Festnetzbasis gekoppelt mit LTE, der zu einer erheblichen Verbesserung der Bandbreiten bei Festnetzkunden führen kann, aber vom marktbeherrschenden und regulierten Unternehmen anderen Marktteilnehmern überhaupt nicht angeboten wird.

Die Branchenverbände haben sich auch mit diesen Anliegen gemeinschaftlich und dringend an das zuständige Ministerium für Verkehr und Infrastruktur gewandt und werden die Anliegen der Branche nicht zuletzt im Rahmen der Treffen der Netzallianz intensiv vertreten.

Das Anschreiben der Verbände können Sie hier nachlesen.