28.04.2015

Breitbandziele 2018: Breitbandbeschleuniger oder Showstopper?

Warum heute Ausschreibungen, Förderung und Vectoringtechnik unsere Netze bis 2030 bestimmen werden

Die Digitalisierung Deutschlands wird im Jahr 2018 mit Erreichung des bundespolitischen Ziels einer flächendeckende Breitbandversorgung aller Bürger mit Übertragungsgeschwindigkeiten von 50 Mbit/s nicht beendet sein. Der Breitbandausbau mit dem Zeitfenster 2018 ist lediglich eine Etappe auf dem Weg zur vernetzten Gesellschaft. So richtig und wichtig das angepeilte Ziel ist, es bleibt dennoch nur ein Zwischenschritt zu den Highspeed-Datenautobahnen mit Standardgeschwindigkeiten von mehreren 100 Mbit/s und einer Gigabit-Gesellschaft, die der Wirtschaftsstandort in schon heute absehbarer Zukunft benötigen wird.

Wer einen verantwortungsvollen Plan für eine zukunftsgerichtete und in erheblichem Maße neu aufzubauende TK-Infrastruktur entwirft, muss daher Zeiträume analog denen im Energiesektor in den Blick nehmen: Daher müssen heute die Rahmenbedingungen für die zentrale Kommunikationsinfrastruktur bis zum Jahr 2030 geschaffen werden.

Eines ist ganz sicher: Schon mittelfristig muss die alte TK-Infrastruktur auf Kupferkabelbasis durch eine flächendeckende Glasfaservernetzung ersetzt werden.

Schon heute zeichnet sich deutlich ab, dass allein mit FTTC – dem Glasfaser-Ausbau nur bis zum Verteiler im Ort – die mittelfristigen Breitband-Ziele über 2018 hinaus kaum noch erreicht werden. Die technologische Aufrüstung der alten Kupferkabel ist vergleichsweise kostengünstig, darf aber nur dann als sinnvolle Übergangstechnologie betrachtet werden, wenn sie nicht dazu missbraucht wird, alte flächendeckende Monopole wiederzubeleben, die den weiteren Ausbau über 2018 hinaus deutlich verzögern.

Der dringend notwendige weitere Glasfaserausbau bis hin zum Endkunden (FTTB/H) wird nur gelingen, wenn ein maximaler Investitionswettbewerb besteht und die Unternehmen soweit als möglich aus dem Markt heraus zum weiteren Ausbau veranlasst – ja durch Wettbewerb gedrängt werden.

In der Stadt führt die Konkurrenz zwischen (hybriden) Kupfer-/Glas-Anschlüssen und TV-Kabel-Technologie zu Infrastrukturwettbewerb und damit aus sich heraus letztlich zu einer hochleistungsfähigen Glasfaserinfrastruktur. Auf dem Land aber, wo dieser Infrastrukturwettbewerb nicht besteht, bleibt der Investitionswettbewerb der einzige Treiber Er bietet allen Investoren die Möglichkeit, in eine bestmögliche Infrastruktur zu investieren.

Nach wie vor ist es genau dieser Investitionswettbewerb, der – zumindest in Deutschland – den Ausbau vorantreibt. Monopolartige Strukturen, die in den USA in den vergangenen Jahren wiedererstarkt sind, verhindern und verzögern ebensolche Investitionen und machen milliardenschwere Subventionsprogramme erforderlich, von denen nicht die Bürger, sondern in allererster Linie die Monopolisten selbst profitieren. Genau dies ist die Erfahrung, aber auch das nun öffentlich gemachte Problem der FCC und der heutigen US-Regierung.

Die im Bund und vielen Ländern gerade in Überarbeitung befindlichen Ausschreibungs- und Förderverfahren entscheiden darüber, ob nur die Ziele 2018 erreicht werden oder ob danach genügend Anreiz besteht, die Glasfaser so bald als möglich weiter bis in die Häuser zu bringen. Bei einer Reduzierung des Fokus auf die Ziele 2018 und den daraus resultierenden falschen Weichenstellungen heute kann es innerhalb kürzester Zeit zu einer stetig wachsenden digitalen Spaltung und neuen Forderungen nach noch schnellerem Breitband kommen. Damit wären bereits absehbar neue Fördergelder in Milliardenhöhe erforderlich, deren Bereitstellung bei einer zukunftsgerichteten Ordnungspolitik und vorausschauenden Breitbandstrategie vermeidbar wäre.

Fehler bei Ausschreibung und Förderung führen dazu, dass dort, wo sinnvoll schon heute in FTTB investiert werden könnte, nur FTTC ausgebaut wird und so die Glasfaser nicht im Haus endet, sondern am Kabelverzweiger an der Straße. Schuld sind uneinheitliche und falsche Bewertungsparameter innerhalb des Ausschreibungsverfahrens (Scoring), die bei der Auswertung der Angebote bestimmte Technologien oder Unternehmen bevorzugen.

