06.05.2013

Höhere Miete für gesamte Teilnehmeranschlussleitung behindert Breitbandausbau

Durch die Entscheidung der Bundesnetzagentur (BNetzA), den monatlichen Mietpreis für die gesamte Teilnehmeranschlussleitung (TAL) um 11 Cent auf 10,19 Euro zu erhöhen, gewinnt die Telekom Deutschland Millionen für ihren eigenen Breitbandausbau in den ohnehin bereits gut versorgten wettbewerbsintensiven Regionen. Der VATM verdeutlicht: Das bedeutet eine deutliche Belastung des Wettbewerbs und der Infrastrukturinvestoren in Höhe  von mehr als 37 Millionen Euro im Genehmigungszeitraum und eine Entwertung der Investitionen der Unternehmen, die Glasfaser bis zum Hauptverteiler gebaut haben. 9,6 Milllionen TAL haben die Wettbewerber vom Ex-Monopolisten gemietet.

Da praktisch auch alle weiter bis zum Kabelverzweiger (KVz)  ausbauenden Unternehmen weiterhin auf die überteuerte lange Hauptverteiler (HVt)-TAL angewiesen sind, wird auch deren Investitionskraft geschwächt anstatt sie zu stärken. „Die Erhöhung der HVt-Miete um einen zweistelligen Millionenbetrag ist daher eine unerklärliche Kehrtwende weg von der Planungssicherheit für Investoren“, kritisiert VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner. Die Begründung sei kaum mehr nachvollziehbar und beruhe auf einem Berechnungsmodell, das an den Marktrealitäten vorbeigehe: Statt realer Kosten, wie vom VATM nachdrücklich seit Jahren gefordert, werden fiktive Wiederbeschaffungswerte für abgeschriebene uralte Kupferleitungen angesetzt. Statt die nur hypothetische Wiederbeschaffung dann wenigstens hypothetisch per Glasfaser zu realisieren, legt die BNetzA Kupferpreise zu Grunde. Statt fiktiver Durchschnittspreise wird der nur fiktive Ausbau unter Berücksichtigung real steigender Tiefbaukosten ermittelt. Real sinkende TAL-Anschlusszahlen verteuern zusätzlich die „Stückkosten“ pro TAL.

 „Aber es wird noch absurder: Die fiktiven Kosten stiegen laut der erfolgten Berechnung auch deshalb, weil sich wegen der drohenden zukünftigen Glasfasernutzung die Nutzungsdauer des – nur fiktiv neu eingebauten – Kupfers deutlich verkürze. Die BNetzA berechnet also zu Lasten der Wettbewerber die Kosten für eine technische und wirtschaftliche Fehlinvestition. Selbst wenn man weiter – ganz hypothetisch – von Wiederbeschaffung ausgeht, so sollte doch zumindest der technisch heute zwingende Ausbau in Glas und die entsprechend jahrzehntelange Nutzung dieser Neuinvestition zu Grunde gelegt werden“, unterstreicht Grützner.
 
Fazit aus Sicht des VATM: Unter solchen investitionsfeindlichen Rahmenbedingungen sind die Breitbandziele des Bundes wohl auch eher nur noch fiktiv erreichbar.