Hierfür reicht es in der Praxis meist schon, dass bei Erreichen von 30 oder 50 Mbit/s die volle Punktzahl vergeben wird, deutlich höhere Bandbreiten anderer Anbieter aber nicht besser bewertet werden. Auch eine wesentlich höhere Förderung für ebendiese deutlich höheren Bandbreiten auf Basis einer zukunftsgerichteten Technologie existiert praktisch kaum, was zu einer suboptimalen Allokation von Fördergeldern führt. Dies bedeutet nicht nur die Verschwendung von Steuermitteln, sondern, viel schlimmer, das faktische Aus für die weitergehende FTTB/H-Erschließung für viele Jahre.

Es ist daher erfreulich, dass das vom Bundesministerium für Verkehr und Infrastruktur (BMVI) geplante Scoringverfahren bei der zukünftigen Fördermittelvergabe durch den Bund einen entsprechenden verbesserten Bewertungskatalog vorsehen soll. Der VATM hat 17 konkrete Vorschläge zur Verbesserung der Förderung erarbeitet - lesen Sie hier.

Noch viel kritischer stellt sich die Förderung der Vectoring-Technologie dar, weswegen die EU diese bislang ablehnt. Die EU Kommission befürchtet, dass Vectoring – wenn es zur Re-Monopolisierung genutzt wird – nicht Zwischenschritt und Treiber für den weiteren Ausbau ist, sondern diesen sogar massiv verhindert und letztlich der Grund für weitere staatliche Subventionen sein wird.

Genau dies sollte die Entscheidung der BNetzA zum Vectoring-1-Antrag der Telekom verhindern. Aber genau dies verlangt die Telekom nun mit dem bei der BNetzA gestellten Vectoring-2-Antrag. Erhält sie das alleinige Ausbaurecht mit Vectoring-Technologie im Bereich um sämtliche Verteilzentren (HVt-Nahbereich) in ganz Deutschland, führt das zu einem bislang nie vorstellbaren Ausbau-Flickenteppich mit rund 8.000 Vectoring-Inseln, die lediglich etwa 1,5 km Durchmesser haben. Gerade diese Bereiche um den Hauptverteiler herum sind bis 2018 am einfachsten und am kostengünstigsten auszubauen. Dürfte dort nur die Telekom investieren, hätte dies schwerwiegendste Auswirkungen auch außerhalb dieser Bereiche für sämtliche Ausbaupläne. Damit wäre der Ausbau und ein Netzbetrieb auch um diese Bereiche herum für Kommunen, private Investoren, Stadtwerke oder örtliche Genossenschaften und Initiativen deutliche erschwert und in vielen Fällen sogar wirtschaftlich sinnlos. Der Investitionswettbewerb würde so in den ländlichen Bereichen als zentraler Treiber für den Ausbau wegfallen.

Vectoring erfüllt seine Aufgabe als Impulsgeber für den weiteren Ausbau nur dann, wenn es so viel wie möglich von den Wettbewerbern des Ex-Monopolisten eingesetzt wird. Großflächiger Telekom-Ausbau mit VDSL, ggf. mit Vectoring auf dem Land, schafft dort ein dauerhaftes Monopol ohne Anreiz zu weiteren, deutlich teureren Investitionen in einen FTTB/H-Ausbau. Setzt aber ein Wettbewerber VDSL/Vectoring ein, muss er Monat für Monat einen regulierten Mietpreis für die letzten Meter Kupfer an die Telekom zahlen, der in etwa so hoch ist wie die Kosten für den Neubau einer Glasfaserleitung bis ins Haus. Sobald genügend Nachfrage besteht, werden die Unternehmen daher alles daran setzen, statt einer teuren Miete eine eigene, viel höhere Wertschöpfung aufgrund selbst errichteter Infrastruktur zu betreiben und dabei gleichzeitig die Leistungsfähigkeit durch den weiteren Glasfaserausbau drastisch zu erhöhen. Bei jeder Ausschreibung muss dieser natürliche Anreizmechanismus im Auge behalten werden. Leider wird er von vielen Beratern ignoriert. In einigen Bundesländern drohen großflächige Telekom-Ausbaugebiete zu entstehen, die eine spätere Subventionsrunde zu Lasten der Steuerzahler notwendig machen wird.

Für Vectoring gilt: Die Mischung macht es! An jedem einzelnen Kabelverzweiger (KVz)  kann es nur einen geben, der diese Technologie einsetzt. Aber je mehr von den 330.000 KVz von den Wettbewerbern auf dem Land erschlossen werden, umso schneller gelingt auch dort der weitere Glasfaserausbau und wir können so verhindern, dass das Land sehenden Auges von der Zukunftsentwicklung abgehängt wird. Die detaillierte VATM-Positionierung finden Sie hier.